KolumneCoinbase – eine spekulative Bitcoin-Alternative

Coinbase ist seit dem 14. April an der Nasdaq gelistetIMAGO / Levine-Roberts

In der Vergangenheit gab es immer sogenannte „Meilenstein-Börsengänge“. Microsoft war 1986 ein solcher Börsengang im Bereich Software. 1995 ging mit dem Internet-Browser Netscape das erste Internet-Unternehmen an die Börse, 2004 dann Google, 2012 Facebook als soziales Netzwerk. 2014 folgten auf den Börsengang von Alibaba zahlreiche weitere Software-Firmen und nun begründet Coinbase die Krypto-Ära.

Der Zeitpunkt für den Börsengang von Coinbase hätte nicht besser sein können. Während der Bitcoin zuletzt frische Rekorde erreichte, feierte die Kryptobörse einen fulminanten Börsenstart. Die Aktie ging via Direktlisting an die Nasdaq. In Deutschland waren Anleger an der Börse München kurz nach dem Börsengang in der Lage, die Aktie zu handeln. Auch die ersten Hebelpapiere sind an den Markt gekommen. Vontobel bietet mit den Long-Papieren (WKN: VQ6UDC) und (WKN: VQ6UDE) die Möglichkeit, moderat gehebelt mit dem Faktor 2,3 beziehungsweise 2,7 an steigenden Coinbase-Notierungen zu partizipieren.

Coinbase ist profitabel

Anders als einige andere Unternehmen, die zuletzt den Sprung aufs Parkett wagten, war Coinbase bereits im vergangenen Jahr profitabel. Dank der seit Sommer 2020 laufenden Rally bei den Kryptowährungen hat sich der Umsatz im ersten Quartal 2021 gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast verzehnfacht auf 1,8 Mrd. Dollar. Unter dem Strich dürfte der Nettogewinn zwischen 730 bis 800 Mio. Dollar liegen und damit mehr als doppelt so hoch wie im gesamten Vorjahr.

Gerade im Vergleich zu klassischen Börsenbetreibern besticht Coinbase mit hohen Margen. An jeder Transaktion verdient die 2012 gegründete und inzwischen von mehr als 56 Millionen Menschen in über 100 Ländern genutzte Kryptobörse 0,46 Prozent. Zur Einordnung: Bei etablierten Börsen-Handelsplätzen wie der Nasdaq oder Intercontinental Exchange liegen die Erlöse nur bei 0,01 Prozent.

Sportliche Bewertung

Für die Kursentwicklung der Aktie dürfte entscheidend werden, ob Coinbase diese Gebührenstruktur behaupten kann. Seit einiger Zeit wird auch der Handel mit Kryptowährungen vielfältiger, transparenter und auch günstiger. An den Börsen sind mittlerweile einige Bitcoin- und Krypto-ETFs gelistet, die einen schnellen und relativ günstigen Zugang zum Bitcoin ermöglichen. Broker wie Etoro, die neben Aktien auch zahlreiche Kryptowährungen anbieten, vermelden ebenfalls großen Zustrom. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Coinbase-Aktie kein Schnäppchen, sondern relativ sportlich bewertet.

Den hohen Chancen stehen aber auch nicht zu unterschätzende Risiken gegenüber. Jederzeit könnten Kryptowährungen wie der Bitcoin zu einer längeren Atempause ansetzen, was sich negativ auf die Handelsaktivitäten auswirken dürfte. Zudem locken die attraktiven Margen neue Konkurrenten an, das Gebührenmodell steht daher eher unter Druck. Dem steht schon jetzt eine sportliche Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut 200 gegenüber.

Der erfolgreiche Coinbase-Börsengang hat dennoch gezeigt, dass der Bitcoin endgültig im finanziellen Mainstream angekommen ist. Daher stehen die Zeichen langfristig auch für Coinbase gut, kurzfristig müssen sich Anleger allerdings auf große Kursausschläge einstellen.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com