NachhaltigkeitWie Anleger mit ihrem Geld Gutes tun können

Symbolbild: Grüne Technologie
Symbolbild: Grüne TechnologiePixabay

Tausende Euro auf dem Girokonto – dass das nicht schlau ist, dürfte sich inzwischen rumgesprochen haben. Auf der Suche nach Alternativen spielen immer mehr Deutsche mit dem Gedanken, ihr Geld an der Börse zu investieren. Viele Bundesbürger treibt dabei nicht nur der Wunsch nach maximalem Gewinn an. Sie wollen mit ihrem Geld auch etwas Gutes tun. Aktuell könnte sich jeder zweite Deutsche vorstellen, sein Geld in nachhaltige Anlagen zu investieren, zeigt eine repräsentative Umfrage der Direktbank Ebase. Knapp 15 Prozent würden die Entscheidung für oder gegen ein Investment sogar vollständig davon abhängig machen, wie verantwortungsvoll der Anbieter ihr Kapital anlegt. „Damit nimmt das Thema Nachhaltigkeit schon heute einen wichtigen Stellenwert in der Kapitalanlage der Deutschen ein und tritt als weitere Dimension neben Rendite, Risiko und Liquidität auf“, sagt Ebase-Geschäftsführer Rudolf Geyer.

Die Fondsindustrie hat diesen Trend längst erkannt und ihre Produktpaletten entsprechend angepasst. Laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) hat sich das in Deutschland, Österreich und der Schweiz in nachhaltige Investmentfonds angelegte Kapital zwischen 2006 und 2017 auf 81 Milliarden Euro mehr als verzehnfacht. Das Sustainable Business Institute (SBI) zählte im Jahr 2018 mehr als 500 Fonds, die vorgeben, ökologische, soziale oder ethische Aspekte bei der Auswahl der Investments zu berücksichtigen. Ende vergangenen Jahres investierten Anleger dem SBI zufolge rund 126 Milliarden Euro in Fonds mit dem Label „nachhaltig“, mehr als dreimal so viel wie im Jahr 2007. Rund die Hälfte der Öko-Fonds setzt den Schwerpunkt auf Aktien. Nachhaltige Mischfonds machen 16 Milliarden Euro des Gesamtvermögens aus. Öko-Renten- und Dachfonds haben einen deutlich geringeren Marktanteil.

SBI und FNG kommen bei den Marktvolumina nicht ohne Grund auf verschiedene Zahlen: Noch gibt es nämlich keine einheitlichen Kriterien zur Klassifizierung sogenannter Nachhaltigkeitsfonds. Jede Institution und auch jeder Anbieter darf selbst entscheiden, was er unter diesem Begriff versteht – und was nicht. In den vergangenen Jahren hat sich so ein Nebeneinander von verschiedenen Ansätzen entwickelt, mit denen Fondsmanager die vermeintlich nachhaltigsten Unternehmen identifizieren. Manche sind streng, andere eher lax. Am weitesten verbreitet ist der sogenannte „Best in Class“-Ansatz. Dabei investieren Fondsmanager in Unternehmen, die innerhalb ihrer jeweiligen Branche federführend beim Thema Nachhaltigkeit sind. Nach dem Best-in-Class-Ansatz kann das Fondsportfolio also auch Titel von Ölproduzenten enthalten, solange diese nur sauberer wirtschaften als die Konkurrenz.

Manche Anbieter führen Negativlisten, die Investitionen in kritische Bereiche wie Glücksspiel oder Tabak grundsätzlich ausschließen. Doch auch hier müssen Anleger genau hinschauen: „Einige Investmentgesellschaften schließen Unternehmen erst aus, wenn sie einen bestimmten Prozentsatz ihres Umsatzes in kritischen Bereichen erwirtschaften“, sagt Simone Schieg, Analystin bei der Ratingagentur Scope. Zur Vorsicht rät die Expertin auch bei Themenfonds, die nur auf spezielle Bereiche wie zum Beispiel erneuerbare Energien setzen. „Nur weil ein Unternehmen in sauberen Branchen unterwegs ist, heißt das nicht, dass es automatisch auch nachhaltig wirtschaftet“, sagt Schieg. So kann ein Öko-Fonds, der in Wasserkraft investiert, zwar besonders umweltfreundlich sein, er überzeugt aber nicht zwangsläufig in sozialen Fragen oder der Unternehmensführung.

Damit Anleger nachhaltige Angebote von Etikettenschwindel unterscheiden können, bieten Siegel eine Orientierungshilfe. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) informiert über zertifizierte Fonds und gibt selbst ein eigenes Nachhaltigkeitssiegel heraus. Um es zu erhalten, müssen die Fonds Her­steller von Waffen und Unternehmen, die Atomkraftwerke betreiben, aus ihren Depots ausschließen. Auch ein einheitliches europäisches Siegel rückt in greifbare Nähe. Im vergangenen Juni hat die EU-Kommission eine Expertengruppe beauftragt, einen europäischen Standard für nachhaltige Finanzprodukte zu erarbeiten. Bis zum Sommer wollen die Wissenschaftler ihre Ergebnisse vorstellen.