WeltwirtschaftWie sich die Länder von der Corona-Krise erholen

Containerhafen Qinzhou in China. Das Terminal schlug 2020 rund 30 Prozent mehr Ware um als im Jahr davor.
Containerhafen Qinzhou in China. Das Terminal schlug 2020 rund 30 Prozent mehr Ware um als im Jahr davor. imago images / Xinhua

„Wir haben wahrscheinlich noch sechs bis neun oder zwölf Monate davon vor uns“, sagt die Chefökonomin der Industrieländerorganisation OECD Laurence Boone. Sie meint Kontaktbeschränkungen unterschiedlicher Härte, mit der die Welt versucht, sich aus dem Griff des Coronavirus zu lösen. Entsprechend sieht sie etliche Unsicherheiten.

Sicher ist: Die Corona-Pandemie hat der Weltwirtschaft einen schweren Schlag versetzt. Einzelne Regionen und Länder hat sie unterschiedlich hart getroffen. Und während die Welt das Virus allmählich zurückdrängt, wird auch die einsetzende Erholung höchst ungleich ausfallen. Einige gehen als Gewinner voran, andere werden die Krise erst später überwinden.

Die Weltwirtschaft musste 2020 den stärksten Einbruch seit Ende des Zweiten Weltkriegs wegstecken, Millionen Menschen verloren ihre Arbeit oder gingen in Kurzarbeit. Vor allem die Regierungen der reiferen Ökonomien betreiben Schadensbegrenzung mit milliardenschwere Hilfsprogrammen für die Wirtschaft und ihre Bürgerinnen und Bürger. Ärmere Länder und manche Schwellenländer können sich nicht in gleichem Maß verschulden.

Nach Einschätzung der OECD wird die Weltwirtschaft im Jahr 2021 den Rückgang von 4,25 Prozent in gleichem Umfang wieder gutmachen und dann 2022 um 3,75 Prozent wachsen. Das globale BIP wird also Ende 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben. „Die Erholung würde stärker ausfallen, wenn die Impfstoffe schnell eingeführt werden, was das Vertrauen stärkt und die Unsicherheit verringert.“

Asien im Vorteil

Doch ist die Dynamik ungleich verteilt. Viele der reichsten Nationen der Welt werden sich  frühestens 2022 wieder vollständig erholt haben. Dabei kommt es auch darauf an, wie zügig die Pandemie ausgebremst werden kannn. Im Wettlauf mit potenziell ansteckenderen Virusmutationen und abhängig vom Tempo der Impfstoffproduktion werden selbst Industrienationen womöglich die angestrebte Herdenimmunität nicht bis Ende 2021 erreichen. Entwicklungsländer werden gar eine weitere Verbreitung des Virus nicht verhindern können.

Langfristige Dauerschäden

Trotz der Erholung im laufenden Jahr wird die Krise viele Volkswirtschaften bis 2022 voraussichtlich um fünf Prozent kleiner zurücklassen. „Die fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften könnten im Median bis 2022 den Gegenwert von vier bis fünf Jahren Wachstum des realen Pro-Kopf-Einkommens eingebüßt haben“, schreibt die OECD in ihrem Wirtschaftsausblick 2021. Mehr als eine vorübergehende Schwäche also. In China, Korea, Japan und einigen nordeuropäischen Volkswirtschaften werde das Risiko derart langfristiger Kosten dagegen als relativ gering eingeschätzt.

Dies sind die Länder, die sich aus OECD-Sicht schnell bzw. langsam erholen werden: