KommentarWas die Wirtschaft für Flüchtlinge tun kann

Flüchtlinge in einer Unterkunft in Deutschland
Flüchtlinge in einer Unterkunft in Deutschland
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Markus Löning
war bis 2013 Beauftragter der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe. Mit seiner Firma „Löning Human Rights & Responsible Business“ berät er Unternehmen beim praktischen Umgang mit Flüchtlingen und in anderen menschenrechtlichen Fragen


Die derzeitige Flüchtlingssituation ist eine große Herausforderung für Verwaltung und Gesellschaft. Es gibt zwei Optionen damit umzugehen.

Entweder beschwören wir die Gefahren und Schwierigkeiten. Dann müssen wir uns nicht wundern, wenn Angstmacher und Populisten zuerst die Stammtische übernehmen und dann die Politik bestimmen.

Oder wir setzen auf Mut und Zuversicht. Warum sollen ausgerechnet wir Deutschen mit unserem Wohlstand, unseren technologischen Fähigkeiten, mit starken Unternehmen, einer boomenden Wirtschaft und einer weitgehend funktionierenden Verwaltung nicht in der Lage sein, diese Herausforderung zu bewältigen? Eben. Wir können das.

Drohende Lücke auf dem Arbeitsmarkt

In dieser Situation können Unternehmen zwei Dinge zeigen: dass Sie strategisch denken und dass sie gesellschaftliche Verantwortung ernst meinen. Nur mit vielen zusätzlichen Arbeitnehmern werden wir unsere Wirtschaftskraft und unsere Sozialsysteme aufrechterhalten können. Die Zahl der Menschen, die in Rente gehen übersteigt die Zahl derjenigen bei weitem, die auf dem Arbeitsmarkt dazu kommen. Ab 2020 wird das eine rasante Entwicklung sein. Das gibt den Unternehmen fünf Jahre Zeit, Nachwuchs auszubilden und zumindest einen Teil der Lücken zu schließen.

Wann, wenn nicht jetzt, können Unternehmen zeigen, dass all die Bekenntnisse zur gesellschaftlichen Verantwortung wirklich ernst gemeint sind? In der Krise zeigt sich der Wert solcher Aussagen. Jetzt ist der Moment einen echten Beitrag zu leisten.

Mittel Nummer Eins: Hilfe für die Helfer

Die vielen privaten Flüchtlingsinitiativen brauchen Unterstützung. Es liegt eine große Kraft unseres Landes darin, dass so viele Menschen den Ankommenden helfen: private Initiativen, Wohlfahrtsorganisationen, Kirchengemeinden und Unternehmen.

Unternehmen können lokale Initiativen auf verschiedenste Arten sinnvoll unterstützen. Der erste Schritt sollte dabei immer das Gespräch sein, denn die Anforderungen sind sehr unterschiedlich. Um Mittel effizient einzusetzen, sollten sie auf die Bedürfnisse zugeschnitten werden.

Nicht alle, aber viele Initiativen brauchen finanzielle Unterstützung. Das ist für Unternehmen die „einfachste“ Art der Hilfe, denn sie ist mit wenig Verwaltungsaufwand verbunden. Je nach Lage kann eine größere Einmalzahlung sinnvoll sein, manchmal hilft die Zusage regelmäßiger Zahlungen über einen gewissen Zeitraum besser.

Die teilweise Freistellung von Mitarbeitern ist eine weitere Unterstützungsmöglichkeit. Gerade in den ehrenamtlichen Initiativen arbeiten viele Menschen jenseits ihrer Belastungsgrenzen. Es fehlt oft an freiwilligen, qualifizierten Helfern, die über einen gewissen Zeitraum mit anpacken.

Und schließlich können Unternehmen mit Sachspenden einen Beitrag leisten. Verfügt Ihre Firma über Ressourcen, die momentan nicht völlig ausgelastet sind? Flüchtlingsinitiativen in Ihrer Nachbarschaft freuen sich sicherlich über Ihre Unterstützung. Fragen Sie am besten direkt nach, was benötigt wird und was Sie beisteuern können.