KolumneEin Schildbürgerstreich namens Energiewende

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Es muss ein glückliches Land sein, dass es sich leisten kann, neue Kraftwerke gar nicht erst ans Stromnetz gehen zu lassen, neuwertige Kraftwerke stillzulegen und die eigene Rohstoffversorgung aktiv zu verschlechtern. Als das Wall Street Journal vor Jahren titelte, Deutschland habe die dümmste Energiepolitik der Welt, konnten die Journalisten noch nicht ahnen, dass weitere Höhepunkte dieser verfehlten Energiepolitik noch vor ihnen lagen. Jedenfalls staunt man im Ausland nicht schlecht über den luxuriösen Umgang mit neuen Großkraftwerken.

Während sich die allermeisten Länder der Welt derartige Kraftwerke nur wünschen können, betreibt die Bundesregierung fröhlich Weltklimarettung auf Kosten der ohnehin bereits arg strapazierten Steuerzahler und Energieverbraucher, sprich jedermann! Obendrein sind die Beiträge Deutschlands zum weltweiten Treibhausgasausstoß derart bescheiden, dass die gesamte sogenannte Energiewende mittlerweile als kolossaler Schildbürgerstreich angesehen werden kann.

Ökonomen wissen indessen, was zu tun wäre, wollte man wirklich Einfluss auf die anthropogenen CO2-Emissionen der Welt nehmen. Dann müsste man deutsches Steuergeld nehmen und der Reihe nach damit die größten Dreckschleudern auf der Welt (vor allem in China und Osteuropa) durch neue sauberere Kraftwerke ersetzen. Dort nämlich ist der Grenznutzen des eingesetzten Steuergeldes bei weitem am größten.

Den CO2-Ausstoß woanders reduzieren

Wichtig wäre auch, die Proportionen im Auge zu halten. Nach Auskunft der Bundesregierung betrugen die Treibhausgasemissionen Deutschlands im Jahr 2019 rund 805 Millionen Tonnen. Gemäß einer Greenpeace-Verlautbarung lag der CO2-Ausstoß durch Waldbrände im Jahr 2018 bei acht Milliarden Tonnen. Wer den CO2-Ausstoß auf der Welt verringern will, der sollte also eher das Geld den von Waldbrand gefährdeten Ländern (z.B. Australien, Brasilien und USA), zur Brandprävention und -bekämpfung überweisen, als im eigenen Land neue und neuwertige grundlastfähige Kraftwerke abzustellen.

Nun geht es in der Welt und zumal in Deutschland durchaus nicht prioritär ökonomisch bzw. wissenschaftlich zu. Dies wissen wir spätestens seit der Einführung der D-Mark in Ostdeutschland. Und auch die verfrühte Einführung des Euro fällt in diese Kategorie. Gleichwohl gilt ein altes Wort aus der Deutschen Bundesbank, die bekanntlich auch nicht mehr ist, was sie einmal war. Es lautet: „Langfristig ist politisch nur klug, was auch ökonomisch richtig ist“.

Die Bundesrepublik Deutschland ist durch die staatlichen Stillstandsanordnungen im Rahmen der Corona-Pandemie in eine schwere Rezession geraten. China und Amerika werden wirtschaftlich besser durch die Krise kommen als Deutschland, sofern man den Volkswirten Glauben schenkt. Bereits während der großen Finanzkrise war Deutschland vom Konjunktureinbruch stärker betroffen als China und die USA. Die Folge ist ein wachsendes Wohlstandsgefälle zwischen Amerika und Deutschland. Zu der strukturellen Wachstumsschwäche Deutschlands gesellen sich noch die chronische Sachwertfeindlichkeit und die unvorteilhafte Demographie hierzulande hinzu.

Wäre es vor dem Hintergrund dieses Befundes nicht überlegenswert, die Prioritäten der deutschen Regierungspolitik einmal daraufhin zu überprüfen, ob diese auch den Wohlstand der Bevölkerung mehren? Vielleicht ergibt sich bei einer solchen Überprüfung, dass „Datteln 4“, „Moorburg“ und „Nordstream 2“ durchaus vorteilhafte Projekte für Verbraucher und Steuerzahler sind.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns