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Christoph Bruns Ein munterer Börsenaufgalopp, der Hoffnung macht

Christoph Bruns
Christoph Bruns
© Lyndon French
Die Börsen haben das neue Jahr mit einem kleinen Kursfeuerwerk begrüßt. Christoph Bruns erklärt, warum an den Finanzmärkten gerade Aufbruchstimmung herrscht 

Spritzig und keck sind die Aktienmärkte in die neue Börsensaison gestartet. Den Trend des Vorjahres fortsetzend, preschten die europäischen Aktienmärkte vom Start weg voran. Auch Amerika kam solide aus den Startblöcken, wobei vor allem der Transportsektor einen Schnellstart hinlegte. Das ist kein Wunder, denn die zuletzt stark gefallenen Energiepreise wirken sich beispielsweise auf Fluglinien und Frachtunternehmen sehr vorteilhaft aus. Überhaupt trugen die deutlichen Kursrückgänge bei Erdöl und -gas zur Stimmungsaufhellung bei, sorgen sie doch für etwas Entlastung in der Inflationskrise.

Für Europa gilt diese Feststellung wesentlich stärker als für Nordamerika, denn die europäischen Staaten – allen voran Deutschland – befinden sich in einer überwiegend selbst herbeigeführten komplizierten Energielage. Umso größer war das Aufatmen an der Börse, nachdem die schlimmsten Befürchtungen hinsichtlich fehlenden Erdgases für den laufenden Winter wohl nicht eintreten werden. Gerade energieintensive Branchen wie zum Beispiel der Chemiesektor vermochten daher etwas durchzuschnaufen.

Von nicht minderer Bedeutung ist die 180-Grad-Kehrtwende der chinesischen Corona-Politik. Die Öffnung des Landes und die Abschaffung der Covid-Restriktionen führt unweigerlich zu einer kräftigen Belebung der Wirtschaft. Angesichts der Größe Chinas ist das für den gesamten Welthandel ein Konjunkturprogramm. Die jüngsten Kurssprünge bei chinesischen Marktschwergewichten wie Gaotu Techedu, Pinduoduo, Alibaba, Tencent, Baidu etc. deuten die Euphorie an, die sich an die Erholung der chinesischen Wirtschaft knüpft. Die genannten Aktien sprangen seit Jahresbeginn jeweils zweistellig in die Höhe.

Einen Beitrag zu der positiven Börsenstimmung leisten auch die Notenbanken. Ungeachtet ihrer Entschlossenheit vorspiegelnden Rhetorik gehen die Marktteilnehmer davon aus, dass die Zinsen am langen Ende der Zinsstrukturkurve weit unterhalb der Geldentwertungsraten bleiben werden. Per Saldo sind die Realzinsen nicht nur sehr negativ, sondern liegen heute wesentlich niedriger als noch in den letzten Jahren. Langläufer sind daher für Investoren derzeit keine attraktive Anlagealternative zu Aktien.

Auch im Vergleich zu den Dividendenrenditen etwa bei den im Dax notierten Unternehmen drängen sich Anleihen heute nicht auf. Immerhin liegt die Dividendenrendite im Dax durchschnittlich bei 3,5 Prozent. Freilich geht der Großteil der Dividendenzahlungen in ausländische Hände, denn dort besteht eine höhere Konfidenz in die langfristigen Vorteile der Aktienanlage.

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