EditorialWie Trump den Aufschwung abwürgt

Capital-Chefredakteur Horst von Buttlar
Capital-Chefredakteur Horst von ButtlarGene Glover

Die wichtigste Lektion über Wachstum lernte ich 2011 in den USA. Ich bekam ein Buch in die Hände mit einem schlichten, wunderbaren Titel: „More“. Dieses Mehr, um das es ging, war eine Geschichte über den beständigen und unbändigen Glauben an das Wachstum der Weltwirtschaft. „Das Streben nach Wachstum“, schrieb der Autor Robert Collins in dem Buch, „ist zentraler und prägender Bestandteil der amerikanischen Politik.“ Im Mittelpunkt stehe dabei der Präsident, und seit den 50er-Jahren gibt es dafür sogar einen Begriff: Growthmanship. Der Präsident als Wachstumsmanager.

Die Wurzeln für diese Philosophie liegen im New Deal der 30er-Jahre, als Franklin D. Roosevelt unter dem Eindruck der Großen Depression seine Rolle neu definierte: Economic Leadership zählt seitdem neben der nationalen Sicherheit zu den wichtigsten Aufgaben des Weißen Hauses, eingebettet in ein internationales System aus Verträgen und Institutionen, in der tiefen Überzeugung, dass ein freier Handel gut für die Welt ist – und gut für Amerika.

Cover der neuen Capital
Cover der neuen Capital

Donald Trump hat Growthmanship neu definiert: Seine „America First“-Politik ist zu einer globalen, nahezu epischen Schlacht zwischen den drei großen Handelsräumen geworden – wobei das Duell mit China an erster Stelle steht, während der Kampf mit Europa symbolisch gegen ein Land gefochten wird: Deutschland. Wir sind nicht mehr Handelspartner, sondern Rivale, in manchen Papieren sogar economic enemy.

Die Anklage läuft meist über das Trommelfeuer von Twitter: Zu viel Exporte, zu hohe Zölle, zu wenig Militärausgaben, und das Teuflische ist, dass alle diese Vorwürfe einen wahren Kern haben. Trump zielt immer ins Herz, und deshalb hat er sich auf die deutsche Autoindustrie eingeschossen – auf die Amerika immer schon neidisch war. Dass für sein Weltbild ein Blick auf die Fifth Avenue genügt, auf der ihm zu viele Mercedes fahren, zeigt, dass wir in einer Phase leben, in der es nicht um Erkenntnis und Dialog, sondern um Schlagabtausch geht, in einer Zeit plumper und grober Parolen.

Wie nachhaltig das Zerstörungswerk ist, das Trump in den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA anrichtet, wissen wir nicht. Was wir wissen, ist, dass der Aufschwung, der Anfang des Jahres noch als „weltweit synchron“ gefeiert wurde, abflaut, vielleicht sogar bedroht ist – nicht aber wegen einer Blase oder des normalen Auf und Abs. Der exogene Schock wurde von Menschen gemacht, einigen blindwütigen Männern, die Freihandel zum Endgame der Weltwirtschaft erklärt haben.