GastbeitragWer überleben will, muss jetzt investieren

Geschlossenes Geschäft in Hamburg: Wer clever ist, investiert jetzt in die Zukunftimago images / Nikita

Keine Frage: Mittelständische Unternehmen, die sich in Familienbesitz befinden, sind genauso betroffen von der Corona-Krise, wie alle anderen Unternehmen auch. Auch sie leiden unter dem Wegbrechen von Aufträgen und dem Ausbleiben von Einnahmen; auch sie müssen Kurzarbeit anmelden oder gar Entlassungen vornehmen – vielleicht zum ersten Mal in ihrer bisherigen Geschichte.

Doch gerade Familienunternehmen könnten sich 2020 als besonders widerstandsfähig erweisen. Warum? Wo Konzerne Aktionäre bei der Stange halten oder Kredite zurückzahlen müssen, sind viele Mittelständler solide mit Rücklagen und Eigenkapital ausgestattet – und haben beste Verbindungen zu verständnisvollen Kreditinstituten (die dank staatlichem Rückhalt handlungsfähig bleiben dürften).

Die besondere Widerstandsfähigkeit gegenüber der Corona-Krise erwächst meiner Meinung nach auch aus dem stets nach vorne gerichtetem Blick eines familiengeführten Unternehmens: Dort wird eher in Generationen als in Jahres- oder Quartalsberichten gerechnet.

Investitionen zahlen sich aus

Vorwärtsdenkenden Firmenlenkern dämmert von Tag zu Tag, dass es keine Rückkehr zur Normalität, sondern ein „neues Normal“ geben wird. Und wer sich rechtzeitig auf dieses Szenario einstellt, wird einen Vorteil haben. Das Motto der Stunde lautet also: Wer überleben will, muss jetzt investieren!

Es gibt gerade eine Menge Chancen, im eigenen Markt oder in der Produkterweiterung zu wachsen. Die überhitzte Personallage der letzten Jahre, in denen man nicht mal einen Klempner für ein verstopftes Rohr bekam, geschweige denn geschulte Produktingenieure oder sonstige Fachkräfte für den Ausbau neuer Kapazitäten, hat sich schlagartig abgekühlt. Wer jetzt den Mut zur Investition aufbringt, kauft günstig ein.

Das gilt auch – oder gerade – für Digitalisierungsinitiativen: Schnelle Zukäufe von strauchelnden Start-ups mit soliden Grundideen und die Einstellung von digitalen Talenten, die im Sturm einen sicheren Hafen suchen, können sich später auszahlen. Ebenso verhält es sich mit der konsequenten Unterstützung der Vertriebsaktivitäten durch die Anschaffung digitaler Tools und zielgerichteter Investitionen in Technologie. So können Außendienstmitarbeiter nicht nur selbst während der Krise verkaufen, sondern auch danach noch wesentlich effizienter und effektiver sein.

Das Beste aus der Zwangspause machen

Es gibt zudem Investitionen, die fast gar kein Geld, dafür aber eine Menge Zeit kosten – die haben viele Unternehmer jetzt in ungewohntem Ausmaß. Seriöses Nachforschen und Nachdenken über die neuen Bedürfnisse von einer sich ändernden Kundschaft – egal ob B2B oder B2C – ist angesagt.

Was ist damit gemeint? Die Digitalisierung des Handels zum Beispiel hat dafür gesorgt, dass Zwischenhändler – über kurz oder lang – das Nachsehen gegenüber Plattformen à la Amazon haben. Moderne Händler können ihren Kunden vor allem schnell, preiswert und per Online-Bestellung liefern. Wer seine Bücher so ordert, will das früher oder später auch mit den Schrauben für seine Maschinen machen.

Diejenigen Unternehmer, die die veränderten Bedürfnisse erkennen und ihr Unternehmen in den kommenden Monaten umstellen, machen das Beste aus der erzwungenen Verschnaufpause und können mit neuer Kraft und Zielstrebigkeit durchstarten. Sich aus der Krise herauszusparen, wird jedenfalls langfristig nicht zum Erfolg führen. Oder anders: Zur Bestandswahrung hilft nicht das Anbeten der Asche, sondern nur das Nähren des Feuers.

 


Nils Seebach ist Seriengründer und Unternehmer. Der Handelsexperte ist aktuell vor allem als Co-Geschäftsführer der Digitalberatung Etribes tätig. Er ist zudem Aufsichtsrat der Phoenix Group und im Beirat von Bewatec aktiv.