KolumneUBS und Deutsche Bank vereint in Ratlosigkeit

Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer
Capital-Kolumnist Bernd ZiesemerMartin Kress

Was wäre, wenn Axel Weber 2012 Chef der Deutschen Bank geworden wäre? Der Vorschlag lag damals auf dem Tisch. Aber der Präsident der Deutschen Bundesbank ging lieber in die Schweiz und rückte an die Spitze des Verwaltungsrats der UBS. Thema eigentlich erledigt. Aber trotzdem lieben Frankfurter Banker bis heute das Was-Wäre-Wenn-Spiel – schließlich führte Weber die UBS seit 2012 mit eiserner Hand, während die Deutsche Bank in der gleichen Zeit mit drei verschiedenen Chefs ein Bild des organisierten Jammers abgab.

Man muss Weber zugutehalten, dass er vieles schneller und konsequenter erledigt hat als die bisherigen Chefs der Deutschen Bank – vor allem den notwendigen Abbau des internationalen Investment-Bankings. Auch musste die UBS bei weitem nicht so viele Verlustjahre und Kapitalerhöhungen verkraften wie die Deutsche Bank. Doch nimmt man den Aktienkurs als letztlich entscheidenden Indikator für den Erfolg eines Unternehmens, dann besteht auch bei der UBS kein Grund zum Jubeln: Die Papiere der Großbank dümpeln seit Jahren dahin und liegen heute wieder dort, wo sie beim Amtsantritt Webers auch bereits lagen. Vor der Finanzkrise waren die Papier 70 Franken wert, heute noch 12. Kein Zweifel: das ist eine bessere Bilanz als bei der Deutschen Bank, die vor der Finanzkrise über 100 Euro auf die Waage brachte und heute nicht einmal 10. Aber so toll ist es nun auch nicht.

UBS Group Aktie

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Kursanbieter: L&S RT

UBS und Deutsche Bank galten lange Zeit als die beiden wichtigsten Rivalen in Europa – sowohl im Investment-Banking als auch in der Vermögensverwaltung. Heute vereint sie vor allem eine gewisse Ratlosigkeit, wie die jüngsten Meldungen aus Zürich zeigen. Weber holt den bisherigen Chef des holländischen ING-Konzerns, Ralph Hamers, an die Spitze des operativen Geschäfts bei der UBS. Dem erfolgreichen Banker traut man zu, die Kosten des Kreditinstituts brachial zu senken und gleichzeitig auf die Zukunft vorzubereiten. Das Zauberwort dafür heißt Digitalisierung aller Geschäftsprozesse und sämtlicher Kundenkontakte. Die ING ist seit langem ein Meister darin. Allerdings in anderen Geschäftssegmenten als die noble UBS.

Aus eigener Kraft kommen UBS und Deutsche Bank nicht voran

Schön und gut, für die überraschende Personalentscheidung bei der UBS spricht also einiges. Vor allem aber offenbart Weber damit das gleiche wie Christian Sewing bei der Deutschen Bank: Aus eigener Kraft kommen die Schweizer bei der Digitalisierung ihrer gesamten Geschäftsprozesse nicht schnell genug voran. Sewing holte deshalb einen SAP-Mann in den Vorstand, Weber holt Hamers. Die Vermögensverwaltung – das entscheidende Standbein der UBS – steht in einem immer härteren Wettbewerb. Vor allem im Massengeschäft mit den vielen wohlhabenden, aber durchaus nicht superreichen Klienten. Anders als viele denken, lässt sich allein mit der Betreuung von Milliardären nicht genügend Geld verdienen, weil diese Kunden wissen, wie man Gebühren drückt, und jederzeit zu einer anderen Bank gehen können.

Geld verdient man im mittleren und oberen Segment – aber genau auf diese Klientel zielen nicht nur zahlreiche andere Banken, sondern auch die neuen Fintechs. Sie locken vor allem junge Kunden mit dem Angebot einer Vermögensverwaltung auf dem Handy, automatisierten Anlagetipps und schneller Übersicht über Konten und Finanzen. Und sie marschieren damit immer weiter voran.

Wenn sich Weber im Jahr 2020 darauf besinnt, die Digitalisierung jetzt wirklich anzugehen und auf einen Mann zu setzen, der dieses Geschäft wirklich bestens beherrscht, so ist das einerseits also löblich. Andererseits allerdings auch bereits ein wenig spät.

 


Bernd Ziesemer ist Capital-Kolumnist. Der Wirtschaftsjournalist war von 2002 bis 2010 Chefredakteur des Handelsblattes. Anschließend war er bis 2014 Geschäftsführer der Corporate-Publishing-Sparte des Verlags Hoffmann und Campe. Ziesemers Kolumne erscheint jeden Montag auf Capital.de. Hier können Sie ihm auf Twitter folgen.