MarkenmomentWarum Rabenhorst jetzt Smoothies mixt

Der Rotbäckchen-Klassiker
Der Rotbäckchen-KlassikerPR

Rotbäckchen ist Rotbäckchen und soll es auch bleiben. Das Mädchengesicht mit den rosigen Wangen gehört zum berühmten Fruchtsaft wie das ähnlich geartete Jungengesicht zum Brandt-Zwieback. „Wenn man so eine Ikone hat, ändert man sie nicht ohne Not“, sagt Klaus-Jürgen Philipp. Der Rabenhorst-Geschäftsführer hat es immer abgelehnt, andere Saftsorten mit dem Bäckchenmädchen zu schmücken – auch nicht mit Basecap anstelle des Kopftuchs, wie es manchen im Unternehmen vorschwebte.

Dennoch hat der rheinische Familienbetrieb sein Image über die Jahre immer wieder verjüngt, indem er Dutzende neuer Fruchtkombinationen einführte. In diesem Herbst geht er nun völlig neue Wege: Erstmals bringt Rabenhorst Smoothies auf den Markt, im handlichen To-go-Format und mit klarem Glaston anstelle der gewohnten bräunlichen Apothekerfarbe. Die Flasche ziert nur ein schlichter Namenszug.

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Sechs Saftmischungen in ebenso vielen Farbtönen gehören zum Sortiment, darunter „Antiox“ in Grün mit Weizengras und Spinat oder „Schönheit“ in Rosa aus Drachenfrucht und Banane. „Man wird davon nicht gleich Popeye oder Miss World“, scherzt Klaus-Jürgen Philipp. Mit den Smoothies will er ein jüngeres Publikum ansprechen, das an den gekühlten Mixturen das „Mundgefühl“ schätzt. Angepeilt wird eine Generation, der Rotbäckchen nicht im kindlichen Gedächtnis verhaftet ist und der gesundheitsfördernde Vitalsäfte fremd sind.

Denn die Sonntagsrituale des Familienfrühstücks ändern sich. Zwar sind die Deutschen mit 33 Litern im Jahr Weltmeister im Saftkonsum. „Es waren aber schon 40“, sagt Philipp. „Wir haben keinen Markt mit Rückenwind, deshalb muss man die eigene Attraktivität neu herausarbeiten.“

Das hat das Unternehmen wiederholt getan. Vom ursprünglich verkauften Wein kam man zum Saft, als zu Zeiten der industriellen Revolution ein Rabenhorst-Spross der dritten Firmengeneration Arbeiter sah, die nur Alkohol und verseuchtes Wasser tranken. Forthin pasteurisierte man unvergorenen Traubenmost und füllte ihn als gesündere Alternative ab. Der „alkoholfreie Medizinalwein“ fand mit der Reformhausbewegung regen Absatz. Auch der eisenhaltige Rotbäckchensaft präsentierte sich nach dem Zweiten Weltkrieg als gesundheitsfördernd – zunächst für mangelernährte, blasse Kinder, später für werdende Mütter, schließlich für die ganze Familie.

Erst 2016 heimste das Unternehmen einen Preis für seine erfolgreiche „Markendehnung“ ein. Weniger angetan zeigte sich der Verbraucherzentrale Bundesverband, der Rabenhorst per Unterlassungsklage davon abbringen wollte, einen Saft mit dem Werbewort „Lernstark“ als konzentrationsfördernd anzupreisen – und damit vor dem Bundesgerichtshof scheiterte. Vorsorglich lässt Philipp trotzdem einen Lebensmittelrechtler alle gesundheitsbezogene Werbung prüfen – auch bei den neuen Smoothies.


Unternehmen: Den Grundstein des Hauses Rabenhorst legte 1805 der Pfarrer Johann-Heinrich Lauffs mit der Gründung eines Weinguts in Oberwinter, nur wenige Kilometer entfernt vom heutigen Firmensitz Unkel. Der Mittelständler beschäftigt 140 Mitarbeiter und setzte mit seinen Fruchtsäften zuletzt 140 Mio. Euro um, seit einigen Jahren auch in neun Ländern Asiens.


„Markenmoment“ erscheint jeden Monat in Capital. Weitere Folgen: Wie Tabac junge Bartträger erreichen will, Warum Schöffel auf Großstädter setztWarum Edding jetzt auch Nagellack verkauftWarum es Em-Eukal-Bonbons auch zum Kauen gibt, Warum Steinway-Flügel jetzt auch alleine spielen, Warum Birkenstock Betten verkauft, Warum Freenet ins Digital-TV einsteigt, Warum Warsteiner auf alkoholfrei setzt und Warum die Schwalbe als E-Roller zurückkommt

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