MarkenmomentWarum Freenet ins Digital‑TV einsteigt

Waipu.tv
Waipu.tv: Freenet verspricht ein ganz neues Fernseherlebnis

Wenn Christoph Vilanek erklärt, wie er das Fernsehen neu erfinden will, nimmt er einen Stift und zeichnet: ein Haus, einen Netzknotenpunkt, von dem eine gepunktete Linie nach links zu den Buchstaben „WWW“ führt. Rechts daneben malt der Freenet-Chef einen Kreis, der durch den Knotenpunkt verläuft, und schreibt dazu: „TV“ und „Waipu“.

Der Kreis ist der Clou an Freenets neuem Produkt Waipu.tv: ein eigenes Glasfasernetz, mit dem der Mobilfunkanbieter seit Oktober Fernsehen in HD-Qualität auf TV-Geräte, Smartphones und Tablets bringt. An den Engpässen des Internets vorbei kann Freenet mit dem 12.000 Kilometer langen Netz einen Bypass zu 23 Millionen Haushalten legen. Ein „ganz neues Fernseherlebnis“ hat Vilanek versprochen.

Freenet drängt ins Internetfernsehen

Capital 02/2017
Die aktuelle Capital

 Gesteuert wird Waipu.tv über eine App, mit der man von Programm zu Programm wischt. In der Bezahlversion können die Nutzer auch Filme oder Fußballspiele aufnehmen, auf ihrer persönlichen Festplatte im Rechenzentrum von Waipu.tv speichern und jederzeit auf ihrem Fernseher oder – mit der Zusatzoption – dem Smartphone abrufen.

Bis zum Start von Waipu.tv hat Freenet nichts mit dem TV-Geschäft zu tun gehabt. Nun drängt der börsennotierte Konzern in den boomenden Markt für Internetfernsehen, in dem sich schon andere tummeln: die Telekom, die Kabelnetzbetreiber, Amazon, Netflix. Für Freenet soll das TV-Geschäft zu einem neuen Standbein werden – und das Wachstum liefern, das der gesättigte Mobilfunkmarkt nicht mehr hergibt. Dafür hat Vilanek für 400 Mio. Euro den Übertragungsdienstleister Media Broadcast gekauft und ist mit zunächst 25 Prozent bei der Exaring AG eingestiegen. Der Münchner Firma gehört das unbekannte Glasfasernetz.

Bislang hat Vilanek die Marketingmaschine für Waipu.tv, in das Freenet 50 Mio. Euro investiert, noch nicht richtig angeworfen. Aber das Feedback der Kunden sei gut, sagt er. In den ersten Monaten sei es vor allem darum gegangen, etwas über die Nutzer und ihre Fernsehgewohnheiten zu lernen. So hat Vilanek erfahren, dass die User viel aufzeichnen, und zwar Frauen mehr als Männer. Zudem wollen einige trotz App weiter eine Fernbedienung zum Zappen.

Hackerattacke auf Waipu.tv

Bis zum Start der Kampagne im Frühjahr soll es dafür eine Lösung geben – ebenso für das Problem, dass Pro Sieben für sein Programm die Aufnahmefunktion blockiert, weil es bei US-Filmrechten Schwierigkeiten gibt. Am Jahresende, hört man in der Branche, will Freenet bei der Nutzerzahl deutlich sechsstellig sein. Derzeit gebe es 10.000 Kunden, die den Dienst regelmäßig nutzen und zahlen. Gut 50.000 sind registriert.

Dass Freenet mit den Plänen für Aufmerksamkeit sorgt, macht Vilanek an zwei Dingen fest: Nach dem Start gab es einen Hackerangriff – obwohl Experten dachten, dass Waipu.tv zu klein für Kriminelle sei. Zudem meldeten sich bei Vilanek Kabelnetzbetreiber und Konkurrenten: „Alle haben mich zu Gesprächen eingeladen.“


Unternehmen: Die Freenet-Gruppe mit Sitz in Büdelsdorf bei Kiel ist 2007 aus dem Internetserviceprovider freenet.de und dem 1991 gegründeten Mobilfunkprovider Mobilcom hervorgegangen. Der Konzern ist mit zwölf Millionen Kunden Deutschlands größter Mobilfunkserviceanbieter ohne eigenes Netz. Freenet machte 2015 einen Umsatz von 3,1 Mrd. Euro.


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