Kolumne Biontech, Netflix, Bitcoin – Panik beendet Börsentraum

Die Sorgenfalten der Aktienhändler wie hier in New York nehmen zu
Die Sorgenfalten der Aktienhändler wie hier in New York nehmen zu
© IMAGO / UPI Photo
Eine neue Anlegergemeinde hat seit Beginn der Corona-Krise den Weg an die Börse gefunden. In diesen Tagen gibt es Lehrgeld im Schnellwaschgang

Die Umsatzstatistiken der Börse München spuckten ebenso wie das Handelsaufkommen beim Smartbroker eine klare Message aus: Montag, der 24. Januar 2022 war ein panikartiger Tag an den Aktienmärkten. Die Volumina sowohl bei Aktien wie auch bei Derivaten waren exorbitant hoch, mitunter wurde auf der einen Seite verzweifelt verkauft während andere schon wieder Schnäppchen sahen. Zum Handelsende konnte Bilanz gezogen werden. Alle Dax-Titel notierten im Minus. Doch die pure Bilanz ist drastischer.

Die 2021 besonders von neuen Anlegern am Markt gekauften Impfstoffaktien wie Biontech oder Moderna haben bis zu zwei Drittel ihres Börsenwerts zum Top verloren. „Bitcoin und Ethereum haben bewiesen, dass sie ein hoch spekulatives Finanzinstrument sind aber sicher keine stabile Währung“, ordnet Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets diese sogenannte Anlageklasse ein. Halbiert haben sich die großen Kryptowährungen binnen weniger Monate.

Doch auch handwerklich ging es am schwarzen Januarmontag bunt durcheinander. Manche Anleger kauften in den fallenden Markt hinterher Put-Optionsscheine, obgleich dies so falsch wie trendfolgend ist. Denn Puts kauft man am besten dann, wenn sie niemand haben will und versichert das Depot, wenn die Ruhe am Markt noch vorhanden ist und man antizyklisch agieren kann. 2022 wird kein lustiges Börsenjahr – diese Kolumne an dieser Stelle ist erst gut vier Wochen her.

Doch nun muss man keinesfalls ob des Kurssturzes verzweifeln. „Qualitätstitel wie Paypal, Netflix, Airbnb oder Amazon verfügen nach Rückschlägen immer über das Potenzial, starke neue Aufwärtstrends zu etablieren“, erläutert Gil Shapira vom Broker Etoro. An der Nasdaq war zuletzt sogar eine Aufgabestimmung zu spüren. Die Anzahl neuer 52-Monats-Tiefs bei Aktien lag nahe dem Level aus dem März 2020, die Anzahl gehandelter Optionen in den USA auf Höchststand und sogar der S&P 500 hat sich weit vom 125-Tage-Durchschnitt entfernt.

Auch eine Volatilität von 40 ist in der Regel ein Signal für einen Ausverkauf. Zum Vergleich – im Dezember dümpelte die Volatilität in den USA mit 16 noch nahe am Mehrjahrestief während 40 das höchste Level der letzten 20 Monate darstellt. Und selbst bei Bitcoin und Ethereum war für Börsenpsychologen leichte Aufgabestimmung festzustellen. Börsenneulinge sollten also nicht verzweifeln, sondern ein paar Regeln beherzigen, falls man das Lehrgeld nutzen will. Gute Informationen, antizyklisches Verhalten und vorsichtiger Umgang mit Hebelpapieren und vor allem mit gehypten Aktien helfen in Zukunft, das Depot nicht mehr im Schnellwaschgang mit hohen Verlusten zu erleben.

Daniel Saurenzbetreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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