Grauer KapitalmarktDeutsche Oel & Gas - ein Krimi am grauen Kapitalmarkt

Hübsch als Postkartenmotiv, riskant als Anlageobjekt: Ölbohrplattform in Alaska
Hübsch als Postkartenmotiv, riskant als Anlageobjekt: Ölbohrplattform in AlaskaGetty Images

Christian Schmitz (Name von der Redaktion geändert) hatte kein gutes Gefühl, als er an einem Junitag des Jahres 2014 das Münchner Fünf-Sterne-Hotel Charles verließ. Gerade hat er den Mann kennengelernt, dem er einen sechsstelligen Geld­betrag anvertraut hatte. „Er wirkte wie ein Sonnenkönig“, sagt Schmitz über Kay Rieck, einen kleinen, schmalen Mann mit Geheimratsecken, der etwa 30 Anleger versammelt hatte, um zu erklären, wie die Geschäfte der Deutschen Oel & Gas Gruppe laufen.

Während des Auftritts, erinnert sich Schmitz, sei Rieck durch den Raum gerauscht, habe Nachfragen lieber von Mitarbeitern beantworten lassen und die Blicke seiner Gäste gemieden, während er über die Förderung von Rohstoffen in Alaska sprach, jenes angeblich hochprofi­table Geschäft, in das die Anleger ihr Geld gesteckt hatten.

Deutsche Oel & Gas – das klingt nach Bottrop und heimischem Bodenschatz, solide wie Siegfried und treu wie der Tannhäuser. Ein eigentümlicher Name aber für eine Firma, die in Luxemburg sitzt, in Alaska bohrt, in Lettland einen Börsengang plante – und deren anhängige Prozesse inzwischen zahlreicher sind als ihre Bohrtürme.

Oel im Tennisklub

Mittendrin in diesem Krimi: 11.000 Anleger wie Christian Schmitz. „Wir schätzen, dass Sparer in Summe zwischen 700 Mio. und 1 Mrd. Euro investiert haben“, sagt der Frankfurter Anwalt Adrian Wegel von der Kanzlei RK Legal. Schmitz ließ sich von einem befreundeten Finanzvermittler zu dem Investment überreden. „Anfangs war ich skeptisch, weil die so hohe Zinsen zahlen“, sagt er. Teils sollten 13 Prozent fließen – pro Jahr. Aber der Freund hatte eine plausible Erklärung für die Konditionen: Der US-Bundesstaat Alaska subventioniert Öl- und Gasförderer mit sogenannten tax credits. Schmitz ließ sich überzeugen und investierte 2011 in einem ersten Schritt einen nied­rigen fünfstelligen Betrag.

Hinzu kam, dass die Deutsche Oel & Gas bei den Anlegern lange als potentes Unternehmen dastand. Rieck drehte in der Öffentlichkeit das große Rad: Seine Firma schaltete teure Werbespots bei N-TV und avancierte zum Haupt- und Trikotsponsor des Fußballvereins SSV Reutlingen. Ein rheinischer Tennisklub ließ sich gar dazu verführen, den sperrigen Namen „Deutsche Oel und Gas Rot-Weiss Köln“ anzunehmen.

Anfangs war das großspurige Auftreten noch gedeckt, die Anleger erhielten Geld zurück. „Das lief wie geschnitten Brot“, sagt Schmitz. Also investierte er mehr – wozu ihm reichlich Möglichkeiten geboten wurden. Finanzvermittler verkauften rund um die Deutsche Oel & Gas nicht nur geschlossene Fonds, sondern auch Schuldverschreibungen. Die wurden von der Energy Capital Invest (ECI) aus Stuttgart initiiert, weitere gleichnamige Gesellschaften halfen beim Vertrieb. Teil des Geflechts war auch die 2011 in Stuttgart registrierte Deutsche Oel & Gas AG, die ebenfalls Schuldverschreibungen verkaufte, genau wie die Deutsche Oel & Gas S. A., die 2014 in Luxemburg als geschäftsleitende Holding der Gruppe entstand.