Geldanlage5 Lektionen, um ein besserer Anleger zu werden

Symbolbild Geldanlage
Symbolbild GeldanlageGetty Images

Thorsten Hens hat eine ganz einfache Methode, die Welt der Anleger zu kartografieren. Der Wirtschaftsprofessor an der Uni Zürich braucht dafür ein Blatt Papier, einen Stift und zwei Zeilen und zwei Spalten. Vor den Zeilen steht „Finanzwissen hoch“ und „Finanzwissen niedrig“. Über den Spalten „Emotionalität hoch“ und „Emotionalität niedrig“.

Das ist es. Keine ISINs, keine Produkte, keine Gebühren. In diesem kleinen Viereck verbirgt sich gewissermaßen die Ursuppe, aus der sich alles andere ableitet. Doch dazu später.

Zunächst einmal findet sich jeder Mensch in einem dieser vier Kästen wieder. Sie als Leser, wir von Capital, aber auch Warren Buffett, ein Investmentbanker bei Goldman Sachs oder die Verkäuferin im Supermarkt, die vielleicht noch nie einen Cent angelegt hat.

Worin besteht der Reiz dieses einfachen Rasters? Die Antwort darauf ist simpel: Wer richtig einschätzt, wo er steht, hat alle Chancen, zu einem guten (oder noch besseren) Anleger zu werden. Genau dabei will Capital mit dieser Geschichte helfen: Welche Fehler sollten Anleger tunlichst vermeiden, und woran sollten sie sich halten? Wir wollen Orientierung bieten, zuallererst mit einfachen Regeln und Prinzipien. Die Tabelle sinnvoller Finanzprodukte, mit denen Anleger ihr Depot zusammenstellen können, finden Sie hier.

Aber zuvor zurück zu Hens’ Typen: Der – eher rare – Typ A ist der absolute Traum von einem Anleger. Er verfügt über hohes Finanzwissen und macht sich seine Anlagestrategie nicht mit Emotionen kaputt. Warren Buffett fällt in diese Kategorie, aber auch gute Investmentbanker: Sie wissen viel und ziehen ihre Strategie diszipliniert durch, auch in Krisenzeiten stoßen sie nicht alles hektisch ab. Das Gute ist: Auch wenn die wenigsten von uns die Kriterien für diese Anlegerelite erfüllen, durch Selbststudium und Erfahrung kann jeder in diese Kategorie „hineinwachsen“.

Typ B ist in Gelddingen wenig emotional und weiß auch wenig. Sich hier einzugruppieren setzt einen gewissen Realismus voraus. Man muss sich eingestehen können, dass man wenig weiß. Dann hat man aber gute Chancen, ein guter Anleger zu werden. Denn übersteigertes Selbstbewusstsein und Sprunghaftigkeit machen einem nichts kaputt. Entweder kompensiert der Typ B also das fehlende Finanzwissen, indem er es sich aneignet, was heute einfacher denn je ist. Oder aber er sucht sich eine Beratung bei jemandem, der mehr weiß. In jedem Fall haben Anleger vom Typ B gute Chancen, A-Anleger zu werden.

Die Problemanleger: die Intuitiven

Folgt Gruppe C – stark emotional, aber auch stark finanziell gebildet. Diese eher kleine Gruppe verfügt zwar über das theoretische Wissen, wie man gut und rentabel anlegt. Sie macht es sich aber in der Praxis oft genug selbst kaputt, indem sie doch etwas nachhilft – durch Markttiming etwa oder indem sie einer Zauberformel nachjagt.

Und dann wäre noch die Kategorie D. Drei Viertel der Anleger fallen hier hinein, wie Hens in seinen Studien herausfand. Es ist, so traurig es klingt, die Problemkategorie, in der geringes Finanzwissen auf hohe Emotionalität trifft. In der Studie erhielt die Gruppe den Namen der „Intuitiven“, intern hatte sie aber auch weniger freundliche Spitznamen. Zu ihr zählen Anleger, die glauben, mit riskanten Pennystocks ihr Geld vervielfachen zu können, die Gewinne nicht der Börse, sondern ihrem Wissen zuschreiben (welches gar nicht so hoch ist). Und vor allem jene, die ihre Strategien alle paar Jahre über den Haufen werfen, im Boom überdrehen und in Krisen alles losschlagen. Und deren Depot oft ein Potpourri schwach rentabler Anlagen ist, die irgendwann einmal angeschafft wurden, als ein Berater sie empfahl.

Sind Sie eher Typ A, B, C oder D? Jeder sollte sich hier einordnen können – dies ist die Grundlage für alles, was nun folgt: die fünf wichtigsten Regeln für die Geldanlage.