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Banken Die Commerzbank steht vor einer Rezessions-Prüfung

Die Commerzbank steht auch im zweiten Quartal dieses Jahres überraschend gut da.
Die Commerzbank steht auch im zweiten Quartal dieses Jahres überraschend gut da.
© IMAGO / Schöning
Die Commerzbank kann wieder Geld verdienen, wie sie im ersten Halbjahr unter Beweis gestellt hat. Doch die wahre Herausforderung liegt noch vor ihr – der Ausgang dürfte Auswirkungen auf die versprochene Dividende haben

Spricht man in diesem Sommer mit Commerzbankern, so ist da ein ungewohnter Tonfall zu vernehmen. Statt Durchhalteparolen und Phrasen, wie es jahrelang üblich war, ist aus ihren Worten Aufbruchstimmung, Zuversicht und Selbstvertrauen zu hören. Kein Wunder, denn die Geschäfte der zweitgrößten börsennotierten Bank in Deutschland sind auch im zweiten Quartal dieses Jahres überraschend gut gelaufen. Das kam an der Börse gut an, der Aktienkurs stieg in einem kaum veränderten Gesamtmarkt um knapp zwei Prozent an.

Mit einem Nettogewinn von 470 Mio. Euro für die Monate April bis Juni übertraf die Commerzbank deutlich die Markterwartungen. Hier war nur mit 370 Mio. Euro gerechnet worden. Ein wichtiger Faktor für die Gewinn-Steigerung waren die rund 16 Prozent geringeren Kosten, wozu Stellenstreichungen und die Schließung von Filialen beigetragen haben dürften.

Im zweiten Quartal verbuchte die Bank operative Kosten von 1,43 Mrd. Euro und kam damit auf eine Aufwand-Ertrag-Relation von 65 Prozent. In der Bankenwelt ist das eine wichtige Kennzahl, die Auskunft darüber gibt, welchen Aufwand eine Bank betreiben muss für ihre Erträge. Mit Kosten von 65 Cent für einen Euro Ertrag steht die Commerzbank nun im Vergleich zur Konkurrenz sehr gut da. Der größere Konkurrent Deutsche Bank strebt künftig eine Aufwand-Ertrag-Relation von 70 Prozent an, hat dieses Ziel aber noch nicht erreicht.

Bei der Commerzbank ist der Gewinnsprung zum Teil also selbst erarbeitet, wie Vorstandsvorsitzender Manfred Knof betonte. „Wir haben im ersten Halbjahr die Erträge im Kundengeschäft in beiden Segmenten stärker gesteigert als erwartet und unseren operativen Gewinn mehr als verdoppelt,“ sagte der seit 1. Januar 2021 amtierende Commerzbank-Boss. Er hatte seinerzeit einen Konzernumbau angestoßen, wofür die Bank im ersten Halbjahr 2021 einen Gutteil der Kosten verbucht und deshalb tiefrote Zahlen geschrieben hatte.

Nun kann Knof die Früchte dafür ernten, dass er zu Beginn seiner Amtszeit einige gravierende Probleme des Institutes beherzt angepackt hat. Im Zuge des Umbaus sollen von einstmals rund 1000 Filialen nur noch 450 bestehen bleiben und etwa 10.000 Stellen gestrichen werden. Bei den Filialen sieht sich die Bank bereits am Ziel, 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben die Bank bereits verlassen.

Rückenwind von steigenden Zinsen

Die Commerzbank profitierte im ersten Halbjahr allerdings auch von einem externen Faktor. Die überraschend schnelle und deutliche Zinswende, auch in der Eurozone, hat der Bank – wie anderen Kreditinstituten auch – geholfen, ihre Zinsmargen zu erhöhen. Der Zinsüberschuss bei den Frankfurtern kletterte im zweiten Quartal um 26 Prozent auf 1,48 Mrd. Euro.

Im zweiten Halbjahr dürfte sich dieser Effekt fortsetzen, denn die Europäische Zentralbank (EZB) wird aller Voraussicht nach wegen der hohen Inflation die Zinsen weiter anheben. Diese Unterstützung wird die Commerzbank wohl auch benötigen, wenn sie ihr Gewinnziel von 1 Mrd. Euro im laufenden Jahr erreichen will. Knof bestätigte dies bei der Vorlage der Halbjahreszahlen noch einmal, was auch die Hoffnung auf eine Dividende im kommenden Jahr stärken dürfte.

Die Bank will 30 Prozent ihres Konzerngewinns ausschütten und hat das Geld bilanziell bereits zur Seite gelegt. Im ersten Halbjahr hat die Commerzbank 768 Mio. Euro verdient. Damit müsste sie im zweiten Halbjahr noch rund 230 Mio. Euro nach Steuern verdienen, um ihr Ziel von einer Mrd. Euro zu erreichen.

Dafür wird die Commerzbank allerdings Rückenwind benötigen. Denn im zweiten Halbjahr werden die Herausforderungen und Risiken deutlich höher liegen – und zwar insbesondere wegen einer drohenden Rezession. Sollte es zu einer von Russland ausgelösten schweren Energiekrise in Europa kommen, würde darunter wohl insbesondere die deutsche Volkswirtschaft leiden – und damit die Commerzbank, die ein wichtiger Kreditgeber der deutschen Industrie ist und eine zentrale Rolle in der Außenhandelsfinanzierung spielt.

Risikofaktor Gaslieferungen

Bislang hat die Bank die Belastungen aus dem russischen Krieg gegen die Ukraine recht gut wegstecken können. Im zweiten Quartal lag die pauschale Risikovorsorge, also quasi Rückstellungen für möglicherweise ausfallende Kredite, bei 564 Mio. Euro. Im Zusammenhang mit dem Russland-Ukraine-Krieg seien Belastungen von 228 Mio. Euro hinzugekommen. Seit Beginn des Krieges reduzierte die Bank ihre Russland-bezogenen Forderungen bis Mitte Juli nach eigenen Angaben um 45 Prozent auf netto 1,02 Mrd. Euro.

Bislang habe es nur eine „geringe Anzahl“ von Kreditausfällen gegeben, hieß es. Doch das kann sich ändern, wenn die deutsche Wirtschaft in eine kräftige Rezession abrutscht. Das räumte zur Vorstellung der Halbjahres-Bilanz auch Finanzvorständin Bettina Orlopp ein. Das Ziel eines Gewinnes von einer Mrd. Euro knüpfte sie an die Bedingung, dass die Konjunktur sich nicht deutlich verschlechtert: „Ein großer Unsicherheitsfaktor bleibt in diesem Zusammenhang die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Gas“, sagte sie.

Nachdem die Commerzbank ihre verschleppten internen Probleme angepackt hat und die Früchte nun ernten kann, steht sie im zweiten Halbjahr vor der Herausforderung, sich einer Rezession zu stellen. Angesichts der bereits gebildeten Risikovorsorge und einer harten Eigenkapital-Quote von 13,7 Prozent sollte die Bank solch eine Krise bewältigen können. Ihr Gewinnziel und damit die Höhe der Dividende stehen dann allerdings in Frage.


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