GeldanlageErneuerbare-Energien-Fonds auf der Überholspur

In Zerbst wird Wind- und Solarstrom produziert
In Zerbst wird Wind- und Solarstrom produziertimago images / Steffen Schellhorn

Die Idee hinter Sektor-Investments ist, dass eine Branche zumindest zeitweise so gut läuft, dass sie den Gesamtmarkt hinter sich lässt. Im Fall der erneuerbaren Energien ging dieses Kalkül jahrelang nicht auf. Analysten prophezeiten dem Sektor eine große Zukunft, schließlich ist das Ende der fossilen Ressourcen nur eine Frage der Zeit. Erneuerbare-Energien-Fonds kamen trotzdem kaum von der Stelle. Das hat sich zuletzt deutlich geändert: Seit Beginn der Corona-Börsenerholung im vergangenen Jahr entwickeln sich Fonds und ETFs, die in Erneuerbare Energien investieren, deutlich besser als der breite Markt.

Performancezahlen auf Jahresbasis sind momentan mit Vorsicht zu betrachten. Sie spiegeln eine der rasantesten Markterholungen aller Zeiten wider, sind also im historischen Vergleich wenig repräsentativ. In Relation zueinander sind die Zahlen aus unterschiedlichen Sektoren dann aber doch wieder aussagekräftig. Und im direkten Vergleich können sich Fonds, die auf Aktien aus dem Erneuerbare-Energien-Sektor setzen, sehen lassen: Im Schnitt erzielten sie in den vergangenen zwölf Monaten rund 73 Prozent Plus, zeigen Daten von Morningstar. Globale Standardwertefonds ohne Branchenfokus verzeichneten im selben Zeitraum einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 31 Prozent, also nicht einmal halb so viel.

Nachhaltiger Rückwenwind für Erneuerbare-Energien-Fonds

Anleger können zu Recht darauf hoffen, dass es sich beim jüngsten Höhenflug der Erneuerbare-Energien-Werte nicht um ein Strohfeuer handelt, sondern um das lange erwartete Durchstarten eines Zukunftssektors. Die Gründe dafür, dass die Branche in früheren Jahren immer wieder strauchelte, waren hauptsächlich politischer Natur. Wind- und Solarenergie, die beiden wichtigsten Segmente, hängen stark von öffentlichem Geld und politischen Entscheidungen ab. Läuft ein Förderprogramm aus oder erschweren neue Regel den Bau weiterer Solar- oder Windkraftanlagen, wie in den vergangenen Jahren häufig geschehen, belastet das die Aktienkurse nahezu aller Unternehmen der Branche. Nun sieht es allerdings ganz so aus, als meinten es die politischen Entscheidungsträger endlich ernst mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien.

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssen Länder rund um den Globus den Anteil der erneuerbaren Energien an ihrer Stromproduktion deutlich ausbauen. Das ist zwar nichts Neues. Es gibt aber Anzeichen dafür, dass es voran geht. Das wichtigste Signal sind die ehrgeizigen Klimaschutz-Pläne von US-Präsident Joe Biden. Laut einer Prognose der Investmentbank Morgan Stanley dürfte Kohle schon im Jahr 2033 komplett aus dem US-Strommix verschwunden und in weiten Teilen durch saubere Energiequellen ersetzt worden sein – fünf Jahre früher als in Deutschland. Solche Aussichten beflügeln die Aktienkurse von Unternehmen aus dem Windkraft- und Solarsektor.

Wer in Erneuerbare-Energien-Fonds investiert, sollte sich nicht der Illusion hingeben, ausschließlich lupenreine ESG-Werte im Portfolio zu haben. Schaut man sich die größten Positionen des Pictet Clean Energy an, eines der Dickschiffe unter den Erneuerbare-Energien-Fonds, sieht man dort unter anderem den US-Versorger NextEra. Der ist zwar nach eigenen Angaben der größte Wind- und Solarstromerzeuger der Welt, produziert aber auch Atomstrom und verfeuert Erdgas. Oder der Blackrock-Fonds BGF Sustainable Energy, mit mehr als 5 Mrd. Euro verwaltetem Vermögen ebenfalls ein Schwergewicht: Im Portfolio liegen unter anderem Aktien des italienischen Energiekonzerns Enel, der erst im Jahr 2050 komplett aus Erdgas aussteigen will. Und von RWE. Der Konzern setzt immer noch auf Braunkohle.

Fondsmanager argumentieren gern, dass eine Beschränkung auf reine Clean-Energy-Produzenten das Anlageuniversum zu sehr einschränken und die Wertentwicklung der Fonds zu stark schwanken lassen würde. Außerdem weisen sie darauf hin, dass die großen Energieversorger ihre Portfolios immer mehr auf Nachhaltigkeit trimmen. Beides ist richtig – jedenfalls zum jetzigen Zeitpunkt. Wer Nachhaltigkeit beim Investieren an oberste Stelle setzt, sollte aber hin und wieder nachschauen, ob sich das Fortschreiten der Energiewende auch in Erneuerbare-Energien-Fonds widerspiegelt.

Liegt in fünf Jahren immer noch Braunkohle im Portfolio, ist Skepsis angebracht, auch aus Renditesicht. Themenfonds, die auf klassischen Energieunternehmen setzen, haben in den vergangenen zwölf Monaten laut Morningstar im Schnitt eine deutlich schwächere Performance abgeliefert als ihre grünen Pendants. Auf Sicht von drei und fünf Jahren liegen sie sogar im Minus. So schlecht lief es bei Erneuerbare-Energien-Fonds nicht einmal vor dem jüngsten Durchstarten.