KolumneAktienrückkäufe: Apple kauft sich selbst

US-Firmen wie Apple haben die günstigen Refinanzierungsbedingungen genutzt und eigene Aktien zurückgekauft
US-Firmen wie Apple haben die günstigen Refinanzierungsbedingungen genutzt und eigene Aktien zurückgekauftIMAGO/ ZUMA Wire

Auf den ersten Blick ist alles in Butter. Dank der kräftigen Unterstützung durch die US-Notenbank sind die Renditen bei den Unternehmensanleihen deutlich gesunken und liegen historisch betrachtet auf tiefem Niveau. Zahlreiche Firmen haben die günstigen Bedingungen genutzt und verstärkt Anleihen emittiert. Dieser Vorgang wäre nicht weiter beunruhigend, wenn das Geld für Investitionen aufgewendet wird und somit künftiges Wachstum fördert. Meist steigt so auch der Unternehmenswert und Anleger können sich über Kurssteigerungen und attraktive Dividenden freuen.

Zunehmend mehr Firmen wie beispielsweise Apple nutzen das günstige Geld aber für Aktienrückkäufe. Prognosen von Goldman Sachs zufolge wurden in den ersten vier Monaten Aktien im Volumen von rund 500 Mrd. Dollar zurückgekauft. Dies ist das höchste Niveau seit mehr als 20 Jahren.

Meist werden die zurückgekauften Papiere anschließend vernichtet. Dies hat Folgen für die fundamentale Bewertung, erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/gettex: „Gibt es weniger ausstehende Aktien, wird der ausgewiesene Gewinn durch eine geringere Anzahl dividiert, der Gewinn pro Aktie steigt. Hat ein Unternehmen 1000 Aktien ausgegeben und erzielt einen Plus von 300 Euro, liegt der Gewinn pro Aktie bei 0,3 Euro. Sinkt die Anzahl der Papiere über ein Aktienrückkaufprogramm auf 800, klettert der Gewinn pro Aktie um satte 25 Prozent auf 0,375 Euro.“

Bilanzkosmetik möglich

Dank des kosmetischen Tricks können somit auch Unternehmen, bei denen es operativ nicht rund läuft, steigende Gewinne pro Aktie ausweisen bei gleichzeitig anziehender Verschuldung. Zudem steigt durch den Aktienrückkauf die Nachfrage, auch die Höhe der Dividende pro Aktie kann positiv beeinflusst werden. Steigende Kurse sind meist die Folge.

Natürlich wäre es falsch, Aktienrückkäufe nur als Ausdruck der Ideenlosigkeit des Managements zu sehen oder unter dem Blickwinkel der Bilanzkosmetik. So sinkt das Risiko einer feindlichen Übernahme, die zurückgekauften Papiere können zudem als Zahlungsmittel bei Akquisitionen eingesetzt werden oder für Mitarbeiterbeteiligungen.

Ein fader Beigeschmack angesichts der Aktienrückkäufe bleibt dennoch. Während einige Firmen im Zuge der jüngsten Berichtssaison beim Gewinn pro Aktie in neue Dimensionen vorgestoßen sind, sieht die Entwicklung der gemeldeten Unternehmensgewinne deutlich weniger spektakulär aus. Zwischen 2011 bis 2020 pendelte der Wert seitwärts, erst im dritten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021 wurden marginal höhere Bestmarken erreicht. Im gleichen Zeitraum ist der S&P 500 wesentlich stärker gestiegen.

Zinsentwicklung im Vordergrund

Nach Meinung von Gil Shapira, dem Chefstrategen beim Onlinebroker eToro, wird die Aktienmarktentwicklung an den Zinsen hängen: „Solange die Zinsen im Keller bleiben und die Notenbanken trotz anspringender Inflation nicht andeuten, einen Kurswechsel vorzunehmen, brauchen sich Anleger noch keine größeren Sorgen zu machen. Gefährlich wird es aber, wenn die Renditen anziehen und sich die Refinanzierungsbedingungen verschlechtern.“

In einem solchen Szenario wären dann besonders Unternehmen mit einem schwachen Rating in Gefahr. Stefan Riße vom Fondshaus Acatis sieht die Lage aber weniger dramatisch: „Korrekturen gab es in jedem Börsenaufschwung, der einem großen Einbruch folgte. Wir haben daher auch weiter eine Kurssicherung mitlaufen in unserem nachhaltigen Mischfonds ACATIS Fair Value Modulor. Die hat uns letztes Jahr schon die ganz großen Verluste erspart“, so Riße. So ist das aktuelle Marktumfeld herausfordernd und auf einen Mix aus Niedrigzinsen, Aktienrückkäufen und Wirtschaftswachstum angewiesen.

Zunächst aber dürfte sich an den Parametern nichts dramatisch ändern und damit jede Rally eher mit einer Pause statt mit einem Crash beantwortet werden. Tolle Zeiten auch für all jene, die statt reinen Investments auf steigende Kurse auch Papiere mit Seitwärtsrenditen beimischen. Wie das funktioniert, zeigen wir Tag für Tag in unseren Börsendiensten, denn Gewinn zu erzielen, wenn der Aktienmarkt nichts abliefert ist genauso schön wie aufwärts einfach dabei zu sein.


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com