SupermächteUSA vs. China – der Super-Konflikt

Chinas Staatschef Xi Jinping (l.) und US-Präsident Donald Trump sind auf einem Graffitto des Straßenkünstlers Eme Freethinker küssend und mit Mundschutz zu sehen
Chinas Staatschef Xi Jinping (l.) und US-Präsident Donald Trump sind auf einem Graffitto des Straßenkünstlers Eme Freethinker küssend und mit Mundschutz zu sehenimago images / Bildgehege

Jörg Wuttke kennt China seit den frühen 1980er-Jahren. Der Präsident der europäischen Handelskammer in Peking, hat miterlebt, wie sich das Riesenreich langsam transformiert und dem Westen geöffnet hat – eine Erfahrung, die ihn geprägt hat. Wuttke hat das Verhältnis zwischen China und den USA noch nie so schlecht erlebt wie heute: „Die Probleme zwischen den USA und China haben schon vor Corona angefangen“, sagt er. „Peking habe das Entgegenkommen der amerikanischen Regierung unter Obama nie wertgeschätzt. Seit Trump rächt sich das.“

Die Corona-Krise katalysiert viele der Spannungen, die sich in den letzten Jahren abgezeichnet haben. Der Konflikt, der lange schwelte, bricht nun offen hervor.

Rhetorisch ist der Krieg längst im Gange: „Wolfskrieger“, so heißt eine junge, wilde chinesische Diplomaten-Generation, die dabei vorprescht und oft über das Ziel hinausschießt. Der Name leitet sich von einem chinesischen Actionfilm ab, in dem eine Elite-Einheit gegen Drogenbosse kämpft. Als Star unter ihnen gilt Zhao Lijian, der aus dem Außenministerium Anfang März die Botschaft verbreitete, die US-Armee habe das Coronavirus im Oktober nach China eingeschleppt. Der chinesische Botschafter in Australien drohte dem Land jüngst mit einem Konsumentenboykott, sollte Canberra wie die USA darauf bestehen, den Ursprung des Virus in Wuhan von unabhängiger Seite untersuchen zu lassen.

Rhetorische Gefechte

Die Methoden, um die Botschaft der Kommunistischen Partei global zu verbreiten, werden dabei immer ausgefeilter: Nicht nur, dass die „Wolf Warriors“ das in China gesperrte Medium Twitter nutzen, kürzlich publizierte die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua auch ein nicht unwitziges Video mit Lego-Figuren, um die miserable Politik von US-Präsident Donald Trump während der Corona-Krise vorzuführen.

Der Präsident und sein Außenminister Mike Pompeo wiederum werden nicht müde, China zu beschuldigen, das Virus in die Welt gesetzt zu haben. Zwar sind sich die meisten Fachleute und Geheimdienst-Berichte einig: Das Virus wurde nicht künstlich hergestellt und die Wahrscheinlichkeit, dass es versehentlich aus dem nahegelegenen Labor entwischte, ist gering. Trotzdem soll Peking zahlen.

Am rechten Rand in Washington halten es manche deswegen sogar für eine Option, amerikanische Schulden an China einfach nicht mehr zurückzuzahlen. Peking ist mit US-Staatsanleihen in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar der größte Gläubiger der USA. Ein solcher Schritt würde den USA zwar kurzfristig Geld sparen und ein Loch in die chinesische Bilanz reißen, langfristig aber die Bonität des Landes massiv verschlechtern.

Max Zenglein vom Mercator Institut für China-Studien (Merics) in Berlin hält das für völlig abwegig: „Eine Nichtrückzahlung der amerikanischen Schulden ist eine extrem populistische und nahezu dumme Idee. Die US-Treasuries sind ein standardisiertes Finanzprodukt. Sie beziehen ihren Wert vor allem aus der Tatsache, dass die amerikanische Regierung als der sicherste Schuldner der Welt gilt.“