Neue Studie Wie „Einhorn-Mafias“ die deutsche Gründerszene prägen

Rocket Internet ist die erfolgreichste Mafia
Rocket Internet ist die erfolgreichste Mafia
© dpa-zb-Zentralbild | Paul Zinken / Picture Alliance / dpa
Deutsche Start-ups sind bei Investoren so gefragt wie nie. Das liegt auch an einem Einhorn-Netzwerkeffekt – den neue Daten eindrucksvoll untermauern: Aus erfolgreichen Unicorns gehen neue Unicorns hervor

In der Start-up-Szene ist es fast schon Tradition, dass die Statistiker zum Jahresende stets neue Finanzierungsrekorde vermelden. Auch in diesem Jahr liefern sie zuverlässig: Laut dem „State of the European Tech“-Report des Wagniskapitalgebers Atomico und des Analysediensts Dealroom werden dieses Jahr zum ersten Mal mehr als 100 Mrd. US-Dollar in die europäische Gründerszene geflossen sein, davon etwa 12,4 Mrd. nach Deutschland. Europas Gründer bekommen größere Runden als je zuvor und sammeln diese in immer kürzeren Abständen ein. Doch woher kommt diese Anziehungskraft auf internationale Investoren?

Einer der Gründe lässt sich in dem neuen Report finden. Man kann ihn den Einhorn-Netzwerkeffekt nennen: Wo einmal erfolgreiche Start-ups entstanden sind, werden weitere erfolgreiche Start-ups entstehen – vor allem, weil ehemalige Mitarbeiter selbst zu Gründern werden. Die wiederum verfügen über wichtige Erfahrung und kommen einfacher an das Geld der Investoren.

Die Rekordfinanzierung sei in dieser Hinsicht vor allem ein Beleg für die Reife des Tech-Ökosystems, sagt Atomico-Partner Tom Wehmeier. „Die Leute, die heute ein Unternehmen gründen, sind so erfahren und qualifiziert wie noch nie.“ Besonders Deutschland sei „außergewöhnlich stark beim Talentrecycling“, so der Investor.

Atomico hat für den diesjährigen Report die Lebensläufe tausender Gründer auf eine Zugehörigkeit zu einer „Mafia“ analysiert. Der Begriff umschreibt Netzwerke von ehemaligen Mitarbeitern, die für ein Start-up gearbeitet haben und dann wiederum selbst erfolgreich gründen. Berühmtestes Beispiel ist die sogenannte Paypal-Mafia: Zu ihren Mitgliedern zählen unter anderem Tesla-Chef Elon Musk, Linkedin-Chef Reid Hoffmann und Palantir-Macher Peter Thiel.

Knapp 400 Gründer waren vorher bei Rocket Internet

Die Analyse-Ergebnisse für Deutschland liegen Capital exklusiv vor. Die mit Abstand erfolgreichste Mafia ist demnach die ehemalige Start-up-Fabrik Rocket Internet. Aus dem Dunstkreis der Belegschaft gingen über die Jahre insgesamt fast 400 Gründer hervor. Dazu zählt beispielsweise der Gorillas-Gründer Kagan Sümer, der in weniger als zwei Jahren mehr als 1 Mrd. US-Dollar für seinen Lieferdienst eingesammelt hat. Oder der Gründer des größten deutschen Cannabis-Start-ups Sanity Group, Finn Age Hänsel.

Auf Platz zwei nach Rocket Internet folgt die Zalando-Mafia mit 210 Mitarbeitern, die danach selbst ein Start-up gegründet haben. Interessant dabei: Die Zalando-Gründer gehören ihrerseits selbst zum Dunstkreis von Rocket Internet.

Eine bemerkenswerte Gründungsaktivität zeigt sich auch bei den Alumni von Delivery Hero, HelloFresh und N26.

Zweite Generation profitiert von Einhorn-Netzwerken

Insgesamt haben die deutschen Einhörner mehr als 1.000 Gründer aus ihren Reihen hervorgebracht, so das Ergebnis der Atomico-Analyse. Die Einhörner trügen damit signifikant zum Gründungsgeschehen in Deutschland bei. „Das Know-How wird von einer Unternehmensgeneration zur nächsten weitergegeben“, sagt Investor Wehmeier. So ließen sich die Fähigkeiten, die man beim Aufbau und Hyperwachstum eines Einhorns erlebt, sehr gut auf neue Gründungen übertragen. Ähnlich wertvoll seien zudem die Netzwerke, die die Mitarbeiter in dieser Zeit knüpften.

Das gestiegene Vertrauen in die neue Gründergeneration zeigt sich auch am Kapitalmarkt. Laut Atomico-Daten entfielen 2021 ein Drittel der weltweiten Frühphasen-Finanzierungsrunden (Finanzierungen bis 5 Mio. US-Dollar) auf europäische Start-ups – damit liegt Europa gleichauf mit der Gründernation USA.

Die Atomico-Analysten rechnen damit, dass sich der aktuelle Einhorn-Boom in den kommenden Jahren noch stärker auf das Gründungsgeschehen auswirken wird.

Icon1

Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“ ? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden


Mehr zum Thema



Neueste Artikel