GeldanlageDividenden - verlockende Vierprozenter

Manche Wertpapiere tragen schon im Namen, was sie ihren Besitzern später einmal einbringen. So denkt man zumindest. Deshalb klingen Papiere wie Bonuszertifikate ja so verlockend, oder Hochzinsanleihen – die verheißen quasi im Namen schon hohe Zinsen. Normalerweise ist es auch so. Hochzinsanleihen oder High Yield Bonds, das sind Anleihen, deren Herausgeber den Investoren eine besonders hohe regelmäßige Verzinsung versprechen. Allerdings gibt es die auch nicht umsonst. Man erkauft sie sich sozusagen mit guten Nerven. Denn solche üppigen Zinsen zahlen die Anbieter nur, weil die Papiere im Gegenzug etwas gewagter sind als andere. Meist deshalb, weil die Unternehmen und Staaten, die dahinter stecken, nicht ganz so kreditwürdig sind wie andere. Aber gerade in den Zeiten ultraniedriger Zinsen lockten solche Papiere sehr viele Anleger an.

Schließlich hat es sich herumgesprochen, dass man heute etwas mehr Risiko eingehen muss, um dennoch auf seine Rendite zu kommen. Und wenn man genau hinschaut, dann sind die tatsächlichen Ausfallraten auch bei solchen Bonds gar nicht so hoch. Für den Bereich der europäischen Hochzinsanleihen jedenfalls liegt sie bei 2,5 Prozent, sagt die Ratingagentur Moody´s. So hoch ist also die Wahrscheinlichkeit, dass einer dieser Emittenten am Ende nicht in der Lage sein wird, seine Anleger auszuzahlen und den Nennwert des Papieres zurückzuerstatten. Das klingt natürlich nicht besonders hoch, zu 97,5 Prozent also wird man sein Geld wiedersehen. Dass ein solches Papier jedoch auch bei den jährlichen Zinszahlungen hält, was es verspricht, garantiert allerdings niemand. Trotz der hohen Zinsen im Namen.

Viele Dax-Konzerne schütten mehr als drei Prozent aus

Und wenn man einmal genau hinschaut und ehrlich ist: So hoch sind diese Zinsen gar nicht. Im Schnitt, so ermittelten Analysten, werfen europäische Hochzinsanleihen derzeit vier Prozent Rendite ab. Gut, das ist ansehnlich, wenn man es mit Bundesanleihen vergleicht, die momentan mit rund 0,37 Prozent rentieren. Aber es relativiert sich sehr rasch, wenn man eine andere Größe dagegen stellt: die Dividenden, die Deutschlands größte Aktiengesellschaften ihren Anlegern derzeit zahlen. Von denen können nämlich etliche in dieser Höhe mithalten. Zwölf der 30 Dax-Unternehmen zahlen aktuell eine Rendite oberhalb von drei Prozent. Sechs von ihnen sogar satt mehr als vier Prozent. Spitzenreiter im Dividendenranking ist momentan Pro Sieben Sat 1 mit 6,11 Prozent Rendite. Die bekommt man als Zinsen dafür gezahlt, dass man die Aktie hält.

Angesichts solcher Zahlen waren einige Analysten selbst überrascht, deshalb war für sie das Schaubild, in dem Hochzinsrenditen und Dividendenrenditen gegeneinander liefen – und bei dem die Dividenden den High Yield Papieren locker davonzogen – der „Chart der Woche“. Sie erklären es so: Die Anleihenmärkte sind nach wie vor wegen der Niedrigzinsen unter Druck. Zwar suchen Käufer immer wieder Halt an sicheren Papieren wie Bundesanleihen und Co und das treibt auch deren Kurse. Die Renditen aber drückt das spiegelbildlich in den Keller. So stark, dass mittlerweile sogar Hochzinsanleihen weniger abwerfen, als Aktienkonzerne ihren Anteilseignern an Dividende auszahlen. Die Gewinne der Unternehmen entwickeln sich nämlich prächtig und das geben die Unternehmen auch an ihre Aktionäre weiter. Und zwar nicht erst seit gestern.

Renditeverfall bei Hochzinsanleihen

Jahr für Jahr steigen schließlich die Ausschüttungen der Aktiengesellschaften auf immer neue Rekordmarken. Das hat in der Vergangenheit bereits einige Marktbeobachter dazu verleitet, es mit dem Satz zusammenzufassen: Dividenden seien die neuen Zinsen. Sie brächten mehr als herkömmliche Anleihen. Nun ist das natürlich so nicht richtig. Denn während Anleger bei Anleihen quasi das Versprechen erhalten, dass sie am Ende der Laufzeit den Nennbetrag ausbezahlt bekommen und zusätzlich jedes Jahr noch eine Verzinsung, versprechen ihnen Aktien … genau: nichts. Bei Aktien wird im laufenden Jahr eine bestimmte Dividende gezahlt, aber schon im nächsten Jahr kann das ganz anders aussehen. Zudem kann der Kurs fallen. Wenn der Anleger den Anteilsschein also wieder verkauft, kann es sein, dass er einen großen Verlust macht. Von daher sind Anleihen tendenziell immer noch sicherere Angelegenheiten als Aktien. Sofern der Emittent auch noch am Ende zahlungsfähig ist.

Aber inzwischen muss man relativieren: Denn wenn riskante Hochzinsanleihen von Firmen mit schwachen Bonitätsnoten derzeit nicht mehr Zinsen abwerfen, als solide Weltkonzerne wie BASF, BMW, Allianz oder Münchener Rück ihren Anlegern quasi jedes Jahr fürs Aktienhalten hinterherwerfen, dann kann man sich schon fragen, welches Investment wohl langfristig gesehen das risikolosere ist. Und ob nicht doch etwas dran ist an den Warnungen der Marktbeobachter. Etliche Profiinvestoren äußerten sich zuletzt besorgt angesichts des Renditeverfalls bei den Hochzinsanleihen. Einige meinen, sie hätten die besten Zeiten hinter sich. Dazu kommt, dass die Investierten deutlich nervöser werden. Allein im August hat der Volatilitätsindex der High Yields um 15 Prozent zugenommen. Das heißt: Die Kurse und Renditen flattern, die Nerven also offenbar auch.

ETF auf den DivDax

Auf der anderen Seite sind es gerade die ertragreichen und altbekannten Konzerne, die hierzulande zu den besonders üppigen Dividendenzahlern gehören und deren Ausschüttungen selbst im Zehnjahresschnitt bei vier bis fünf Prozent liegen. Allianz 4,1 Prozent, BMW 4,23 Prozent, Daimler 5,22. Gut, nun gehört auch der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 dazu, der nicht immer im Verdacht stand, zu den stabilsten Unternehmen der Nation zu gehören. Er führt die Dividendenstatistik derzeit an mit satten 5,8 Prozent Dividendenrendite. Allerdings zahlt er schon seit Jahren sehr stabile Ausschüttungen, sie liegen bei 6,45 Prozent im Zehnjahresschnitt. An zweiter Stelle folgt in der Langzeitliste übrigens die MunichRe mit immerhin 5,08 Prozent.

Für die meisten Vier-Prozent-Unternehmen jedenfalls gilt: Sie sind keine bonitätsschwachen Börsenkandidaten, sondern finden sich zumeist sogar in Indizes wieder, in die Analysten nur starke Qualitätsfirmen aufnehmen. Und dabei wird nicht nur nach der aktuellen Börsennotierung geschaut, sondern vor allem auch nach Eigenkapitalstärke, stabilem Wachstum und guten Gewinnprognosen. Wer daher wirklich nach hohen Zinsen sucht, der sollte sich von den Hochzinsanleihen verabschieden, was sogar ganz gut geht, so lange sie noch gute Kursgewinne einfahren wie derzeit. Und er sollte sich stattdessen lieber einen Fonds oder besser einen ETF auf den DivDax zulegen, in dem die dividendenstärksten Dax-Titel vertreten sind. Solche Indexfonds gibt es zum Beispiel von Comstage oder iShares. Der DivDax konnte zuletzt immerhin eine Wertentwicklung von rund 16 Prozent auf Jahressicht verbuchen, machte knapp 30 Prozent in drei Jahren und 79 Prozent auf Fünfjahressicht. Und das gilt für den Kurs, die Dividenden kommen noch dazu.

Man kann bei den Dividendenfonds wählen, ob man die Dividenden ausgeschüttet bekommen möchte oder ob sie sofort wieder reinvestiert werden sollen. Ersteres sichert dem Anleger jährliche Auszahlungen, letzteres macht sich später über den Zinseszinseffekt gewaltig bemerkbar. Könnte sein, dass das Depot damit auch ganz ohne Anleihen den Namen Hochzinskonto wohl verdient hat.


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


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