KolumneBei den Brokern kommt es auf die Details an

Eine Börsen-App auf dem iPhone, in Echtzeit werden die Börsenplätze angezeigt
Eine Börsen-App auf dem iPhone, in Echtzeit werden die Börsenplätze angezeigtimago images / MiS

Noch vor wenigen Monaten wäre es undenkbar gewesen, dass sich zahlreiche Kleinanleger in Foren absprechen und gemeinsam institutionelle Investoren wie Hedgfonds in die Knie zwingen. Spätestens seit den Kurskapriolen um Gamestop und AMC ist aber klar, dass sehr viel Geld an die Börse strömt. Dies gilt nicht nur in den USA, wo allein die Aufstockung des Arbeitslosengeldes um 300 Dollar pro Woche fast einer Verdopplung des durchschnittlichen Arbeitslosengeldes von knapp 350 Dollar pro Woche entspricht. Auch hierzulande ist die Anzahl der Anleger sprunghaft gestiegen. Pro-aktive Geldanlage verdrängt das alte Geschäftsmodell der Volksbanken und Sparkassen, deren hohe Gebühren wie aus einer anderen Zeit wirken.

Der Kundenansturm revolutioniert nicht nur die Brokerlandschaft, er spielt auch den Kunden selbst in die Karten. Mit zunehmender Nachfrage steigt der Wettbewerb, was den Anlegern zugutekommt. Gerade Neulinge an der Börse sollten sich aber nicht von Werbeparolen wie kostenfreien Wertpapierhandel blenden lassen. „Entscheidend ist der Mix aus Leistung, Preisqualität und Kosten“, meint Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/Gettex.

Auf die Handelsqualität achten

Zweifelsohne zählt Trade Republic zu den angesagtesten Adressen. Ende vergangenen Jahres lag die Bewertung noch bei 730 Mio. Dollar, nach der jüngsten Finanzierungsrunde sind es bereits 5,3 Mrd. Dollar. Damit zählen die Berliner zu den wertvollsten privaten Fintechs in Europa und beeindrucken mit hohen Wachstumsraten. Zwei Jahre nach dem Launch nutzen bereits mehr als eine Million Kunden die App, etwa 6 Mrd. Euro an Kundengeldern werden verwaltet. Erstaunlich, denn beim Corona-Crash mussten zahlreiche Trader wegen Handelsausfällen tatenlos zuschauen. Offenbar verfängt die Marketingstrategie.

Mit Transparenz und zuverlässiger Erreichbarkeit auch in hektischen Phasen punktet hingegen Smartbroker. Anders als andere Neobroker gibt es keine exklusiven Handelsplatz-Partner, somit steht das gesamte Universum an Wertpapieren mit mehr als 1000 sparplanfähigen Investmentfonds und mehr als 700 ETF-, ETC- sowie Aktien-Sparplänen zur Verfügung. Smartbroker zielt vor allem auf Kleinanleger ab, wie auch das Gebührenmodell zeigt: 0 Euro für die Depotführung, 4 Euro Flat Fee, bei mehr als 500 Euro Ordervolumen entfallen beim Handelsplatz Gettex sogar die Gebühren, bei Lang & Schwarz zahlen Kunden nur 1 Euro pro Order. Mitte April waren 135.000 Kunden in der Datenbank, im laufenden Jahr soll die Zahl auf mindestens 200.000 steigen.

Das volle Gettex-Angebot gibt es auch bei Gratisbroker und wie der Name vermuten lässt, ist der Handel kostenlos. Eine App suchen Trader aber vergeblich, ebenso Trading- und Analyse-Tools. Bei Scalable reicht die Preisspanne der Gebühren von 0,99 Euro pro Trade bis hin zu 4,99 Euro pro Monat. Anders als Gratisbroker hat Scalable zudem mehr als 1000 ETF-Sparpläne und fast 4000 aktiv gemanagten Fonds im Angebot. Etwa 7300 Aktien, über 1000 ETFs und rund 500.000 Derivate der vier Emittenten Société Générale, UBS, Vontobel und die Citigroup bietet Justtrade. Zudem gibt es die größten Kryptowährungen, wobei in dieser Disziplin Etoro die Marktführerschaft klar verteidigt.

Broker-Aktien als attraktives Investment

Wachsam sollten Anleger aber nicht nur bei der Wahl des richtigen Brokers sein. Auch mit der Orderabwicklung lässt sich viel Geld verdienen und nicht selten sind die Banken an der Börse gelistet. Die Aktie der Baader Bank durchlief zuletzt eine mehrmonatige Konsolidierung und holt aktuell wieder Schwung. Im Hintergrund betreiben die Münchner die Depotführung beim Neobroker Scalable. Bei einem Börsenwert von aktuell knapp 400 Mio. Euro liegt das 2022er-KGV bei rund acht.

In einer ähnlichen Liga spielt Lang & Schwarz mit einer Marktkapitalisierung von 380 Mio. Euro und 9er-KGV. Auch die Aktie der Düsseldorfer dümpelt seit Monaten seitwärts, steht derzeit aber im unteren Bereich der jüngsten Handelsspanne. Lässt man Flatexdegiro außen vor, liegt Wallstreet online derzeit mit 420 Mio. Euro auf der Pole-Position in Sachen Börsenwert. Mit Marken wie Wallstreet online capital und Fondsdiscount.de und dem Smartbroker sowie den Portalen Wallstreet online, Finanznachrichten.de, Ariva.de und Börsennews.de haben sich die Berliner ein breites Produktportfolio aufgebaut.

Smartbroker kommt die Rolle der Cashcow zu, massive Investitionen sind in der Pipeline. Ende 2021/Anfang 2022 soll eine App für frische Impulse sorgen, im nächsten Jahr wird die Webseite überarbeitet. Auch beim Thema Kryptowährungen will Smartbroker mitmischen. Im Kurs der Aktie wurde allerdings auch schon viel eingepreist, seit dem Jahreswechsel hat sich der Kurs nahezu verdoppelt. Mit 29 Euro wackelt derzeit die Rekordmarke. Der seit Anfang März amtierende Wallstreet-online-CEO Matthias Hach muss somit liefern.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com