Metallbörse Was Volkswagen mit dem Nickel-Drama zu tun hat

Händler an der Londoner Metallbörse
Händler an der Londoner Metallbörse
© Bloomberg
Nickel war vor kurzem Gegenstand heftiger Preisturbulenzen. Im Zentrum stand dabei ein chinesischer Nickel-Produzent. Weniger bekannt ist, dass Volkswagen ein wichtiger Player auf diesem Markt ist – und an der Spekulation beteiligt war

Es ist drei Wochen her, dass der Nickel-Preis an der Londoner Metallbörse einen beispiellosen 250-prozentigen Anstieg hinlegte und vom Handel ausgesetzt wurde. Der Handel läuft wieder, doch der Markt bleibt gelähmt. Immer neue Facetten tauchen auf. Eine überraschende Wendung betrifft den Autobauer Volkswagen, der ein großer Player im Handel mit dem Erz ist – wegen des Nickelbedarfs für Elektroauto-Batterien.

Im Zentrum der Krise stand bekanntlich der chinesische Nickel- und Stahlproduzent Xiang Guangda und dessen Tsingshan Holding Group. Der in chinesischen Rohstoffkreisen als „Big Shot“ bekannte Tycoon hatte eine riesige Short-Position in LME-Nickel aufgebaut: Seine Wette: Das steigende Angebot seiner eigenen Firma werde die Preise drücken. Als der Nickelpreis nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine stattdessen rapide anstieg, hatte Tsingshan Probleme, Nachschusszahlungen zu leisten, und es kam es zu einem so genannten Short-Squeeze, also hektischen Käufen zur Verlustbegrenzung.

Dabei ist es grundsätzlich nicht ungewöhnlich oder spekulativ, dass Produzenten Derivatkontrakte nutzen, um den Preis ihrer zukünftigen Produktion festzuschreiben. Xiangs Position war allerdings ungewöhnlich groß und entsprach in der Spitze etwa einem Achtel aller ausstehenden LME-Nickelkontrakte.

Wie nun bekannt wurde, war die entgegengesetzte Wette – also auf steigende Nickelpreise – eben VW eingegangen. Und das nicht zu knapp: Nach Angaben einer mit der Angelegenheit vertrauten Person verfügen die Wolfsburger eine der größten Long-Positionen auf dem Markt mit einem Gegenwert von über 100.000 Tonnen. Auch hier ist die grundsätzliche Logik rational: Abnehmer wollen sich gegen steigende Preise schützen, und Nickel ist als Rohstoff für Autobatterien immer stärker gefragt. Die VW-Position erstreckt sich den Informationen zufolge über neun Jahre. Ob der Aufruhr am Nickelmarkt finanzielle Auswirkungen – ob positiv oder negativ – für den Autobauer hat, war zunächst nicht in Erfahrung zu bringen.

Andere große Long-Positionen halten der Rohstoffhändler Glencore, der zeitweise mehr als die Hälfte der Bestände in LME-Lagerhäusern kontrollierte. Und dann sind da noch Hedgefonds, für die Nickel eine Wette auf die Elektro-Auto-Revolution darstellt. Kurz vor dem Beginn des Ukrainekriegs standen die Nickelpositionen von Fonds auf einem Höchststand von etwa 250.000 Tonnen.

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