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Mein Rolls, dein Royce

, Capital-Redaktion

Die Wirtschaft ist voller Skandale, Kämpfe und Meilensteine. Capital erinnert an die besten. Diesmal: VW, BMW und die „Spirit of Ecstasy“

Rolls Royce, Pischetsrieder, Piëchs © Illustration: Jindrich Novotny
Kampf um Rolls Royce: Ferdinand Piëch (r.) gegen Bernd Pischetsrieder (M.)

Es war nur ein kurzer Sommerflirt. Aber in der Julihitze des Jahres 1998 spielte Ferdinand Piëch tatsächlich einmal mit der Idee, Volkswagen mit BMW zu vermählen: „Über eine Fusion dürfen Sie spekulieren“, ließ der Autoherrscher von Wolfsburg per Interview wissen. Und verwies auf das noch attraktivere „Denkmodell“ einer Überkreuzbeteiligung.

Hatten sich da wirklich zwei gefunden? Viel wahrscheinlicher ist, dass Piëch einfach nur von der teuren Schlappe ablenken wollte, die er wenige Tage zuvor erlitten hatte. Ausgerechnet gegen BMW. Und ausgerechnet im Kampf um das Kron­juwel der Automarken: Rolls-Royce.

Übernahme mit Haken

Die nobelste aller Fahrzeugschmieden gehörte in den 90er-Jahren samt Schwestermarke Bentley zum britischen Rüstungskonzern Vickers. Als der verkaufte, griff Piëch entschlossen zu, übertrumpfte auch den langjährigen Rolls-Royce-Partner BMW: Gut 730 Mio. Euro bezahlte er für das kleine Unternehmen samt allen Designrechten rund um die weltberühmte Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ (Geist der Verzückung).

Cover der neuen Capital
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Allerdings war da ein kleiner Haken. Die Rechte am Namen und dem klassischen „RR“-Logo gehörten dem Triebwerkshersteller Rolls­Royce plc. Und der verkaufte sie nicht an VW, sondern an seinen Kooperationspartner BMW. Die Bayern lieferten außerdem die Motoren und Getriebe für Rolls-Royce und Bentley.

BMW-Chef Bernd Pischetsrieder kündigte kurzfristig die Lieferverträge – und Piëch drohte die Megapanne. VW hatte zwar eine teure Fabrik und eine Kühlerikone. Aber nicht den Markenmythos und noch nicht mal einen passenden Motor.

In den Nachverhandlungen musste Piëch einen Kompromiss akzeptieren: Die Marke Rolls-Royce samt Designrechten ging an BMW. Volkswagen bekam Bentley und das Werk in Crewe. Dort wurden weiter Rolls-Royce gebaut, bis BMW 2003 ein eigenes Werk fertiggestellt hatte.

Persönlich übel nahm Piëch die Sache aber nicht. Im Gegenteil: Als der BMW-Chef kurz darauf wegen des Rover-Desasters geschasst wurde, holte ihn Piëch zu VW und machte ihn später sogar zu seinem Nachfolger. Bis er ihn 2007 durch Martin Winterkorn ersetzte.

Das Geschäft mit dem Briten-Luxus glänzt heute auf beiden Seiten. Rolls-Royce verkaufte 2014 erstmals über 4000 Wagen, Bentley über 11.000. Die VW-Tochter stellt auf der IAA jetzt ein ganz neues Spielzeug für Superreiche vor: den Bentayga, einen SUV mit 600 PS.

Hauptperson

Bernd Pischetsrieder, Jahrgang 1948, ging nach dem Ingenieursstudium zu BMW und wurde 1993 Vorstandschef. Unter seiner Führung kauften die Münchner die britische Rover-Gruppe. Als BMW dort nach Milliardenverlusten 1999 wieder ausstieg, musste Pischetsrieder gehen, Piëch holte ihn aber sofort in den VW-Konzern. Von 2002 bis 2006 war er VW-Vorstandschef. Sein Großonkel Sir Alec Issigonis erfand einst den legendären Austin Mini, von dem die heutige Mini-Gruppe bei BMW abstammt.

 

Western von Gestern erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Boeings Wahnsinnsvogel 747Der Nixdorf-Absturz und Übernahmekampf zwischen Pirelli und Continental

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