GeldanlageAlles fällt, eines steigt: die Dividenden


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


Es gibt keine Naturgesetze am Aktienmarkt, außer diesem vielleicht: Egal, wie die Kurse gerade stehen – die Dividenden sprudeln. Auch dieses Jahr wird wieder ein Rekordjahr, wenn die deutschen Aktiengesellschaften einen Teil ihrer steigenden Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Es ist diesmal die horrende Gesamtsumme von 45 Mrd. Euro, die dabei fließt. Allein die 30 Dax-Unternehmen, bringen in der anstehenden Hauptversammlungssaison etwa 31 Mrd. Euro unters Anlegervolk. Das entspräche umgerechnet etwa 400 Euro pro Bundesbürger, wenn man alle Deutschen gleichmäßig daran beteiligen würde. Alle Aktienfirmen zusammen schütten insgesamt sogar 550 Euro pro Kopf aus. Das wäre ein hübsches zusätzliches Urlaubsgeld, das man in jedem Frühling einstreichen könnte, ohne irgendetwas Großes dafür tun zu müssen.

Aber natürlich wird das Geld nicht einfach gleichmäßig über ganz Anlegerdeutschland verteilt, das wäre zu schön. Tatsächlich bekommt höchstens jeder Siebte hierzulande überhaupt etwas davon ab. Die wenigen Anleger nämlich, die Aktien oder Fonds (oder beides) im Depot haben, das sind nur rund 14 Prozent aller Sparer hierzulande. Und die meisten von ihnen besitzen auch nur wenige Anteile und kommen dadurch gar nicht auf nennenswerte Summen an Dividendenzahlungen. Für die 550 Euro pro Kopf etwa müsste man schon 224 Daimleraktien besitzen im Wert von rund 20.000 Euro. Oder Papiere der Münchener Rück im Wert von knapp 14.000 Euro.

Man darf sich also nichts vormachen: Ein Großteil der ausgeschütteten Unternehmensgewinne landet bei Großinvestoren und wenigen Unternehmerfamilien, die seit Jahrzehnten riesige Aktienbestände horten. Die allerdings leben von den Dividendeneinnahmen nicht schlecht, denn die sprudeln Jahr für Jahr als Extrageld in ihre Kassen. Sozusagen als Belohnung dafür, dass sie die Aktien dauerhaft halten. Manche sagen auch, Dividenden seien eine Art Zinsersatz in Zeiten, in denen Staaten, Banken und Notenbanken keine Zinsen mehr zahlen. Schließlich beträgt die Rendite, die Anleger mit der Dividende machen derzeit bei den Energieversorgern Eon und RWE über fünf Prozent, damit sind sie die Spitzenreiter. Bei K+S, Allianz und Münchener Rück sind es etwa 4,5 Prozent. Durchschnittlich zahlen die Dax-Unternehmen 3,1 Prozent. Wäre es also nicht eine gute Idee, wenn auch Kleinanleger stärker auf Dividendentitel setzen würden, satt sich mit mageren 0,5 Prozent Zins auf dem Tagesgeldkonto zu begnügen?

nur für echte Langfristanleger geeignet

Natürlich wäre es das. Man muss es nur mit Bedacht tun und mit der richtigen Strategie. Denn nicht jeder Dividendentitel oder Dividendenfonds ist auch gleich ein Garant für hohe jährliche Auszahlungen. Zudem ist die Strategie nur etwas für echte Langfristanleger. Dafür eignet sie sich aber sowohl für Jüngere, die noch lange sparen und möglichst viel Vermögen aufbauen wollen; als auch für Ältere, die nun die Erträge genießen wollen, die ihr Depot abwirft. Beide müssen allerdings auf verschiedene Produkte setzen. Das Wichtigste aber ist, dass man sich einem Irrglauben nicht hingibt: dem Zins-Irrglauben.

Denn so sicher wie Zinsen sind Dividenden natürlich nicht – schließlich verteilt jedes einzelne Unternehmen nur, was es im Jahr zuvor erwirtschaftet hat. Es muss also erst einmal ordentlich Gewinne machen und das möglichst nicht nur einmalig, sondern laufend. Sonst kann es die Ausschüttungen nämlich ganz schnell wieder zusammenstreichen oder ganz ausfallen lassen. Kumuliert haben die deutschen Firmen zwar mit erstaunlicher Konstanz zuletzt immer höhere Dividenden gezahlt, in großen Krisenjahren wie 2009 hielten sie sich allerdings etwas zurück. Richtig schlechte Dividendenjahre – und vor allem mehrere in Folge – sind aber ziemlich selten.

Der zweite wichtige Punkt: Die Papiere, die dahinterstecken sind immer noch Aktien, also keine festverzinslichen Wertpapiere, bei denen der Anleger genau weiß, was sie später einmal wert sind. Sondern Papiere, deren Kurse nicht nur heftig schwanken können, sondern das gewiss auch tun. Ein Anleger, der sich für eine langfristige Dividendenstrategie entscheidet sollte also auch mit größeren Abstürzen und Turbulenzen am Aktienmarkt leben können, ohne gleich nervös zu werden und alle Papiere wieder zu verkaufen. Die beste Frage, um das zu überprüfen: Lässt der Absturz an den Börsen im Januar Sie halbwegs kalt? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten können, ist das die beste Voraussetzung.