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Daniel Saurenz Der Zins ist wieder da

Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main 
Handelssaal der Deutschen Börse in Frankfurt am Main 
© IMAGO / STTP / IMAGO
Mit einem großen Zinsschritt bringt die EZB Sparern ihre Hoffnung zurück. Aber reicht das? Wohl kaum – denn für Sparer zählt nicht der nominale, sondern der reale Zins

Christine Lagarde hat geliefert und was Mario Draghi nicht begonnen hat, läutet sie nun ein – die Zinswende. Und damit auch die Wende für Sparer, denn erste Direktbanken haben ihre negativen Zinsen bereits zurückgenommen und alsbald dürfte es auch ein paar kleine Zinsen bei manchem Institut geben, das um Kunden werben wird. Man erinnere sich an die 2000er-Jahre als vor allem die ING-Diba sehr zinsaggressiv unterwegs war. So weit, so gut.

Damit ist die schöne Geschichte aber auch schon bei ihrem fetten Aber angekommen. Denn für Sparer zählt nicht der nominale, sondern der reale Zins. „Bei fast zehn Prozent Inflation dürfte bei vielen Kunden von Sparkassen oder Volksbanken selbst bei Mini-Zinsen ein Realzinsminus von sieben oder acht Prozent auf das Jahr gerechnet stehen“, rechnet Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets vor. Stefan Riße, Autor des Buchs „Die Inflation kommt“, erwartet auch für die nächsten Jahre ein Grundrauschen an Inflation. Er gibt aber zu bedenken, dass selbst bei einer sich festfressenden Inflation die Notenbanken nicht unbegrenzte Schritte gehen können.

„Zunächst einmal scheint eine Lockerung der Geldpolitik natürlich in weite Ferne gerückt. Die Situation kann sich aber auch schnell drehen, denn man darf nicht unterschätzen, wie zinssensitiv die Wirtschaft ist. Die Unternehmensverschuldung ist in den letzten Jahren massiv gewachsen und zu starke Zinserhöhungen könnten zu einer Pleitewelle und Kettenreaktion führen, die dann auch die Notenbanken eine 90-Grad-Wendung hinlegen lassen würde, selbst wenn die Inflation noch nicht wieder bei zwei Prozent wäre“, sagt Riße, Kapitalmarktstratege von Acatis Investment.

Verrückte Zeiten

Hinzu kommt sicherlich, dass die EZB zwar bei den Zinsen mitmischen kann, eine Angebotsknappheit und Verwerfungen am Energiemarkt kann sie jedoch nicht beeinflussen. Da ist die Fiskalpolitik gefragt und natürlich politisches Geschick, 2023 Strom- und Gasmärkte wieder so weit zu beruhigen, dass die Sonder-Inflation aus dieser Richtung merklich abnimmt. Für Sparer jedoch ist dies alles nicht völlig ohne Belang. Entscheidend ist aber die Bilanz, wieviel Geld man verbrennt, wenn man Inflation und Zins gegenüberstellt. Und so waren die Zeiten der Jahre 2016 bis 2020 mit negativen Zinsen auf dem Sparkonto sogar besser als die Gegenwart. Denn ein Prozent Negativzins bei zwei Prozent Inflation ergab drei Prozent verbranntes Geld pro Jahr. Anleger ließen von 100.000 Euro also 3000 Euro liegen.

Auf dem Sparkonto wird man bald bei null oder sogar wieder bei einem Prozent Verzinsung ankommen, bei acht Prozent Geldentwertung beträgt der bittere Saldo aber ebenso viel. Heißt: Von 100.000 Euro bleiben – EZB hin oder her – gerade mal 92.000 Euro über am Jahresende. Wer nicht mit intelligenten Dividendenaktien, Zertifikaten oder anderen Formen des Ertrags ausgleicht, wird kalt enteignet. So ist die bittere Realität, die alle Sparer verinnerlichen müssen und die Aktivität erfordert. Gerade jetzt, da Aktien mal nicht am Allzeithoch hängen.

Rendite anpeilen

Im Gegenteil, die im SDax und MDax versammelte angeschlagene zweite und dritte Reihe bei deutschen Aktien notiert mit rund 30 Prozent im Minus zum Jahresanfang. Analyst Molnar sieht dagegen im Dax „nicht weniger als 20 Aktien mit einer Dividendenrendite, sprich Verzinsung, von drei Prozent oder mehr“. Die Versicherer, mancher Autobauer und auch Bayer sowie die Deutsche Post schütten fünf Prozent und mehr aus. Anleger sollten diese Vorlage nutzen und in den nächsten Monaten ihr Depot intelligent mit Aktien direkt oder mit gut ausgesuchten Zertifikaten bestücken, die mit der Dividende arbeiten.

Wunderbare Produkte sind dabei Memory-Expresszertifikate. Sie laufen meist mehrere Jahre, lassen viel Zeit zum Durchatmen und liefern, sofern in Crash-Phasen an der Börse gekauft, mitunter stattliche zweistellige Renditen. Pro Jahr wohlgemerkt. Viele Profis nutzen diese Produktkategorie und gerade jetzt kann man sie empfehlen, zumal sie Risiko aus dem Depot nimmt, statt das Risiko zu erhöhen.


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