Rohstoffknappheit Tesla trotzt der Nickelkrise

Tesla-Emblem im Regen
Tesla-Emblem im Regen
© IMAGO / Michael Gstettenbauer
Auch die E-Auto-Produktion bekommt den Ukraine-Konflikt zu spüren – weil es zunehmend am wichtigen Schwermetall Nickel mangelt. Ein Autohersteller scheint davon jedoch nicht betroffen zu sein: Tesla

Die Versorgung mit Nickel gehört schon länger zu den größeren Sorgen von E-Auto-Herstellern. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat diese Sorgen nun noch weiter verstärkt, da Russland einer der größten Nickelproduzenten der Welt ist. Das Schwermetall ist ein elementarer Bestandteil von Elektroautobatterien. 

Eine Ausnahme gibt es: Im Gegensatz zu den meisten anderen Autoherstellern hat sich Tesla frühzeitig darum gekümmert, eine eigene Nickelversorgung aufzubauen. 2021 hat das Unternehmen mit mehreren Nickellieferanten Lieferverträge abgeschlossen, darunter ein mehrjähriger Vertrag mit dem brasilianischen Bergbaugiganten Vale. Die Vereinbarung, die noch nicht öffentlich gemacht wurde, umfasst Nickel aus Kanada. Vale erklärte, dass man plane, den Absatz auf dem Markt für Elektrofahrzeuge von fünf auf 30 bis 40 Prozent zu steigern. Das Bergbauunternehmen äußerte sich nicht konkret zu seiner Vereinbarung mit Tesla. Tesla reagierte nicht auf Anfragen für einen Kommentar.

„Das ist ein versteckter Wettbewerbsvorteil“

Diese Bemühungen sind Teil des Plans von Tesla-CEO Elon Musk, mithilfe einer vertikalen Integration die Kontrolle über die Lieferkette zu behalten. Gemeinsam mit Panasonic betreibt das Unternehmen bereits ein großes Batteriezellenwerk in der Nähe von Reno, Nevada. Tesla kauft Batterien von anderen Lieferanten, stellt aber auch eigene her. Und das Unternehmen drängt auf Fortschritte bei der Verarbeitung von Rohstoffen und der Herstellung von Batterien bemüht. Der Verarbeitungsweg von der Minde bis zur Kathode müsse verkürzt werden, hieß es bei einer Managementpräsentation im Jahr 2020.

„Was Tesla mit Nickel gemacht hat, ist ein versteckter Wettbewerbsvorteil“, sagt Gene Munster, Managing Partner von Loup Ventures. „Tesla ist den anderen weiterhin ein paar Schritte voraus.“ Musk hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die Nickelversorgung die größte Sorge des Unternehmens ist, während es seine Produktion steigert. Die Verfügbarkeit des Metalls ist in der gesamten Branche ein Problem. Laut BloombergNEF wird erwartet, dass die Nachfrage nach Nickel im Batteriesektor von 400.000 Tonnen in diesem Jahr auf etwa 1,5 Millionen Tonnen im Jahr 2030 ansteigen wird.

Nickelpreis an Metallbörse spielte verrückt

„Bitte bauen Sie mehr Nickel ab“, bat deshalb Musk die Produzenten vor zwei Jahren bei einer Gewinnmitteilung. „Tesla wird Ihnen einen riesigen Vertrag für einen langen Zeitraum geben, wenn Sie Nickel effizient und umweltfreundlich abbauen.“

Die Sanktionen gegen Russland haben diese Dringlichkeit nun erhöht, da das Land etwa 17 Prozent der weltweiten Kapazität für raffiniertes Nickel der Klasse 1 besitzt,  was für Elektrofahrzeuge benötigt wird. Seit dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar ist der Nickelpreis an der Londoner Metallbörse um 30 Prozent gestiegen. Die Preise verdreifachten sich in diesem Zeitraum innerhalb von zwei Tagen aufgrund eines Short Squeeze, obwohl ein Großteil dieses Anstiegs wieder verloren wurde. Der Markt könnte sich wieder beruhigen – wenn es Anzeichen für ein Ende des Krieges gibt.

Abkommen bis nach Neukaledonien

„Der Nickelpreisanstieg und die Auswirkungen der russischen Invasion werden die Batteriehersteller, insbesondere in den USA, wahrscheinlich dazu veranlassen, sich alternative Lieferketten zu sichern“, heißt es in dem Bericht von BloombergNEF.

Die Vereinbarung zwischen Tesla und Vale ist eine von mehreren, die der Automobilhersteller im letzten Jahr abgeschlossen hat. Im Januar verpflichtete sich der Elektroautohersteller, 75.000 Tonnen Nickelkonzentrat aus einem Projekt von Talon Metals zu kaufen, das in Minnesota entwickelt wird. Davor gab es bereits Vereinbarungen mit der BHP Group, dem größten Bergbauunternehmen der Welt, für Material aus Australien.

Tesla hat außerdem mit den Betreibern einer Nickelmine auf der südpazifischen Insel Neukaledonien paktiert. „Den Leuten ist nicht klar, wie weit Tesla bei der Sicherung der Lieferkette für Rohstoffe und einem integrierten Ansatz für Batteriematerialien voraus ist“, sagt Todd Malan, ein Sprecher von Talon Metals.

Nickel ist eine Schlüsselkomponente für die Kathoden von Elektroauto-Batterien. Tesla nutzt nickelbasierte Chemikalien für Fahrzeuge mit größerer Reichweite. Für Fahrzeuge mit geringerer Reichweite verwendet Tesla Eisenphosphat.

Mitarbeit: Yvonne Yue Li

© 2022 Bloomberg L.P.


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