Fonds-AbflüsseAnleger verkaufen zu Tiefstkursen

Händler an der New Yorker Börse
Händler an der New Yorker Börse Getty Images

Anleger neigen dazu ihre Aktien in Krisenphasen zu Tiefstkursen panikartig zu verkaufen. Dies hat sich einmal mehr während des jüngsten Crashs gezeigt. Vorläufigen Daten der Fonds-Ratingagentur Morningstar zufolge kam es an den Tagen mit den höchsten Kursverlusten auch zu den stärksten Abflüssen aus Aktienfonds in Europa. Investoren haben damit Verluste realisiert und nicht daraufgesetzt, dass sich die Notierungen wieder erholen, was teilweise bis Monatsende auch schon geschah.

Morningstar hat nach eigenen Angaben rund 30.000 Datensätze im Blick, 83 Prozent davon wurden für die vorläufige Schätzung berücksichtigt. Unter anderem fehlen noch einige größere Anbieter wie Pimco oder Franklin Templeton. Die endgültigen Zahlen sollen Mitte April vorliegen.

Doch die vorläufige Bilanz fällt in jedem Fall verheerend aus: Demnach flossen bis zum 27. März insgesamt 54 Mrd. Euro in Europa aus Aktienfonds ab. Die stärksten Abflüsse habe es in den beiden Wochen mit der schlechtesten Entwicklung an den Aktienmärkten gegeben, also vom 9. bis 13. März sowie vom 16. bis 20. März. Seinen Tiefststand im jüngsten Crash erreichte der Dax am 18. März mit 8400 Punkten. In der Vorwoche bis 27. März, als sich die Kurse erholten, flossen – bei dann höheren Notierungen – der Branche allerdings schon wieder 2,2 Mrd. Euro zu.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Neuer Negativrekord?

Der März könnte insgesamt der schlechteste Vertriebsmonat für die Branche in Europa überhaupt gewesen sein. Der Negativrekord liegt bislang bei 46 Mrd. Euro, der im Januar 2008 und damit auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise erzielt wurde.

„Das ist tragisch, und es steht zu befürchten, dass die Aktienkultur in Deutschland, so sie denn diesen Namen verdient, weiteren Schaden nehmen wird“, erklärt Morningstar-Experte Ali Masarwah. „Natürlich dauert es, bis Verluste wieder aufgeholt werden, aber es hat sich in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass Market Timing zu suboptimalen Ergebnissen führt.“

Ein noch dramatischeres Bild zeigt sich bei Rentenfonds, sie verbuchten den Daten zufolge bis 27. März in Europa Rückgaben von 85 Mrd. Euro. Im Oktober 2008, dem bis dato schwächsten Absatzmonat für Rentenfonds, zogen Anleger knapp 53,5 Mrd. Euro aus dem Segment ab. Mischfonds verloren im März den vorläufigen Daten zufolge 23,5 Mrd. Euro.

Unter den bereits erfassten Fonds stechen laut Morningstar zwei mit besonders hohen Abflüssen hervor. So seien aus dem UBS ETF MSCI ACWI 3,4 Mrd. Euro abgeflossen. Dies ist ein börsengehandelter Indexfonds, der die Wertentwicklung des Welt-Aktienindex MSCI All Countries teils über Derivate abbildet. Rund 3 Mrd. Euro habe der UniGlobal Vorsorge eingebüßt, ein globaler Aktienfonds von Union Investment. Zugleich verbuchten beide Gesellschaften aber den Angaben zufolge Zuflüsse in risikoärmeren Fonds – Focused US Treasuries Bond bzw. Focused High Grade Bond bei der UBS bzw. UniEuroRenta bei Union Investment.

 


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