AltersvorsorgeWie Teilzeitarbeiter ihre Rente aufstocken können

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Symbolbild: Rentnerdpa

Eigentlich ist die Rechnung einfach. Wer weniger verdient, der zahlt auch weniger in die gesetzliche Rentenkasse ein. Im Ruhestand ist er dann knapper bei Kasse. Wie groß der Unterschied zum Beispiel zwischen einem Voll- und Teilzeitjob ist, zeigt ein kostenloser Rechner des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Arbeitnehmer können dort online eingeben, wie viel sie verdienen, wie viele Stunden sie dafür pro Woche arbeiten, ob sie Kinder haben oder nicht. Die Internetseite zeigt dann, wie viel Geld jeweils mit Voll- oder Teilzeit in die gesetzliche Rente eingezahlt wird. Bei einer 40-Stunden-Woche und einem Bruttogehalt von 3000 Euro gehen beispielsweise 279 Euro monatlich an die Deutsche Rentenversicherung (DRV), bei einer 20-Stunden-Woche entsprechend nur noch die Hälfte, zeigt der Rechner des BMAS. Das macht sich im Alter auf dem Kontoauszug bemerkbar – und das besonders oft bei Frauen. Denn 28 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen arbeiten in Teilzeit. Oft kümmern sie sich dafür mehr um Familie und Haushalt. Scheitern Beziehung oder Ehe müssen sie im Alter allerdings mit der geringen Rente auskommen – trotz Versorgungsausgleich bei der Scheidung. Nur elf Prozent aller männlichen Beschäftigten arbeiten in Teilzeit.

Trotz der finanziellen Einbußen reduzieren in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer freiwillig ihre Wochenstunden. Im Vergleich zum Jahr 1991 ist der Teilzeitanteil am Arbeitsvolumen der Deutschen bis 2018 um 170 Prozent gewachsen. Das geht aus einer kleinen Anfrage der Fraktion Die Linke im Bundestag hervor. Die Vier-Tage-Woche kommt in Mode, nach dem Motto: Freizeit statt Geld. Wer sich für diesen Weg entscheidet, sollte die Rente allerdings nicht aus dem Blick verlieren. Sonst bekommt er zum Ruhestand die Quittung.

Weniger arbeiten, aber genauso produktiv sein

Bei einem Wechsel von Voll- zu Teilzeit ist das Gehalt der größte Knackpunkt, sagt Kim Paulsen, Experte beim Bund der Versicherten. Wer es schafft, seine Bezahlung gut zu verhandeln, bei dem bleibt auch der Anteil der gesetzlichen Rente hoch. Ein mögliches Argument beim Chef: Mitarbeiter sind in einer Vier-Tage-Woche genauso produktiv wie an fünf Tagen. Das belegt zum Beispiel eine Studie der Universität Auckland. Gemeinsam mit zwei Unternehmen in Neuseeland haben die Forscher untersucht, was passiert, wenn die Angestellten nur noch 32 statt 40 Stunden pro Woche arbeiten – bei gleichem Lohn. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter haben genau die gleiche Arbeit in weniger Zeit geschafft, sind kreativer und besser organisiert. Das längere Wochenende habe die Angestellten motiviert, heißt es in der Untersuchung.

Wenn dieses Argument beim Chef nicht zieht, gibt es noch weitere Wege, die Rente aufzustocken. Eine Möglichkeit ist natürlich die private Altersvorsorge. „Wer in eine Teilzeitstelle wechselt, kann durch private Vorsorge verhindern, dass im Alter eine Versorgungslücke entsteht“, sagt Versicherungsexperte Paulsen. Menschen, die ihr Vermögen bereits gewinnbringend angelegt haben, sollten ausrechnen, ob sie damit die Versorgungslücke im Ruhestand stopfen können und wollen.

Wer schon ein kleines Vermögen angespart oder geerbt hat und mindestens 50 Jahre alt ist, kann diese Summe direkt in die DRV einzahlen und so die eigene Rente aufbessern. Solche Sonderzahlungen sollen eigentlich Rentenabschläge bei Arbeitnehmern ausgleichen, die frühzeitig in Rente gehen möchten. Pro Monat zieht die DRV 0,3 Prozent von der Rente ab. Der Trick dabei ist: Wer eine solche Sonderzahlung leistet, ist noch lange nicht verpflichtet, tatsächlich früher in Rente zu gehen. Das eingezahlte Geld stockt dann einfach die normale Altersrente auf. Wie hoch eine solche Sonderzahlung im Einzelfall sein kann, berechnet die DRV auf Anfrage. Auch bei sonstigen Fragen berät die Rentenkasse und kalkuliert, wie sich zum Beispiel die Entscheidung „Voll- oder Teilzeit?“ auf die erwartbare Rente auswirkt. Vorsorger erfahren dann, wie groß die Einbuße wirklich ist und können überlegen, ob Sonderzahlungen und eine private Altersvorsorge in ihrem Fall sinnvoll sind.