Online-BankingBanking-Apps: per Hand zur Bank

Das Unternehmen hinter der Banking-App N26 hat seinen Sitz in Berlinimago images / photothek

Wer seine Finanzen online abwickelt, greift dafür immer öfter zum Smartphone oder Tablet. Der Trend ist eindeutig – möglicherweise auch deshalb, weil die entsprechenden Apps immer besser werden. Etablierte Anbieter rüsten auf, Mobilbanken erweitern ihren Service, bankenunabhängige Finanz-Apps runden das Angebot ab.

Viele Mobilanwendungen können inzwischen fast alles, was auch im klassischen Onlinebanking die Regel ist – und dank der Fähigkeiten mobiler Endgeräte oft sogar mehr. So lassen sich etwa Rechnungen bequem per Kamera einlesen oder die Bedienung per Sprache steuern. Gleichzeitig wird solider und zuverlässiger, was die Apps als Standard zu bieten haben.

Das zeigt die zweite große Auswertung der wichtigsten Banking-Apps auf dem deutschen Markt, die das Münchner Analysehaus Tetralog exklusiv für Capital erstellt hat. Insgesamt wurden dabei 30 Apps aus drei Kategorien (klassische Banken, Mobilbanken und bank­unabhängige Apps) in zwei großen Disziplinen auf ihre Stärken und Schwächen getestet.

Wie Umfragen zeigen, greifen Kontoinhaber für ihre mobilen Geldgeschäfte meistens auf die App ihrer jeweiligen Bank zurück. Vor ­allem Jüngere zieht es dagegen eher zu Mobilbanken oder zu unabhängigen Apps, selbst wenn deren Dienste kostenpflichtig sind.

Ein Viertel aller getesteten Apps bietet inzwischen einen visuell gebündelten Überblick aller Konten, die der Nutzer in die App integriert, ob Giro-, Spar- oder Kreditkartenkonten. Bei mehr als der Hälfte lassen sich auch Konten fremder Banken einbinden – teils mit der Möglichkeit, Transaktionen durchzuführen, bei anderen Apps dagegen nur zum Abfragen von Kontoständen. Knapp ein Drittel der Anwendungen lässt sich per Spracheingabe steuern. Fast die Hälfte dagegen zwingt die Nutzer weiterhin, Daten von Hand einzutippen, anstatt sie einzusprechen oder per Kamera oder QR-Code zu erfassen.

Stärker als im Vorjahr

Unter den klassischen Anbietern führen in der Gesamtwertung die Apps der Sparkasse, der Deutschen Bank sowie der Volks- und Raiffeisenbanken. Von den insgesamt 14 Anbietern in diesem Feld schneiden dieses Jahr sieben mit sehr gut und sechs mit gut ab, womit sich die Gesamtwertungen gegenüber dem Vorjahr im Schnitt von 70,6 auf 73,6 Prozent steigerten. „Vor allem die ING hat in ihrem Banking etliche Baustellen beseitigt und sich nach vorne gearbeitet“, sagt Tetralog-Chefanalyst Christian Apelt. „Bei der Funktionalität liegt sie nun auf Rang drei, gleichauf mit der neu aufgenommenen ­Norisbank.“

An der Spitze der Mobilbanken steht wie im Vorjahr die N26-App, die mit simpler Navigation besticht und als einzige in diesem Feld auch das Anlagesparen unterstützt. Im Schnitt ihrer Leistungen schließen die Mobilbanken zu den klassischen Anbietern auf. Allerdings unterstützt bisher keine von ihnen die Dateneingabe per Kamera oder QR-Code. Auch lassen sich hier – anders als bei jeder zweiten Filialbank – keine Fremdkonten einbinden.

Besser als die Mobilbanken schneiden die unabhängigen Finanz-Apps ab, mit Abstand angeführt vom Anbieter Finanzblick. Zwei Drittel der hier getesteten Apps erzielten in der Gesamtwertung vier oder fünf Sterne, darunter die Newcomer TEO und Finanzguru, auch wenn letzterer vorerst nur Kontobewegungen aufschlüsselt, aber keine Transaktionen ermöglicht, ebenso wie die Neulinge Finance Plus und MoneyCoach.

Dafür punkten die unabhängigen Apps durchweg mit Analyse-Tools, die ähnlich wie bei manchen Mobilbanken vom Haushaltsplan bis zum Vergleich von Versicherungsverträgen reichen. Beim Zugriff auf gesonderte Sparkonten und Wertpapierdepots sind die Unabhängigen wie zu erwarten stärker als die Mobilbanken. Allerdings haben diesen Service inzwischen auch mehr als die Hälfte der klassischen Banken-Apps im Programm.

Hier können Sie sich die Tabelle mit den vollständigen Ergebnissen herunterladen.

So wurde getestet

Das Münchner Analysehaus Tetralog untersuchte für Capital 30 Banking-Apps, die im Februar 2020 in Deutschland auf dem Markt waren. Sie wurden in drei Kategorien unterteilt: Apps klassischer Filial- und Onlinebanken, Smartphone-Anwendungen sogenannter Mobilbanken mit eigenen Konten sowie mobile Angebote unabhängiger Dienstleister, die in ihren Apps bankübergreifend Konten integrieren. Wegen der weitgehend identischen Prozesse wurde nicht nach iOS und Android unterschieden. Maximal konnten 100 Punkte erreicht werden.

Zwei Testbereiche

Für die beiden untersuchten Disziplinen Funktionalität (70 Prozent Gewicht) und Sicherheit (30 Prozent Gewicht) erfolgten die Tests anhand von Bestands- und neu eröffneten Konten, Demoversionen sowie Nachfragen bei den Anbietern.

Funktionalität

In dieser Disziplin wurden der Seitenaufbau, die Handhabung, Zahlungsverkehr und die Vielfalt im Service untersucht. Besonders punkten konnten Anbieter mit übersichtlicher und einfacher Navigation sowie der Möglichkeit, einen Überblick über mehrere Banken oder Konten zu liefern.

Im Zahlungsverkehr wurden sowohl Standardtransaktionen als auch Extras wie Foto- und Schnellüberweisungen abgefragt. Hinzu kamen Dienste wie Budgetplaner und die Filial- oder Geldautomatensuche (entsprechend den Anbietern mit und ohne Niederlassung) sowie Kommunikation. Auch die Bewertung der Bug-Anfälligkeit im App-Store wurde berücksichtigt.

Sicherheit

In dieser Rubrik wurden die Qualität von An- und Abmeldungen für die Nutzung, die Anforderungen an Verfahren für die Freigabe von Transaktionen sowie explizite Hinweise auf die jeweiligen Datenschutzbestimmungen bewertet.

Capital-Bewertung/Siegel

Die Höchstnote von fünf Sternen erhielten Apps, die im Test insgesamt mindestens 75 Punkte erreichten. Anbieter mit einer Vier- oder Fünf-Sterne-Bewertung haben die Möglichkeit, ein Capital-Siegel zu erwerben und damit für sich zu werben. Genauere Informationen zu den Bedingungen dieser Siegel finden Sie unter capital.de/siegel.

 


Der Beitrag ist in Capital 4/2020 erschienen. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay