Studie5 Fakten zur Weiterbeschäftigung im Rentenalter

5 Fakten zur Weiterbeschäftigung im Rentenalter
Vier von zehn Betrieben beschäftigen auch Menschen weiter, die eigentlich schon die Grenze zum Ruhestand überschritten haben.ugmonk/unsplash

Haben Beschäftigte die reguläre Altersgrenze erreicht, wollen aber weiterarbeiten, kann das Arbeitsverhältnis befristet oder unbefristet verlängert werden. Auch Neueinstellungen in einem anderen Unternehmen oder eine selbstständige Tätigkeit sind möglich. Erwerbstätige können dazu entweder den Renteneintritt verschieben oder zu ihrer Rente hinzuverdienen. Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung beschäftigen auch vier von zehn Betrieben Menschen weiter, die eigentlich schon die Grenze zum Ruhestand überschritten haben. Das ist ein Ergebnis der Analyse des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung, das Daten seiner Betriebsrätebefragung 2017 auswertete, die repräsentativ für mitbestimmte Betriebe mit mindestens 20 Arbeitnehmern sind.

Das sind die 5 wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  1. Zwar gaben 41,4 Prozent der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen Menschen länger als bis 65 oder 67 arbeiteten. Der Anteil dieser Weiterbeschäftigten an der gesamten Arbeitnehmerschaft ist jedoch gering und liegt bei 1,3 Prozent.
  2. Große Unterschiede gibt es zwischen den Branchen: So sind im Sektor Erziehung und Gesundheit deutlich mehr Menschen länger tätig als im Bereich Finanzen und Versicherungen. Konkret reicht die Quote der Firmen, bei denen über die Regelaltersgrenze hinaus gearbeitet wird, von 27,7 Prozent in der Kategorie Information, Kommunikation, Finanzen und Versicherungen bis zu 57,2 Prozent bei öffentlichen Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit.
  3. Zwar endet bei zwei Dritteln der befragten Betriebe pauschal das Arbeitsverhältnis mit Erreichen der regulären Altersgrenze. Von den Firmen mit dieser Regelung beschäftigen jedoch 40,9 Prozent Menschen im Rentenalter, indem sie neue Verträge mit ihnen abschließen. Bei den anderen Betrieben sind es 42,3 Prozent.
  4. Unterschiede gibt es auch mit Blick auf die Tarifbindung: Dass Beschäftigte länger als nötig arbeiten, kommt bei Firmen mit Flächentarif mit 37 Prozent seltener vor als bei den nicht tarifgebundenen mit 45,1 Prozent. Eine mögliche Erklärung der WSI-Forscher: Tarifbeschäftigte könnten wegen ihrer höheren Renten weniger auf einen Job im Alter angewiesen sein.
  5. Nur wenige Menschen machen sich derweil selbstständig, um in ihrer Firma weiterzuarbeiten: 95,5 Prozent der Betriebe nutzen Arbeitsverträge, nur 8,9 Prozent Dienst- oder Werkverträge – Mehrfachnennungen waren dabei möglich. Neue Arbeitsverträge schließen 70,2 Prozent ab, bei einem Viertel laufen alte Verträge weiter. Die meisten Weiterbeschäftigen bekommen befristete Verträge. 37,7 Prozent der Betriebsräte gaben an, Rentner seien bei ihnen als Minijobber tätig.