KolumneV“ wie Victory – Der Aufschwung kommt!

Container-Umschlag im Hamburger Hafen: Der Außenhandel erholt sich langsamimago images / Markus Tischler

„Corona“, dieses neue Virus, das zunächst in der chinesischen Metropole Wuhan auftauchte, hielt die Welt das ganze Jahr 2020 über in Atem. Insofern ist es fast müßig, die wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr den von uns im November 2019 aufgestellten Prognosen gegenüberzustellen. So wird die globale Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um mehr als vier Prozent gegenüber 2019 sinken. Dass das Minus nicht noch größer ausfällt, ist allein China zu verdanken, der einzigen „großen“ Volkswirtschaft, die dieses Jahr (mit einem erwarteten Plus von 2,2 Prozent) wachsen wird. Die USA
(-3,5 Prozent), Deutschland (-5,1 Prozent) sowie die gesamte Eurozone (-7,5 Prozent) wurden hingegen schwer von den beschlossenen wirtschaftlichen Einschränkungen getroffen, ebenso wie fast alle Schwellenländer. Ein starker Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie der Verschuldung – sowohl bei Staaten als auch bei Unternehmen – sind nur zwei von vielen Indikatoren, die das Ausmaß der wirtschaftlichen Krise des Jahres 2020 verdeutlichen.

Dennoch: Besserung ist in Sicht! So wurden schon in diesem Jahr zwei Impfstoffe in den USA und einer in Europa zugelassen, die dann nach und nach produziert, verteilt und verabreicht werden. Eine Reihe von Unternehmen haben mit ihren Forschungsergebnissen große und ungewöhnlich schnelle Fortschritte erzielt und stehen ebenfalls in den Startlöchern, sodass eine großflächige medizinische Versorgung mit Impfstoffen im Laufe des kommenden Jahres möglich ist. 2021 wird von daher ein Jahr des konjunkturellen Aufschwungs, der zudem sehr kräftig ausfallen wird. Wir erwarten ein Wachstum der Weltwirtschaft von 5,8 Prozent.

Doch bevor sich die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten vom Corona-Schock erholen wird, gibt es noch einige Hürden zu überwinden. So sind die Neuinfektionen im Laufe des Herbst und des beginnenden Winters auf der Nordhalbkugel zuletzt stark angestiegen. Dies hat dazu geführt, dass sowohl in Europa als auch in den USA neue Kontaktbeschränkungen erlassen wurden, die sich in den kommenden Monaten negativ auf die wirtschaftliche Entwicklung auswirken werden. Von daher wird die konjunkturelle Dynamik in den Industrieländern im vierten Quartal 2020 und auch zu Beginn des Jahres 2021 recht verhalten ausfallen. Doch mit dem Beginn des Frühlings und den dann vermutlich in größeren Mengen zur Verfügung stehenden Impfstoffen sollte sich das Blatt zum Besseren wenden und eine konjunkturelle Boomphase beginnen.

2021 wird damit zum Jahr des „V“ werden: 1. Ein dynamischer und sich selbst verstärkender wirtschaftlicher Aufschwung, in dem der wirtschaftliche Schaden, der 2020 angerichtet wurde, in den meisten Ländern komplett oder zumindest nahezu aufgeholt wird und der somit tatsächlich „V“-förmig verläuft. 2. Ausgelöst wird dieser durch „v“iel geld- und fiskalpolitischen Rückenwind, der 2021 anhalten wird. 3. Unterstützt wird er durch mehrere Impfstoff („V“accines), die hoffentlich dazu beitragen, das Coronavirus zu besiegen („V“ictory!).

Im nächsten Jahr wird es zu einem synchron verlaufenden Aufschwung in den Industrie- und Schwellenländern kommen. Letztere wurden mit Ausnahme Chinas 2020 wirtschaftlich besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dies lag unter anderem daran, dass es Länder wie Indien, Südafrika, Mexiko und Brasilien lange Zeit nicht geschafft haben, die Ausbreitung von Covid-19 wirkungsvoll zu unterbinden. Indien verzeichnete beispielsweise im zweiten Quartal 2020 einen auf das Gesamtjahr hochgerechneten Rückgang der realen Wirtschaftstätigkeit von 75 Prozent. Mittlerweile hat sich allerdings das Infektionsgeschehen in fast allen Schwellenländern beruhigt, sodass wirtschaftliche Beschränkungen gelockert bzw. aufgehoben werden konnten. Dies spiegelt sich bereits jetzt in einer deutlichen Erholung vieler Wirtschaftsdaten wider.

Dynamik in Fernost

Vor allem in Asien befinden sich die wichtigsten makroökonomischen Kennzahlen mittlerweile wieder über dem Vor-Corona-Niveau und auch über dem Niveau des Vorjahres. Länder wie Vietnam oder Taiwan werden 2020 leicht wachsen. Dies liegt daran, dass es den meisten asiatischen Ländern sehr erfolgreich gelungen ist, die Pandemie einzugrenzen. Hinzu kommen die anhaltend hohe Güternachfrage aus den westlichen Industrieländern sowie die räumliche Nähe zu China, dessen schnelle wirtschaftliche Erholung sich positiv auf die asiatischen Handelspartner ausgewirkt hat. In Osteuropa und Lateinamerika verläuft der wirtschaftliche Aufholprozess dagegen langsamer.

China ist auch im nächsten Jahr ein Garant für eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Mit täglichen Neuinfektionen von zuletzt etwa 50 Personen hat sich das wirtschaftliche Leben in den letzten Monaten fast vollständig normalisiert. Es ist fast eine Ironie des Schicksals, dass China damit gestärkt aus der Coronakrise hervorgeht und den wirtschaftlichen Abstand zu den USA schneller verkürzt hat als es sonst der Fall gewesen wäre. Die chinesische Industrieproduktion ist seit dem Sommer stark gewachsen und damit zum Motor der Konjunkturerholung geworden. Die positive Entwicklung der Einkaufsmanagerindizes zeigt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Hinzu kommt, dass die heimische Nachfrage noch Nachholpotenzial hat. So liegen die Einzelhandelsumsätze nur um fünf Prozent über dem Vorjahresniveau, während es vor der Krise gut acht Prozent waren. Von daher rechnen wir für 2021 mit einem Wirtschaftswachstum von 9,5 Prozent (IWF: 8,2 Prozent).

Dies sind gute Nachrichten für die chinesischen Handelspartner, allen voran für die aufstrebenden Wachstumsmärkte in Südostasien. Chinas wirtschaftliche Dominanz in Asien wird unterstrichen durch das neue Freihandelsabkommen RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership), dem neben China 14 weitere Länder angehören und das wirtschaftlich bedeutender ist als die Europäische Union oder die nordamerikanische Freihandelszone USMCA, da rund 30 Prozent des globalen Handels hiervon betroffen sind. Für alle Mitgliedsländer sind vom Außenhandel vom kommenden Jahr an zusätzliche Wachstumsimpulse zu erwarten, sodass Asien 2021 die am stärksten wachsende Wirtschaftsregion wird.