LVMH und Co. Mit Luxusaktien gegen die Inflation

Louis Vuitton hebt die Preise an
Louis Vuitton hebt die Preise an
© IMAGO / Dean Pictures
Luxus können sich Anleger nicht nur in Form von Handtaschen, teuren Uhren oder Autos in ihr Leben holen. Wer mehr Wert auf Rendite als Prestige legt, kann stattdessen mit den Aktien der Luxuskonzerne vom aktuellen Boom profitieren

Schlechte Nachrichten für Modebegeisterte, gute Nachrichten für Anleger: Handtaschen des französischen Luxus-Modelabels Louis Vuitton dürften diese Woche teurer werden. Die größte Luxusmarke der Welt, die aus dem französischen Luxusgüterkonzern LVMH stammt, will ihre Gewinnmargen erhalten und angesichts steigender Produktionskosten die Preise nach oben schrauben. Seinen Umsatz macht Louis Vuitton dabei nicht nur mit den berühmten Reise- und Handtaschen im Karomuster, sondern auch mit Schuhen und Parfum.

Auch wenn die Neuigkeiten bei Designer-Schnäppchenjägern nicht gerade gut ankommen dürften – für Investoren zeigt dieser Schritt einmal mehr die Preissetzungsmacht des Luxuslabels. Und gerade die ist in Zeiten steigender Inflationsraten als Absicherung im Depot ein wichtiger Faktor. So liegt die Teuerungsrate bei den Verbraucherpreisen in Deutschland seit Monaten bei rund fünf Prozent. Noch teurer haben sich allerdings die durchschnittlichen Verbraucherpreise im Luxussegment entwickelt. Laut dem Index „Cost of Living Extremly Well“ des US-Magazins Forbes mussten gut betuchte Verbraucher für eine typische Mischung aus Luxusartikeln, darunter Uhren, Handtaschen, Schönheits-OPs, Rassepferden und Opernkarten, im Jahr 2021 durchschnittlich um 10,1 Prozent tiefer in die Tasche greifen als zuvor. 

Luxus boomt

Die Luxuskunden akzeptieren diese Preissteigerungen offenbar. Dank E-Commerce und Influencer-Marketing stehen Luxusprodukte vor allem bei jungen Leuten hoch im Kurs. Laut Schätzungen des Beratungsunternehmens Bain & Company sollen Kunden der Generation Y und Z bis zum Jahr 2025 70 Prozent der Umsätze aller Luxuslabel weltweit ausmachen. Auch die ungebrochene Nachfrage der wohlhabender werdenden Konsumenten aus dem asiatischen Raum – allen voran China und Indien – treibt den Boom der Luxusindustrie voran. Zwar erlebte die Luxusbranche im Pandemiejahr 2020 einen Knick, die Zahlen erholten sich 2021 allerdings V-förmig. Bain & Company rechnet bis zum Jahr 2025 mit einem Wachstum von sechs bis acht Prozent jährlich. In drei Jahren dürfte der Markt dann 350 bis 380 Mrd. Euro wert sein.

Auch der Wiederverkaufsmarkt spielt in der Luxusbranche inzwischen eine wichtige Rolle. „Second Hand wird immer beliebter bei jungen Leuten, die bewusst nachhaltig einkaufen wollen und besonderen Wert auf einen zirkulären Modekonsum legen“, sagt Swetha Ramachandran, Investment Managerin für Luxusaktien bei GAM Investments. „Die Attraktivität von Luxusprodukten als Anlage verstärkt dieses Konsumverhalten zusätzlich.“ Laut Bain & Company ist der Secondhand-Markt zwischen den Jahren 2017 und 2021 um 65 Prozent gewachsen. In Deutschland plant der Luxus-Reseller Rebelle etwa in Kürze seinen Börsengang.

Anleger müssen sich keine Chanel-, Hermès- oder Louis-Vuitton-Handtasche in den Kleiderschrank holen, um vom Wachstum der Luxuslabels zu profitieren. Sie können statt in Sachwerte in einen Luxusunternehmen-ETF investieren. Der S&P Global Luxury Index hat auf Jahressicht zwar nur ein Plus von rund 16 Prozent gemacht. Doch auf Sicht von drei sowie auf fünf Jahren stieg der Kurs um mehr als 80 Prozent.

Etablierte Konzerne sind die erste Wahl für Anleger

Wer lieber auf Einzelaktien setzt, sollte vor allem Unternehmen im Blick haben, die breit aufgestellt sind und den Markt dominieren. „Wir stellen fest, dass nicht alle Unternehmen gleichermaßen von der Preissetzungsmacht profitieren werden, vor allem angesichts der „Hyperpolarisierung" des Kundengeschmacks seit Ausbruch der Pandemie“, sagt Ramachandran. „Bei führenden Marken könnten die Preise angesichts der relativ stabilen Nachfrage und der hohen Teuerungsraten das Margenwachstum stark beschleunigen, wenn man die durchschnittlichen Sektormargen zwischen 25 Prozent und 30 Prozent bedenkt.“

Spannend ist etwa der bereits genannte Luxusgüterkonzern LVMH. Neben Louis Vuitton finden sich unter dessen Dach zahlreiche weitere bekannte Marken, etwa Christian Dior, Fendi, Marc Jacobs, Mercier oder die Drogerie-Kette Sephora. Der LVMH-Kurs läuft seit langer Zeit blendend – auf Jahressicht machte das Wertpapier ein Plus von rund 78 Prozent. Seinen Nettogewinn konnte der Konzern – mit Ausnahme eines Knicks im Pandemiejahr 2020 – kontinuierlich steigern. Im vergangenen Jahr lag er bei mehr als 17,15 Mrd. Euro, für 2022 erwartet LVMH ein Betriebsergebnis von rund 19,6 Mrd. Euro. Analysten geben fast durchweg grünes Licht. Die US-Investmentbank Goldman Sachs setzt das Zwölf-Monats-Kursziel auf 845 Euro (aktueller Kurs rund 678 Euro).

Auch interessant ist der Schweizer Luxuskonzern Richemont, aus dessen Haus Uhrenmarken wie Vacheron Constantin oder die Schmuckmarke Cartier stammen. Die Aktie machte innerhalb von zwölf Monaten ein Plus von mehr als 57 Prozent und liegt aktuell bei umgerechnet 124,25 Euro. Mit einem Betriebsergebnis von rund 1,48 Mrd. Euro konnte das Unternehmen sein Vorkrisenniveau zwar noch nicht zurückerlangen. Doch für 2022 liegt der erwartete Nettogewinn bei satten 3,72 Mrd. Euro. 16 von 24 Analysten raten derzeit zum Kauf, acht sagen „Halten“.



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