Spacs Diese deutschen Spacs sammeln zwei Milliarden ein

Neun deutsche Teams bringen Mantelfirmen an die Börse, weitere Berliner Wagniskapitalgeber bereiten Spacs vor. Sie haben die Zwei-Milliarden-Grenze überschritten, wie eine Auswertung von Finance Forward zeigt

In den USA sind Spacs oder "Special Purpose Acquisition Companies" seit kurzem im Visier der Börsenaufsicht SEC. Mehrere Investmentbanken bekamen Post von der gefürchteten Behörde, die nach Informationen über die Gebühren und die Risikokontrollen der Banken fragte. Zugleich warnte die SEC Anleger davor, leichtgläubig in Spacs zu investieren, nur weil Prominente an ihnen beteiligt sind.

Der Börsentrend zog in den vergangenen Monaten eine Vielzahl an Promis an. Die Basketballlegende Shaquille O’Neal und der Rapper Jay-Z etwa sind bei Spacs involviert. Spac-Sponsoren bringen leere Firmenhüllen an die Börse und suchen mit dem eingesammelten Geld – im Schnitt um die 330 Mio. Dollar – dann eine Tech-Firma, die sie kaufen können.

Es ist ein schneller Weg an die Börse. Anleger müssen großes Vertrauen in die Spac-Initiatoren mitbringen, denn sie kennen das Übernahmeziel vorher nicht. Nach dem großen Hype in den USA wird mittlerweile zunehmend Kritik an der Performance und der Eigentümerstruktur laut.

Doch dies hält deutsche Teams nicht davon ab, auf den Trend aufzuspringen. Abgesehen von den prominenten Spacs von Lakestar und Rocket Internet arbeiten mittlerweile eine Reihe von bekannten Tech-Gründern an neuen Börsenprojekten. So plant der ehemalige Rocket-Vorstand Alexander Kudlich mit seinem Fonds 468 Capital einen Börsengang in Frankfurt, ebenfalls weitgehend unbemerkt strebt Target Global mit einer Spac an die Börse und der ehemalige Deutschland-Chef des Matratzen-Startups Casper, Constantin Eis, ist ebenfalls an einem Projekt beteiligt.

Euphorie gesunken

Dabei hat die globale Spac-Euphorie schon abgenommen. Während im vergangenen Jahr die Firmenhüllen bereits nach der Listung im Kurs zulegen konnten, sind die Anleger zurzeit zurückhaltend. Viele Spac-Firmen notieren rund um den Ausgabepreis – so auch die Spacs der deutschen Teams, große Gewinner gibt es nicht.

Die große Frage bleibt, ob die Teams aussichtsreiche Firmen finden, um sie per Spac an die Börse zu bringen. Einige heiße Kandidaten haben einer solchen Übernahme bereits eine Absage erteilt. Ausnahmen sind die Flugtaxi-Startups Volocopter und Lilium, die beide per Spac an die Börse gehen wollen.

Parallel befindet sich mittlerweile viel Geld in den Firmenhüllen, mit dem die Spacs nach europäischen Übernahmezielen suchen. Allein die neun deutschen Teams sind schon jetzt bei mehr als zwei Milliarden Dollar, um eine Firma zu übernehmen, wie die Übersicht von Finance Forward zeigt (Target Global und 468 kommen noch dazu). Zusätzlich sammeln die Spacs noch einmal Geld ein, um die Übernahme zu finanzieren. Kritiker sehen die Gefahr, dass die weniger guten Firmen auf diesem Weg an die Börse gehen – und am Ende die Kleinanleger das Nachsehen haben.

Ein Überblick über die neun Spacs:

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