EnergiepreiseWarum erneuerbare Energien immer günstiger werden

Ein wichtiger Faktor für den Preis von Energie aus Solar ist der Preis der Solarmodule. imago images / photothek

Noch 2009 war Solarstrom die teuerste Energieform – sie kostete mehr als drei Mal so viel wie Kohlestrom. Zehn Jahre später ist Strom aus Sonnenenergie die günstigste Energieform. Wie kam es zu dieser außergewöhnlichen Preisentwicklung? Das hat Max Roser für eine Studie auf der Plattform „Our world in data“ untersucht. Das Ergebnis: Erneuerbare Energien folgen einer Lernkurve – anders als andere Energieformen wie Kohle und Atomkraft.

Diese Lernkurve hat für einen regelrechten Preisverfall bei Solarstrom gesorgt. Ein wichtiger Faktor für den Preis von Sonnenenergie ist der Preis der Solarmodule. Zu Beginn wurden die Module nur im High-Tech-Bereich verwendet und beispielsweise in Satelliten verbaut. Kein Wunder: Massentauglich waren die Module mit einem Preis von über einer halben Million US-Dollar 1956 noch nicht.

Preis der Technologie entscheidend

Doch der Preis für die Module sank stetig, je mehr Module produziert wurden. Das setzte einen Kreislauf in Gang: Je günstiger die Module wurden, desto stärker stieg die Nachfrage. Wegen der stetig steigenden Nachfrage wurden immer mehr Module produziert, wodurch wiederum die Preise zurückgingen. Mit jeder Verdopplung der installierten Kapazität sank der Preis der Solarmodule um mehr als ein Fünftel – was schließlich seit 1976 zu einer Preisreduktion um mehr 99,6 Prozent führte. Das ist entscheidend, denn der bestimmende Faktor für den Preis erneuerbarer Energien ist der Preis der Technologie.

 

Quelle: Max Roser

Doch nicht nur der Preis der Solarmodule folgt einer Lernkurve, wie die „Our world in data“-Studie zeigt: Gleiches gilt für den Preis für Solarenergie selbst. Mit jeder Verdopplung der installierten Kapazität sinkt der Preis um ganze 36 Prozent. Und diese Lernkurve trifft nicht nur auf die Solar-, sondern auch auf die Windenergie zu. Hier sinkt der Preis pro Verdopplung der Kapazität um 23 Prozent bei Onshore-Windkraft, für Offshore-Anlagen immerhin um zehn Prozent. Zwischen 2009 und 2019 sank der Preis von Solarstrom um ganze 89 Prozent – der von Strom aus Onshore-Windkraft um 70 Prozent.

Trotzdem dominieren fossile Energieträger noch immer die Stromversorgung. Wie „Our world in data“ unter Berufung auf den Bericht BP Statistical Review of World Energy & Ember aus dem Jahr 2020 feststellt, machte Kohlestrom 2019 mit rund 37 Prozent den größten Anteil an der weltweiten Stromproduktion aus. Gas kommt demnach auf rund 24 Prozent, Atomstrom auf zehn Prozent. Erneuerbare Energieformen sind weit abgeschlagen: Strom aus Wind kommt auf etwas mehr als fünf Prozent, Solarenergie gerade einmal auf 2,7 Prozent – und das obwohl der Preis rapide gefallen ist.

Keine Lernkurve bei fossilen Brennstoffen

Ein Preisverfall, der einer Lernkurve folgt, lässt sich nur bei erneuerbaren Energien beobachten – nicht bei fossilen Brennstoffen. Der Grund, den die Studie dafür nennt, ist einfach: Sonne und Wind sind kostenlos – Kohle und Gas nicht. Der bestimmende Faktor für den Preis fossiler Brennstoffe ist aber der Brennstoff selbst – dieser Faktor fällt bei erneuerbaren Energien weg. Kohlestrom war zwar schon immer vergleichsweise günstig, doch der Preis sinkt kaum, gerade einmal um zwei Prozent zwischen 2009 und 2019. Das liegt der Studie zufolge auch daran, dass Kraftwerke kaum Spielraum haben, um ihre Effizienz in einem Ausmaß zu steigern, wie das bei Solarpanelen möglich ist.

 

Quelle: Max Roser

Der Preis für Strom aus Gas ist zwar zwischen 2009 und 2019 um 32 Prozent gesunken, weil der Rohstoff Gas selbst günstiger geworden ist, der Preis folgt aber keiner Lernkurve. Atomstrom ist derweil sogar teurer geworden: Zwischen 2009 und 2019 ist der Preis um ganze 26 Prozent gestiegen. Der Grund: Anders als Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien produzieren, werden nur wenige neue Atomkraftwerke gebaut. Dadurch ist der Bau weniger standardisiert, was für höhere Kosten sorgt. Die Studie stellt aber auch fest: Würden deutlich mehr Kraftwerke gebaut, würde der Preis auch hier wieder sinken – jedoch noch immer keiner Lernkurve folgen.

Vorteil für die Energiewende

Was bedeutet dieser Vorteil der erneuerbaren Energien? Der Studie zufolge könnte die Preisstruktur ein Argument für weitreichende staatliche Investitionen in erneuerbare Energien sein. Denn: Je mehr Kapazität aufgebaut wird, desto stärker sinkt der Preis. Das ist der Studie zufolge auch ein wichtiger Faktor mit Blick auf die Energiewende. Denn damit erneuerbare Energien attraktiver werden und flächendeckend genutzt werden, müssen sie günstiger sein als Energien aus fossilen Brennstoffen.

Die Studie nennt weitere Vorteile der erneuerbaren Energien: Die größte Energie-Nachfrage der kommenden Jahre komme aus Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen aus Afrika und Asien. Je günstiger erneuerbare Energien sind, desto attraktiver sind sie für diese Länder. Und ein weiter sinkender Preis würde der Studie zufolge weitere Vorteile mit sich bringen: Je weniger die Menschen für Strom bezahlen müssen, desto mehr Geld haben sie zur Verfügung – was zum Wirtschaftswachstum beitragen dürfte.

 


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