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Schluss mit den „Männergesangsvereinen“

, Christine Weiner

Männer beherrschen die Unternehmen. Doch es bewegt sich etwas - vor allem wenn Frauen und Männer an einem Strang ziehen. Von Christine Weiner

Frauen sind in Führungsetagen immer noch eine Seltenheit © Imago
Frauen sind in Führungsetagen immer noch eine Seltenheit

Christine Weiner ist Coach und BeraterinChristine Weiner ist Coach und Beraterin. Sie begleitet Talente, die Karriere machen möchten und hilft Firmen bei der Verbesserung ihrer Rahmenbedingungen. Außerdem ist Weiner Autorin. Zuletzt erschienen ist "Ab durch die Decke- Erfolgsstrategien für Frauen, die nach oben wollen"


„Wir kommen halt um sie nicht herum, die dämliche Angelegenheit“, entgegnete mir ein früherer Kollege, der heute als Berater für große Unternehmen arbeitet. „Um mit anderen Unternehmen mithalten zu können, müssen wir Frauen finden. Aber ganz ehrlich, unser Laden ist so konservativ und verstaubt, man kann es einer Frau eigentlich gar nicht raten, bei uns eine Führungsposition anzustreben. Vor allen Dingen weiß ich nicht, ob sie auch tatsächlich Verantwortung bekommt. Da ist hier alles so alt und hölzern. Aber Frauen bräuchten wir. Wie sieht das denn aus, wenn nur Männer auf der Webseite abgebildet sind? Manche unserer Kunden schmunzeln bereits darüber.“

Noch nie hatte Deutschland so viele Frauen, die gut ausgebildet und bereit für den Erfolg sind. Frauen, die Engagement, Bestnoten und Durchhaltevermögen in Studium und Ausbildung zeigen. Absolventinnen, die auf jeden Fall Karriere machen wollen. Mit „Frauen in Führung sind bei uns erwünscht!“ wird um die weiblichen Talente geworben, obwohl „etwas weiter oben“ dann doch wieder nur Männer in der Führung sind.

Frauen sind erwünscht, aber kommen nicht weiter. Ein Phänomen, das man im Sprachgebrauch auch oft die gläserne Decke nennt. Viele Jahrzehnte lang wurden Positionen ab einer bestimmten „Etage“ von Männern nur an Männer vergeben. Nicht nur Diskriminierung, sondern auch viel Gewohnheit und blinde Flecken sind die Ursache, wenn heute Männer eingestellt werden, weil „keine Frau zu finden war“.

Firmen entscheiden sich bewusst für Frauen

Der Prototyp Manager hat eine Formel: 35 Jahre, heterosexuell und weißhäutig. Man könnte auch sagen, es handelt sich hier um ein Förmchen. Männer, die Jobs vergeben, suchen Männer, die ihnen selbst und damit diesem Förmchen ähneln. Cloning nennt man den Prozess.

Es gibt Unternehmen, die sich aktuell ganz bewusst für Frauen entscheiden, weibliche Karrierenetzwerke im Unternehmen unterstützen und Mentoring-Programme auflegen, damit „endlich was passiert“, denn Männer scheinen Frauen zwar beruflich zu achten, klonen sich aber munter weiter. Vor allem scheint sich nur sehr wenig zu bewegen.

Moderne Unternehmen, die jetzt aktiv um talentierte Frauen werben und sich um Diversity bemühen, wissen: Verschiedene Menschen haben verschiedene Kompetenzen und Sichtweisen und die bringen Unternehmen einen Gewinnzuwachs. Es ist allein deswegen unternehmerisch fahrlässig, immer nur auf das gleiche Männerförmchen zu bauen, denn Gleiches bringt eben auch nur Gleiches hervor.

Ich selbst nenne die Unternehmen, in denen sich viele dunkle Anzüge in den Vorstands- und Chefetagen tummeln, deswegen nur noch „Männergesangsvereine“ und rate den Frauen davon ab, die zu mir ins Coaching kommen, denn genau so altbacken und antiquiert wie diese Unternehmen erscheinen, sind sie eben häufig auch. Viele begabte Frauen lehnen allein aus diesem Grund Jobangebote ab, denn es bringt wenig Erfolgs- und Glücksgefühle, als eine Art einsames „hohes C“ in diesen verstaubten Chören mitzusingen. 

Warten können?

Die Zeiten ändern sich, es ist deutlich zu spüren. An manchen Stellen bricht bereits das Glas. Frauen fragen mich, wie sie damit umgehen sollen. „Soll ich warten, bis sich endlich was entscheidet? Eine Quote kommt oder bei uns im Unternehmen von selbst der Groschen fällt?“

„Es bewegt sich“, wiederhole ich mich dann gerne. „Aber bis etwas von außen passiert, beginne schon mal bei dir selbst – denn dein Auftreten, deine Rhetorik, deine Durchsetzung, deine Wirkung zu reflektieren und zu optimieren, ist die einzige Macht, die wirklich in deinen Händen liegt. Beginne in der Karriere bei dir selbst.“ 

Die persönliche Anforderung besteht dabei für mich aus einem guten Mix: Selbstbewusstsein (im Sinne von: ich weiß, was ich kann), Selbstwirksamkeit (im Sinne von: ich kriege das schon hin), Selbst PR (im Sinne von: ich bin stolz auf meine Fähigkeiten und zeige sie gerne), Best Practice (im Sinne von: ich lerne gerne von denen, die weiter sind als ich), Zielmanagement (im Sinne von: wo will ich hin?) Ressourcen und Kompetenzkontrolle (im Sinne von Ablaufsteuerung der Karriere, Kosten/Nutzen Analyse, ist der Kontext für mich okay?), Zeitmanagement (im Sinne von: welches Zeitfenster wünsche ich) und Risikofreude (im Sinne von: ich muss nicht alles können, kann aber vieles lernen, deswegen wage ich etwas) und auch Kalkül, Strategie und Stolz (im Sinne von: ich habe meinen Preis).

Wir sind auf dem Weg. Männer wie Frauen. Und es braucht gemeinsame Tische um die Zukunft gemeinsam zu gestalten. Es braucht eine Art „Generation T“ (Generation Together), privat und auch beruflich. Ich bin davon überzeugt, dass alle davon profitieren werden. Männer, Frauen und Kinder. Es gibt ja auch genug zu tun, Arbeit, die sich gern verteilen will. „Frauen, lasst den Männern die Arbeit“, stand so auf einem Plakat in den 80er-Jahren und darunter die augenzwinkernde Aufforderung: „Räumt den Herd!“

Foto Weiner: © Timo Volz


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