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Aktien „Wir befürchten, dass Anleger die Rezession unterschätzen“

Trader an der Wall Street: Die Stimmung unter Anlegern ist so schlecht wie lange nicht mehr.
Trader an der Wall Street: Die Stimmung unter Anlegern ist so schlecht wie lange nicht mehr.
© IMAGO/Xinhua
Die Stimmung der Börsianer ist so schlecht wie selten. Was heißt das für die Anleger? Drei Fragen an Manfred Hübner, Verhaltensökonom und Chef-Stratege des Stimmungsindikator-Analyseunternehmens Sentix

Herr Hübner, die Anlegerstimmung war zuletzt so schlecht wie seit Jahren nicht mehr, sagt Ihr Sentiment-Index. Was ist der Hauptgrund? Und warum trübt sich die Stimmung gerade jetzt so ein?

Die kurzfristige Anlegerstimmung zu Aktien erholt sich gerade, nachdem im September hohe Angst messbar war aufgrund der starken Kursverluste. Die Anleger erwarten nun eine typische saisonale Kurserholung für das vierte Quartal. Problematisch ist jedoch das strategische Grundvertrauen, es zeigt noch keine neue Kaufbereitschaft an.

Das bedeutet: Es werden derzeit nur Ersatzinvestitionen bei den Aktien getätigt, es wird also zwar umgeschichtet, aber es werden keine zusätzlichen Papiere gekauft. Oft behaupten Börsenbeobachter ja, alle derzeit kursierenden schlechten Nachrichten seien bereits vom Markt eingepreist. Allen voran die Energiekrise oder die drohenden Insolvenzen. Denken Sie das auch?

Ja und nein. Klar ist, dass die schwachen Konjunkturerwartungen aus dem Sentix Konjunkturindex ein hohes Bewusstsein aufzeigen für die aktuellen Konjunkturprobleme, die aus der Energiekrise herrühren. Wir befürchten jedoch, dass die Anleger unterschätzen, wie hartnäckig eine absehbare Rezession ausfallen könnte. Denn den Notenbanken sind ja die Hände gebunden, sie können angesichts der hohen Inflation derzeit kaum die Zinsen senken.

Was heißt das für die Märkte und was ist Ihr Rat für Anleger derzeit? Kaufen oder nicht kaufen?

Aktien sind trotz der Kursrückgänge, die sie seit Jahresanfang erlebt haben, unseres Erachtens nicht billig geworden. Mehr als eine taktische Erholung erwarten wir deshalb aktuell nicht. In so einer Phase sollten defensive Anlagen, wie Unternehmensanleihen oder Edelmetalle für Anleger an Bedeutung gewinnen.

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