AutoindustrieWie die Autobauer Teslas Model 3 entschlüsseln wollen

Tesla Model 3
Sonnen-Kunden können künftig ihre E-Autos mit Grünstrom laden - auch Fahrzeuge von Konkurrent Tesladpa

Obwohl Tesla auf der diesjährigen Detroit Motor-Show fehlte, war das Model 3 des Elektroautoherstellers ein heißes Thema. Versteckt im Keller der Kongresshalle weit entfernt vom neuen Chevrolet Silverado Pick-up und dem Toyota Avalon, die in der Haupthalle ausgestellt waren, zeigte Caresoft Global ein Chassis von Teslas Model 3.

Es handelte sich um eine von mehreren Fahrzeugen, die Caresoft seit November von Dritten gekauft hat, um sie zu analysieren und Daten sowie technische Erkenntnisse an Tesla-Konkurrenten zu verkaufen – für mehr als 500.000 Dollar. „Es gibt Leute, die aus China angereist sind, nur um eine Probefahrt mit uns zu machen“, sagte Caresoft-Geschäftsführer Prideep Subramaniam.

Da es kaum Model 3-Fahrzeuge gibt, sind Konkurrenten, Fans und Autojournalisten umso neugieriger. Sie alle wollen einmal das Objekt ihrer Begierde anfassen, dessen Einstiegspreis bei 35.000 Dollar liegt. Tesla will pro Woche mehr als 5000 Autos vom Typ Model 3 herstellen, doch in den letzten beiden Quartalen wurden weniger als 2000 Fahrzeuge ausgeliefert.

Das wichtigste Auto seit Fords Model T?

Wegen der Produktionsengpässe haben nur wenige Menschen abgesehen von Mitarbeitern, Familienmitgliedern und Firmeninsidern das Model 3 persönlich gesehen. Die Autos sind erst seit kurzem in einigen Tesla-Showrooms zu bestaunen und dort ziehen sie große Menschenmassen an. Der Hersteller, der zu keiner Stellungnahme bereit war, hat etwa eine halbe Million Reservierungen für das Model 3 erhalten. Die Wartezeit für ein Auto wird auf zwölf bis 18 Monate geschätzt, wenn es jetzt bestellt wird.

Investoren und Wettbewerber greifen begierig nach jeder Information über das Elektroauto. Als die Autowebsite „The Drive“ im Januar einen länglichen Artikel über das Model 3 veröffentlichte, schossen die Tesla-Aktien um mehr als sechs Prozent nach oben.

Der Autor des Artikels Alex Roy war mit dem Eigentümer eines Model 3 über Land gefahren und schrieb eine positive Kritik über das Fahrzeug, dass er als das wichtigste Auto seit Fords Model T bezeichnete. Der Besitzer wollte sein Auto jedoch auf Ebay verkaufen, da es zu klein sei für seine fünfköpfige Familie. Die Gebote lagen bei 57.100 Dollar, der vom Verkäufer festgelegte Mindestpreis wurde jedoch nicht erreicht. Er habe das Auto dann privat nach Europa verkauft zu einem Preis, der höher als das beste Ebay-Gebot gelegen habe, sagte der Tesla-Besitzer.

„USA Today“ mietete auf dem Online-Marktplatz Turo ein Model 3 und kam zu dem Schluss: „Ein Tag, den man mit einem Modell 3 verbracht hat, macht Lust auf einen weiteren Tag.“

Jeder will unbedingt einen sehen und erleben

Mike Van Nieuwkuyk

Caresoft gab an, sein Model 3 für gut 100.000 Dollar von einem früheren Kunden gekauft zu haben. Das Unternehmen erstellt Computertomografie digitale Scans für Unternehmen, die mit virtuellen Simulationen das Konstruktionsprinzip des Model 3 verstehen wollen.

Caresoft hatte auf der CES in Las Vegas und später auf der Detroit Motor Show einen Stand, wo sich Vertreter der Autoindustrie ein Stelldichein gaben. Ein Ford-Mitarbeiter nutzte die Gelegenheit, um an dem roten Skelett des Autos die Fenster zu vermessen. Männer mit europäischen Akzenten krochen unter das Chassis, um einen genaueren Blick zu erhaschen. „Jeder will unbedingt einen sehen und erleben“, sagte Mike Van Nieuwkuyk, Senior Vice President des Forschungsunternehmens Ipsos, nach dem Besuch des Caresoft-Standes.

Solche Autoaufrisse sind nichts Neues. 2016 erregte Ford Aufmerksamkeit, als Teslas SUV Model X im Raum Detroit mit Ford-Nummernschildern auftauchte. Bloomberg News berichtete, Ford habe fast 200.000 Dollar für eine Vorversion des SUV bezahlt.

Im Mai veröffentlichte UBS einen Bericht über General Motors E-Auto Chevrolet Bolt, einem Model-3-Konkurrenten. Darin schätzt die Bank, GM müsse bei jedem verkauften Auto 7400 Dollar draufzahlen. UBS schließt daraus, dass Tesla bei der Basisversion des Model 3 2800 Dollar verlieren würde. Erst bei Varianten, die für 41.000 Dollar oder mehr verkauft werden könnte die Gewinnschwelle erreicht werden.

Caresoft bot für seine Kunden Probefahrten in der Innenstadt von Detroit in einem schwarzen Model 3 an. Unternehmenschef Mathew Vachaparampil sagte nach einem Tag voller Termine mit Automanagern, die hinter das Geheimnis des Model 3 kommen wollten, dass zehn Autohersteller Kunden seiner Firma sind. Sie warteten jetzt gespannt auf die Daten, so der Caresoft-CEO. „Ich kann ein Treffen mit jedem Auto-CEO auf der Welt arrangieren.“

Copyright The Wall Street Journal 2018