KolumneDie neue Art Aktien zu handeln

Symbolbild Aktienkurs
Symbolbild AktienhandelGetty Images

Jedes Wochenende gibt es die neue Welt des Brokerage für viele Millionen Deutsche in bunten Farben. Im Stadion von Borussia Mönchengladbach ist ebenso wie auf den Triktos der Spieler groß das Logo von Flatex zu sehen. Ehemals ein kleiner Broker aus der bayrischen Provinz bringt das Unternehmen aktuell fast zwei Milliarden Börsenwert auf die Waage. Der Kurs kletterte seit März 2020 von gut 20 auf fast 70 Euro, parallel zur stark wachsenden Kundenzahl.

Der weltweit wesentlich größer aufgestellte Broker Etoro wirbt an jedem Spieltag auf den Werbebanden in den Stadien von Frankfurt bis Berlin. Jüngst konnte man die Etoro-Werbung hinter dem Tor erkennen, weil Union Berlin just in dem Moment gegen Bayern München einen Treffer erzielte. Die Marketingabteilung dürfte sich gefreut haben, doch dies ist nur ein Nebenaspekt. Etoro hat allein im Jahr 2020 fünf Millionen neue Kunden gewinnen können und die Folgen für die Bewertung des israelischen Unternehmens kann man sich ausmalen. Ein anderes Beispiel ist die Aktie von Tradegate, die der Deutschen Börse unter privaten Anlegern reichlich Geschäft wegnimmt und deren Aktie sich seit März ebenfalls verdreifacht hat.

Da mutet es fast schon zu günstig an, dass Wallstreet Online mit seinem neuen Ableger Smartbroker nur auf einen Firmenwert von knapp 250 Mio. Euro kommt. Selbstredend ist dies dasVierfache der Bewertung aus dem März 2020, doch Wallstreet Online spielt im Konzert der Broker sehr gut mit.

Und die neue Generation dürfte bleiben, sofern sie mit klugem Kopf ans Aktiengeschäft herangehen und sich nicht in Hot Stocks oder mit dem Bitcoin die Finger allzu schnell verbrennen. Anders als vor 20 Jahren zur New Economy Blase treibt die jungen Anleger nämlich die Gewissheit, dass positive Zinsen nur noch in den Erzählungen der Großeltern vorkommen.

Dazu war das Umfeld früher ganz anders: Wer schon länger an der Börse aktiv ist, kann sich noch gut erinnern. Vor mehr als 20 Jahren musste man teilweise noch in der Bankfiliale vorstellig werden, um Aktien zu kaufen. Vor gut 20 Jahren war aber auch der 1.FC Kaiserslautern deutscher Fußballmeister und konnten Aufsteiger noch mit ehrlichem Fußball die Ligaspitze erklimmen. Früher war nicht alles besser, aber vieles anders. Trikotpartner bei Borussia Mönchengladbach war im Jahr 2000 übrigens Maxdada mit dem Slogan E-Future Today.

 


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