MarkenmomentWarum Händlmaier jetzt auf Salatdressings setzt

Süßer Senf zu Weißwürsten, dafür ist Händlmaier bekannt
Süßer Senf zu Weißwürsten, dafür ist Händlmaier bekanntdpa

Einen wichtigen Menschen haben die neuen Soßen von Händlmaier bisher nicht überzeugt: die Mutter von Firmenchef Franz Wunderlich, von der er in den 90er-Jahren die Geschäftsführung übernahm. Lange hatte das Regensburger Familienunternehmen ausschließlich den süßen Senf verkauft, ohne den nicht nur in Bayern kaum eine Weißwurst gegessen wird. Doch seit Wunderlich das Sagen hat, hat er die Produktpalette ausgebaut. Inzwischen setzt er voll auf ein zweites Standbein: Feinkostsoßen und Salatdressings.

Süßer Senf werde immer der Kern von Händlmaier bleiben, sagt Eigentümer Wunderlich. Doch das Potenzial ist mittlerweile begrenzt, die Umsätze stagnieren. Händlmaier kontrolliert bereits gewaltige 80 Prozent des Marktes in Deutschland. Aber außerhalb des Alpenraums spielt süßer Senf so gut wie keine Rolle. Wunderlich rechnet zudem damit, dass der Konsum von Weißwürsten und Leberkäse tendenziell sinken wird. Daher will er seine Firma breiter aufstellen: „Irgendwann kann man sonst auch sterben, wenn man nur an der Tradition festhält.“

Die neue Capital
Die neue Capital

Bereits vor einigen Jahren hat Händlmaier andere Soßen ins Programm genommen: zunächst Senf-, später Aioli- und Barbecue-Soßen. Man sei in das Thema „reingewachsen“, sagt Wunderlich. Der große Schritt folgte 2017, als Wunderlich den kleinen Hersteller Hot Danas übernahm. Zu dessen Spezialsoßen gehören die afrikanische Barbecuemarke Mama Zula’s und die extrascharfe Grillsoße Painmaker, die in Schnapsflaschen verkauft wird.

Wunderlichs wichtigstes neues Produkt aber ist ein kalorienarmes Salatdressing, das im vergangenen Jahr unter der Submarke Mr. Lowcarb auf den Markt kam. Inzwischen ist es mit einem siebenstelligen Umsatz bereits der zweitstärkste Einzelartikel im Händlmaier-Sortiment – direkt nach dem süßen Senf.

Bei den Soßen und Dressings gebe es ein „riesiges Potenzial“, sagt der Firmenchef – nicht zuletzt dank des Grilltrends, der von der Debatte um den Fleischkonsum bisher unberührt ist. Aktuell machen die neuen Produkte etwa 15 Prozent des Gesamtumsatzes von rund 35 Mio. Euro aus. Innerhalb von fünf Jahren, sagt Wunderlich, könne das zweite Standbein beim Umsatz mindestens so stark sein wie das erste. Die Soßen lassen sich anders als der süße Senf auch im Ausland verkaufen.

Wachstumsbremsend wirkt sich derzeit noch aus, dass Händlmaier bei der Produktion nicht mit der großen Nachfrage mithalten kann. „Wir haben seit Monaten Lieferengpässe“, sagt Wunderlich. Allein dieses Jahr hätte Händlmaier zehn bis 15 Prozent mehr Umsatz mit Soßen schaffen können, schätzt er. Deshalb hat der Firmenchef in Regensburg ein neues Fabrikgebäude bauen lassen, insgesamt will er die Produktionskapazität für Soßen verzehnfachen. Spätestens in fünf Jahren soll Händlmaier so viel Soßen und Dressings herstellen wie süßen Senf. Vielleicht überzeugen diese Zahlen dann auch Franz Wunderlichs Mutter.

Unternehmen

Die Händlmaier-Geschichte beginnt im Jahr 1914, als die Regensburger Metzgerin Johanna Händlmaier ihren süßen Senf entwickelt. 1964 wird die Familienfleischerei verkauft, um sich ganz auf Senf zu konzentrieren. Heute führt Franz Wunderlich die Firma mit 110 Mitarbeitern in vierter Generation. Der Umsatz betrug zuletzt etwa 35 Mio. Euro.

 


Der Beitrag ist in der Capital 10/2019 erschienen. Die Serie Markenmoment erscheint jeden Monat in Capital. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay