Smartphones Wie ein iPhone-Abo funktionieren könnte – und was Apple davon hat

Die verschiedenen Modelle des iPhone 13
Die verschiedenen Modelle des iPhone 13
© IMAGO / ZUMA Wire
Apple arbeitet offenbar an einem Abonnement für iPhone-Kunden, mit dem diese regelmäßig das neueste Modell erhalten würden. Für den Tech-Konzern hat die Idee einen großen Vorteil

Irgendwo in Cupertino sitzt ein Apple-Team, das an einer komplizierten Exceltabelle arbeitet, um eine wichtige Frage zu beantworten: Verdienen wir mehr Geld, wenn wir den Leuten iPhones im Abonnement verkaufen?

Die Antwort scheint „ja“ zu sein, denn das kalifornische Unternehmen arbeitet an einem solchen Programm, wie Bloomberg News vergangene Woche enthüllte. Kunden würden dabei für eine monatliche Gebühr in regelmäßigen Abständen die neuesten Geräte erhalten. In etwa so, als würden sie ihr iPhone leasen statt es zu kaufen.

Daraus ergeben sich einige offensichtliche Vorteile für Apple: Die Nutzer wären dadurch noch enger an die Marke gebunden, was die Wahrscheinlichkeit senken würde, dass sie ihr nächstes Gerät von einem anderen Hersteller erwerben würden. Auch könnte so ein Angebot diejenigen, die seltener aufrüsten, dazu ermutigen, dies häufiger zu tun. Und die Einnahmen wären dadurch vorhersehbarer. 

Entscheidender ist jedoch, dass ein Abo-Modell auch den Gewinn steigern würde. Und zwar so:

Da sich das Innovationstempo bei jeder neuen iPhone-Generation zu verlangsamen scheint, kauft der Durchschnittskunde immer seltener ein neues Gerät. Laut Apple ersetzen die Menschen ihr Smartphone heutzutage im Durchschnitt alle drei Jahre. In den Anfangstagen des iPhones geschah dies noch fast alle zwei Jahre.

Höhere Preise, neue Abodienste

Apple hat es geschafft, die sinkende Austauschfrequenz teilweise auszugleichen, indem das Unternehmen die Preise erhöht, Abo-Dienste wie Apple Music, TV+ und Fitness+ eingeführt und gleichzeitig die Marktdurchdringung von iCloud beschleunigt hat. Aber es gelingt Apple immer noch nicht, die Kunden dazu zu bringen, so regelmäßig neue iPhones zu kaufen wie früher. Einige Investoren sind besorgt, wie weit sich die Preise für ein iPhone noch steigern lassen, besonders da die Inflation die Kunden finanziell unter Druck setzt.

Die konkreten Vorzüge eines iPhone-Abos lassen sich erkennen, wenn man es mit Apples bisherigen Finanzierungsangeboten vergleicht: Diese Verträge haben in der Regel eine Laufzeit von zwei Jahren. Ein iPhone 13 Pro im Wert von 1.149 Euro würde den Kunden also 47,87 Euro pro Monat für 24 Monate kosten – wenn man davon ausgeht, dass keine zusätzlichen Finanzierungskosten anfallen.

Da die Kunden gegenwärtig nur alle drei Jahre ein neues iPhone erwerben, kann man es auch so betrachten: Von den drei Jahren, die ein einzelner Kunde sein Gerät durchschnittlich besitzt, erhält Apple nur in zwei Jahren Einnahmen.

Ein Abonnement würde diese Lücke schließen. Man kann sich das ganze in Sechs-Jahres-Zyklen vorstellen: Gegenwärtig kauft der Durchschnittskunde in diesem Zeitraum zwei Geräte, die er über zwei Zeiträume von jeweils zwei Jahren bezahlt. Mit einem Abonnement könnte er wahrscheinlich mindestens drei Geräte kaufen, vielleicht sogar mehr, wenn er sich für eine teurere Stufe entscheidet.

Diese zusätzlichen Einnahmen würden es Apple auch ermöglichen, auf monatlicher Basis weniger zu verlangen als bei den derzeitigen Finanzierungsangeboten und dabei trotzdem höhere Gewinne zu erzielen. Nach Schätzungen des Analyseunternehmens TechInsights liegt die Bruttogewinnmarge für ein iPhone 13 Pro bei 43 Prozent. Bei einer Verringerung der Marge um acht Prozentpunkte würde Apple immer noch einen höheren absoluten Gewinn erzielen, denn 35 Prozent von 3.447 Euro (der Preis für drei iPhones) sind mehr als 43 Prozent von 2.298 Euro (der Preis für zwei).

Und da die Kunden ihre alten Geräte wahrscheinlich bei jedem Upgrade zurückgeben müssen, kann Apple diese recyceln oder für den Wiederverkauf aufbereiten. Das ist eine riesige Chance, den Gewinn zusätzlich zu steigern: Aufbereitete Modelle des zwei Jahre alten iPhone 11 Pro werden auf der Apple-Website durchschnittlich 22 Prozent unter ihrem ursprünglichen Neupreis zum Verkauf angeboten. Zusätzliche würde das Recyceln Apples ökologisches Image verbessern.

Alles in allem wären Abos eine geschickte Methode, um zusätzliche Gewinne zu erzielen, insbesondere wenn die kommenden Modelle des iPhones nur marginale Verbesserungen bieten. Im Moment profitiert Apple von der Nachfrage nach 5G-Geräten, die das Tempo beschleunigt hat, in dem die Kunden aufrüsten. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieser Trend unendlich anhält.

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