US-PräsidentTrumps Corona-Debakel

US-Präsident Trump bei einem Pressebriefing im Weißen Hausimago images / MediaPunch

Donald Trump wähnte sich auf politisch bombensicherem Boden: Die Russland-Affäre und den Mueller-Bericht hatte er überstanden, das Amtsenthebungsersuchen der oppositionellen Demokraten war im Eilverfahren abgeschmettert, die Wirtschaft brummte, der Arbeitsmarkt glänzte. Trump sah sich auf bestem Weg zur sicheren Wiederwahl.

Doch mittlerweile sieht die Lage ganz anders aus: Das Coronavirus könnte sich als eine Herausforderung erweisen, der Trump in keiner Weise gewachsen ist – und in der sich all seine bisherigen Rezepte und Show-Effekte als wirkungslos erweisen.

Der Erreger Sars-CoV-2 schafft Fakten, die sich nicht länger verdrehen lassen. Trump kann die Virus-Krise längst nicht mehr kleinreden. Kein Tweet, keine Mauer kann die Ausbreitung eindämmen. Die Corona-Katastrophe macht vor nichts Halt, sie bedroht Hunderte Millionen US-Amerikaner. Das Virus könnte Trump das Amt kosten.

Wie konnte es so weit kommen? Der fahrlässige Umgang mit der Pandemie-Bedrohung in den USA gilt schon jetzt als Lehrbeispiel für katastrophal schlechtes Krisenmanagement. Nicht alles davon ist Trumps Schuld. Die Bundesstaaten etwa handeln in Gesundheitsfragen üblicherweise weitgehend autonom, die Regierung in Washington ist lediglich für nationale Belange zuständig. Aber wenn das Weiße Haus in einer solchen Krise schweigt, keine Richtung vorgibt, in lebenswichtigen Fragen laviert und ständig mit dem Finger auf andere zeigt, bleibt den Gouverneuren, den Regierungschefs in den 50 Bundesstaaten, nichts anderes übrig als auf eigene Faust zu entscheiden.

Die Folge? Eine landesweit einheitliche Epidemie-Abwehr gibt es bislang nicht. Einige Staaten verhängen strenge Ausgangssperren, andere machen hingegen einfach mal – nichts. Beim Coronavirus hat das tödliche Folgen. Während die Einwohner in einigen Regionen im Lock-down zu Hause verharren, läuft das Leben andernorts nahezu unverändert weiter.

Dabei gibt es längst überall im Land unerkannte Infektionsherde. Seit Wochen warnen Experten im US-Seuchenkontrollzentrum (CDC) vor dem sogenannten Community Spread, also einem regionalen Ansteckungsgeschehen, in dem einzelne Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind. Die Zahl der Infizierten steigt immer weiter an. Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Coronavirus-Fälle nähert sich der Marke von 280.000. Mehr als 7100 Menschen sind bereits im Zusammenhang mit der Atemwegserkrankung Covid-19 gestorben.

Wie viele unentdeckte Todesfälle es in den USA gibt, ist unbekannt: Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen. Der Grund: In den USA werden derzeit in der Regel nur diejenigen Verstorbenen als Corona-Opfer gezählt, die bereits vorher positiv auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet worden waren. Italien dagegen testet Verstorbene im Verdachtsfall auch nachträglich.

Wie schwer das Versagen in der Pandemie-Abwehr unter Trump wiegt, ist gut dokumentiert: Wochenlang mussten verunsicherte US-Amerikaner – mit Symptomen oder ohne – warten, bis endlich ausreichend Coronavirus-Tests zur Verfügung standen, um in größeren Mengen nach Überträgern des Erregers zu suchen.