FinanzevolutionWie man ein Finanz-Start-up gründet

Dirk Elsner© Sebastian Berger, Stuttgart

Dirk Elsner berät als Consultant für die Innovecs GmbH Banken und Unternehmen. Zu seinen Schwerpunkten gehören Veränderungen der Finanzwirtschaft, der Unternehmenspraxis und digitale Finanzdienstleistungen. 2008 hat er das private Wirtschaftsblog Blick Log gegründet, das mehrfach ausgezeichnet wurde. Ab sofort schreibt Elsner alle zwei Wochen eine Kolumne auf Capital.de. Der Titel ist Programm: Finanzevolution


Wenn mich meine Berufserfahrung eines gelehrt hat, dann auch, dass es trotz der Masse an Ratgeberbüchern und klugen Analysen kein sicheres Konzept gibt, wie man ein Unternehmen erfolgreich führen oder gar gründen kann. Viele kennen diese Situation: Man hat eine Idee und denkt, daraus müsse sich doch ein Geschäftsmodell machen lassen. Gern wird am Stammtisch diskutiert, wie man es besser machen kann, selten aber werden diese Ideen auf eine wirkliche Probe gestellt. Das konnten potenzielle Gründer am vergangenen Wochenende in Frankfurt am Main versuchen.

„No Talk, All Action“ lautete weltweit das Motto sogenannter Start-up Weekends. Es soll die durch den Kopf schwirrenden Ideen zur Reife bringen oder wie man heute sagt „zu challengen“. Unter dem Untertitel „Welcome to FinTech City” hatten Foundershub und Startup Germany gemeinsam mit der DB Systel in den Silberturm der Bahn eingeladen. Ein Schwerpunkt war Financial Technology. Ziel der Veranstalter war es, Menschen mit Ideen ein Forum zu geben, indem sie diese Ideen wachsen lassen und ausarbeiten können. Unterstützt wurden sie dabei von verschiedenen Fachleuten aus der Praxis, die mit Rat zu bankfachlichen, technischen, rechtlichen, steuerlichen und PR-Fragen zur Seite standen.

93 Teilnehmer fanden sich nach der Vorauswahl der interessantesten Ideen zu insgesamt 15 Gruppen zusammen, um dann im Team ihre Geschäftsideen scharf zu stellen. Mit Blick auf die Bankentürme in Frankfurt hatte man dabei je nach Sichtweise die potenzielle Konkurrenz oder die Kooperations- beziehungsweise Geschäftspartner gleich im Blick. Dabei ging es aber längst nicht nur um Financial Technology (FinTech), sondern um auch andere Lösungen.

Nicht alle Ideen sind neu

So grübelte das Team „Blocksigned“ (Frank Werner, Alexander Boehme, David Meyer und Daniela Jindra) an einem Modell, wie man auf Basis der Bitcoin-Technologie das Vertragsmanagement zwischen Unternehmen vereinfachen kann. Blocksigned nutzt die Technologie der Blockchain, um eine voll digitale Signierung von Verträgen zu ermöglichen. Verträge, die über die Blocksigned-Plattform abgeschlossen werden, sind gegenüber nachträglichen Veränderungen des Inhalts sicher und mit einem unabänderlichen Zeitstempel versehen. Anders als bei bisherigen Lösungen erhält Blocksigned selbst dabei keinerlei Kenntnis vom Inhalt des Vertrages.

Die Blocksigned-Plattform soll einfach nutzbar und komplett digital sein und daher den Unternehmen und Vertragspartnern große Kosten-, Effizienz- und Sicherheitsvorteile bieten. Blocksigned erhielt übrigens den Preis „Most disruptive“. Dieses Beispiel zeigt, wie sich Lösungen aus der digitalen Finanzwelt in andere Geschäftsbereiche transportieren lassen.

Im Startplenum stellten zahlreiche Teilnehmer ihre Ideen vor, andere Teilnehmer konnten sich dann dazu gesellen. So bildeten sich verschiedene, zum Teil sehr heterogene Arbeitsgruppen. Und manch einer merkt dabei schon, dass es gar nicht so einfach ist, seine eigene Idee zu verteidigen. So lösten sich bis zur finalen Präsentation am Sonntagabend drei Gruppen wieder auf. Längst nicht alle vorgestellten Ideen waren neu.

Die 19 Mentoren ließen aus mancher Idee die Luft heraus, weil es ähnliche Produkte und Leistungen bereits gibt. Aber getreu dem Motto, dass auch Apple das Smartphone nicht erfunden, dafür aber besser gemacht hat, ließ sich dadurch kaum jemand verunsichern. So will die Gruppe Eduvest Privatpersonen mit mobilen Online-Tutorials zielgruppengerechte Informationen zum Thema Finanzanlage und Strategien vermitteln und sich über die neutrale Vermittlung von Anlageprodukten finanzieren.