Prognose„Wirtschaftsweise“ halten Rezession für unaufhaltsam

Wegen der Corona-Krise sind die meisten Läden geschlossen. Das trifft viele Einzelhändler ins Markdpa

Der Sachverständigenrat Wirtschaft erwartet dieses Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 2,8 Prozent, gefolgt von einem Aufschwung um 3,7 Prozent im Jahr 2021. Das gaben der Vorsitzende Lars Feld und seine Kollegen Achim Truger und Volker Wieland heute auf einer Online-Pressekonferenz bekannt. Wie stark der Einbruch des Wachstums in diesem Jahr ausfalle, hänge vor allem davon ab, wie lange die Pandemie dauere, sagten die sogenannten Wirtschaftsweisen. „Es ist nicht so wie in einem Krieg, wo danach der gesamte Kapitalstock zerstört ist“, betonte Volker Wieland.

Das ist nach den Prognosen der Ökonomen vor allem dann der Fall, wenn die Pandemie schnell vorübergeht. Im aus ihrer Sicht wahrscheinlichsten Szenario normalisiert sich die wirtschaftliche Lage über den Sommer wieder. Nach fünf Wochen Shutdown und einer dreiwöchigen Erholungsphase könnte die Wirtschaft dann wieder in den Normalzustand zurückkehren, sagte Feld.

Die Ökonomen haben noch zwei weitere Szenarien berechnet. Bei großflächigen Produktionsstilllegungen oder länger andauernden Maßnahmen, um das Virus einzuschränken, könne das BIP im aktuellen Jahr um 5,4 Prozent schrumpfen und im nächsten Jahr um 4,9 Prozent wachsen. Die Ökonomen erwarten, dass das durch Nachholeffekte der Fall sein könnte, wenn also Unternehmen und Privatpersonen einiges von dem produzierten beziehungsweise kauften, was sie in der Krise nicht produziert und gekauft hätten.

„Es hilft relativ wenig, wenn ein Land aus der Krise gut herauskommt, wenn um uns herum die Krise nicht behoben ist“

Achim Truger

Im schlimmsten Szenario gehen die Sachverständigen davon aus, dass die Regierung das öffentliche Leben über den Sommer hinaus einschränken muss und die beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen der Regierung nicht ausreichten, um die Wirtschaft zu stärken. Dann würde das BIP 2020 um 4,5 Prozent schrumpfen, im nächsten Jahr aber nur um ein Prozent wachsen. Die Nachholeffekte blieben aus.

Noch sind die Ökonomen aber optimistisch. „Mir scheint momentan sehr gut zu laufen, was die Politik macht“, sagte Achim Truger. Er bemängelte allerdings die internationale Zusammenarbeit. „Die Regierungen müssen die Gesundheitsmaßnahmen abstimmen“, forderte er und ergänzte: „Es hilft relativ wenig, wenn ein Land aus der Krise gut herauskommt, wenn um uns herum die Krise nicht behoben ist. Dann können auch wir die Produktion nicht wieder hochfahren.“ Wieland betonte, dass auch medizinisches Material über die Grenzen im- und exportiert werden müsse.

Unterschiedliche Auffassungen zu Corona-Bonds

Damit es in Folge der Pandemie nicht zu einer Schuldenkrise kommt, schlugen die Wirtschaftswissenschaftler Maßnahmen vor, um die europäischen Finanzen zur Not weiter zu unterstützen. „Der ESM bietet sehr vielfältige Möglichkeiten“, sagte Feld. Mit dem europäischen Finanzstabilitätsmechanismus könne man den Ländern unmittelbar Hilfe leisten, damit sich die Mitgliedstaaten in einer Krise weiterhin Geld leihen könnten.

Auch die EZB könne mit sogenannten OMTs (Outright Monetary Transactions) Staatsanleihen kaufen, um Mitgliedsländer zu unterstützen und deren Finanzierungskosten für Staatsschulden gering zu halten. Beim Thema der viel diskutierten Eurobonds vertreten die Ökonomen unterschiedliche Meinungen. Auch weil es dafür noch keine rechtlichen Rahmenbedingungen gebe, erteilte die Mehrheit von ihnen den sogenannten Corona-Bonds jedoch eine Absage.

 


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