AktienSo können Anleger beim Weltraum-Hype mitmachen

Die „New Shepherd“ bei ihrem Start am 20. Juli. Während der Weltraum-Tourismus bislang eher eine Spielwiese für Milliardäre ist, arbeiten schon viele weitere Firmen an der Erschließung des Weltraums
Die „New Shepherd“ bei ihrem Start am 20. Juli. Während der Weltraum-Tourismus bislang eher eine Spielwiese für Milliardäre ist, arbeiten schon viele weitere Firmen an der Erschließung des WeltraumsIMAGO/Blue Origin/Cover-Images.com.

Der Weltraumtourismus beherrschte in den letzten Wochen die Schlagzeilen. Nach Richard Branson hat mittlerweile auch Amazon-Gründer Jeff Bezos einen Kurztrip ins All unternommen. Für den Weltraum-Ausflug hatte Bezos ein geschichtsträchtiges Datum ausgwählt: Vor 52 Jahren war die Apollo 11 als erstes bemanntes Raumschiff auf dem Mond gelandet.

An Bord der „New Shepherd“ war neben Bezos auch sein Bruder Mark und zwei weitere Passagiere. Schon wenige Minuten nach dem Start der „New Shepherd“ seiner Firma Blue Origin landete das Raumschiff wieder in der texanischen Wüste. Mit seinem Raumflug erfüllte sich Bezos einen Kindheitstraum. Er träume bereits davon, seit er fünf Jahre alt war, hatte Bezos in einem Instagram-Post Anfang Juni geschrieben.

Bezos ist mit diesem Wunsch nicht allein. Viele Menschen träumen den Traum vom Weltraum, und immer mehr Unternehmen arbeiten daran, ihn Wirklichkeit werden zu lassen. Noch ist die kommerzielle Raumfahrt zwar eher eine Spielwiese für Milliardäre: für Jeff Bezos mit Blue Origin, Elon Musk mit SpaceX, Richard Branson mit Virgin Galactic. Rund um die Erschließung des Alls gibt es aber eine ganze Industrie, die in den kommenden Jahren prosperieren könnte – und die einige interessante, wenn auch risikoreiche Anlagechancen bietet.

Der Weltraum ist ein schwieriges Pflaster für Anleger

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Platzhirsche unter den Weltraumfirmen sind für Privatanleger entweder nicht investierbar oder nicht zu empfehlen. Weder SpaceX noch Blue Origin sind bisher börsennotiert. Bransons Space-Baby ist zwar im Jahr 2019 als erster privater Raumfahrtkonzern via Special Purpose Acquisition Company (SPAC) an die Börse gegangen. Das Unternehmen arbeitet aber noch nicht profitabel. Zudem könnte ein Bilanzskandal den aktuellen Aufwärtstrend des Aktienkurses ausbremsen. Virgin Galactic soll Optionsgeschäfte fälschlicherweise als Guthaben bilanziert haben, Rechtsanwälte in den USA bereiten eine Sammelklage vor.

Ein etwas weniger spekulatives Space-Investment als lupenreine Raumfahrtfirmen sind Unternehmen, die Satelliten herstellen. Etwa die Firma OHB aus Bremen: Sie zählt zu den drei Top-Auftragnehmern der europäischen Weltraumorganisation ESA. Der Großteil der Satelliten für das Navigationssystem Galileo stammt von dem Unternehmen. Galileo ist eines der wichtigsten EU-Projekte im Raumfahrtbereich. Bei der Ausschreibung für eine neue Generation Galileo-Satelliten ging OHB zwar zuletzt leer aus. Das kann das börsennotierte Familienunternehmen nach eigenen Angaben aber verschmerzen, die Auftragsbücher seien prall gefüllt. Ein anderer wichtiger Auftrag kann den Verlust des Galileo-Deals zumindest teilweise ausgleichen. OHB darf Elemente des Lunar Gateway bauen, einer Raumstation von NASA und ESA, die den Mond umkreisen und als Umsteigebahnhof für Astronauten dienen soll.

Der Aktienkurs von OHB tendiert trotz großer Aufträge seit Jahren seitwärts, unterbrochen von Ausreißern nach oben, die aber nicht von Dauer waren. Auch bei anderen börsennotierten Satellitenfirmen ist ein Blick auf die Entwicklung der Aktienpreise ernüchternd. Beispiel Maxar Technologies: Die US-Firma ist an der Börse im Aufwind, einigen Analysten gilt sie aber als überbewertet. Ihre Aktie weist derzeit ein negatives Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf, ein Warnzechen für Anleger. Die Aktie des luxemburgischen Satelliten-Betreibers SES wiederum dümpelt seit dem Corona-Crash im vergangenen Jahr vor sich hin.

Airbus baut Galileo-Satelliten

Mittelfristig sehen Analysten indes Aufwärtspotenzial. Ein Grund: Satelliten-Firmen profitieren davon, dass es immer günstiger wird, Satelliten ins All zu schießen. Ihre Margen steigen. Zugleich dürfte der Bedarf an Kommunikations- und anderem Tech-Equipment im Weltraum weiter zunehmen. Im laufenden Jahr könnte zudem Elon Musks Satellitennetzwerkbetreiber, die SpaceX-Tochter Starlink, an die Börse gehen und frischen Wind in den Markt bringen.

Wer von der Erschließung des Weltraums profitieren, aber kein allzu hohes Risiko eingehen will, kann sich an etablierte Luft- und Raumfahrtunternehmen wie Airbus halten. Der Konzern hat gemeinsam mit dem italienischen Satellitenbetreiber Thales Alenia Space den Zuschlag für die neue Generation Galileo-Satelliten bekommen, den OHB verpasst hat. Große Raumfahrttechnik-Firmen arbeiten allerdings oft in erheblichem Umfang für das Militär, genügen also nicht unbedingt den Ansprüchen an ein ESG-Investment.

Wie schwierig es bislang ist, breit gestreut in das relativ kleine Segment der Weltraumaktien zu investieren, zeigt das Beispiel des Ark Space Exploration & Innovation ETF. Der börsengehandelte Fonds von US-Star-Investorin Cathie Wood ist im März dieses Jahres gestartet und sein Portfolio sorgt bei Branchenbeobachtern für Erstaunen. Zu den Top-Ten-Positionen gehören das Hard- und Softwareunternehmen Trimble (das mitnichten auf die Raumfahrtbranche spezialisiert ist), die JD.com-Tochter JD Logistics und der japanische Baumaschinenriese Komatsu.