ManagementWarum die Methode Trump funktioniert

Peter Brandl
Peter Brandl

Peter Brandl ist Kommunikationsprofi, Berufspilot, Unternehmer, Fluglehrer und Autor. Seit über 20 Jahren gehört er zu den gefragtesten Vortragsrednern im deutschsprachigen Raum. Zuletzt erschien im Gabal Verlag sein Buch „Hudson River. Die Kunst schwere Entscheidungen zu treffen“ www.peterbrandl.com 


Die Welt ist schockiert. Donald Trump ist der mächtigste Mann der freien Welt. Was ist nicht alles in diesem Wahlkampf geschrieben worden. Natürlich hat das seinen Grund, weil die USA die Weltpolitik bestimmen. Doch obwohl es dabei um harte Fakten und manchmal hartes Durchgreifen geht, haben sich viele Journalisten, Kolumnisten und Kommentatoren vorwiegend darüber ausgelassen, ob Donald Trump sexistisch oder Hillary Clinton ein Online-Risiko ist. Vielleicht ist es aber an der Zeit, einmal nicht über das „Ob“ im Hintergrund dieser schmutzigen Kampagnen nachzudenken, sondern über das „Warum“.

Es wurde gestritten, als hätten die Welt und die Vereinigten Staaten keine anderen Sorgen als diese. Dabei fragt man sich alle vier Jahre erneut, ob die Kandidaten nicht anders können und wollen. Oder halten die Anwärter die Wähler tatsächlich für so unreflektiert, dass sie gar nicht erst mit Argumenten versuchen? Außerdem fällt auf, dass es eine Art familiäres Kastenwesen in Amerika immer wieder Präsidenten aus den gleichen Familien an die Macht spült. Die „Macht der Gewohnheit“ könnte man das nennen. Natürlich sind die Staaten vielfach puritanisch prüde in ihren Ansichten. Dadurch wächst der moralischen Integrität der Kandidaten große Bedeutung zu – ganz egal, wie sie fachlich und politisch geeignet sind. Trotzdem erschreckt es, dass die öffentliche Diskussion so wenig sachorientiert und so sehr moralfixiert geführt wird.

Wie schön, auf dem hohen Ross zu sitzen

Ein Glück, dass wir nicht so sind? Weit gefehlt: Auch in Deutschland haben moralische Verfehlungen üble Folgen. Denken wir nur an Christian Wulff, der über Rechnungen im Peanuts-Bereich nicht einfach nur gestolpert ist, sondern regelrecht gestürzt wurde. Wenn die Meute einmal Witterung aufgenommen hat, lässt sie nicht los, bis das Opfer in Stücke gerissen ist. Interessant dabei ist immer wieder, wie eindimensional die Sichtweisen werden und für welches Publikum das Spektakel gemacht wird.

Immer wieder aufs Neue werden Nebenkriegsschauplätze aufgemacht, die unser inneres Bedürfnis nach Vereinfachung bedienen. Wenn komplexe Argumentation Anstrengung erzeugt, wird man eben persönlich. Dann diskreditiert man alles, was das Gegenüber sagt, egal wie hoch dessen Wahrheitsgehalt ist. Diesen Trick nutzen aber nicht nur Populisten, sondern auch ihre Gegner. Weil die etablierte Politik die Billig-Konzepte der Schreihälse nicht simpel widerlegen kann, verlegt auch sie sich auf emotional besetzte Seitenwege. Das Ergebnis? Alle Welt erfreut sich am Spektakel, keiner denkt mehr wirklich nach, und irgendwann hält jeder diese Schmutzkampagnen für politische Kultur.

Die spinnen, die Amis?

„Die spinnen doch sowieso, die Amis!“ Ich kenne einige, die so denken und insgeheim glauben, wir seien besser. Doch schauen wir uns einmal bei uns um. Noch Wochen danach ergötzt sich die Republik an der Ehekrise von Sarah und Pietro, die man wirklich nicht kennen muss, während in einer Essener Bank ein 83-jähriger Mann stirbt, weil die Bankbesucher über ihn drübersteigen, statt ihm zu helfen. Ein Mangel an Solidarität und Menschlichkeit in der Gesellschaft, weil jeder zuerst an sich denkt, ist ein wirkliches Problem. Ob Sarah mit ihrem Ex-Freund schnäbelt und wie Pietro das findet, sollte uns herzlich egal sein. Ziemlich sicher haben wir erheblich wichtigere Probleme, aber scheinbar keine, mit denen wir uns konfrontieren wollen.

Entweder brauchen wir Brot und Spiele oder Heile-Welt-Szenarien, um uns zu betäuben. Genau deshalb tun wir auch so wenig dafür, aus dem Mann in der Bank zu lernen. Stattdessen ereifern wir uns über die herzlosen Ignoranten am Geldautomaten, bis wir darin ebenso oberflächlich werden wie diese.

Bloß nicht hinters Licht führen lassen

Doch ist die Welt wirklich so schwierig und düster, dass wir uns vom Boulevardjournalismus das Hirn vernebeln lassen müssen? Müssen wir der Realität wirklich ausweichen, statt uns ihr zu stellen, sie in ihrer Vieldeutigkeit zu verstehen und die Zukunft zu gestalten? Mittlerweile haben es die Lombardis schon in die Angebote großer Nachrichtenmedien geschafft, die sich eigentlich resistent zeigen sollten. Aber wer die Leser hat, kriegt die Werbeeinnahmen – so einfach ist das. In der Kommunikation ist der Trick schon lange bekannt. Zu den von Cornelia Vacano postulierten „Elf Todsünden der Kommunikation“ gehört als elfte die „Ablenkung“. Wenn das Gespräch unangenehm wird, weichen wir auf oberflächliche und unverfängliche Themen aus.

Das kann unbewusst sein, wenn wir uns unwohl fühlen oder mit Absicht, wenn jemand uns davon abbringen möchte, ihm fundiert auf den Zahn zu fühlen. Und es kann bösartig werden, wenn die Ablenkung auf eine Weise erfolgt, die Aggressionen schürt, indem Sie niedere Instinkte aktiviert. Genau das tun Populisten und führen uns so hinters Licht. Und manchmal machen wir das auch mit uns selbst. Wenn wir eine Wahrheit nicht sehen wollen, stürzen wir uns auf eine andere – nur dass diese meistens eine Scheinwahrheit ist.

Was also tun? Lassen Sie sich nicht blenden und auf Nebenkriegsschauplätze locken. Stellen Sie sich eine ganz einfache Frage: Um was geht es im Kern eigentlich und was ist tatsächlich wichtig? Auch wenn es uns nicht gefällt, wir müssen unseren Herausforderungen ins Gesicht zu sehen und alles tun, sie zu meistern, egal wie anstrengend das scheinen mag. Auf Dauer schenkt es nämlich viel mehr Befriedigung, ein Problem zu lösen – viel mehr als sich mit den Eheproblemen von B-Promis zu betäuben. Denn davon wird nichts besser. Nicht in Ihrem Leben und schon gar nicht in der Welt.

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