QuartalszahlenTesla: Rekordgewinne – ohne Autos

E-Autobauer Tesla verzeichnet im ersten Quartal einen Rekordgewinn – mit dem Kerngeschäft haben die Zahlen aber nur bedingt etwas zu tun
E-Autobauer Tesla verzeichnet im ersten Quartal einen Rekordgewinn – mit dem Kerngeschäft haben die Zahlen aber nur bedingt etwas zu tunIMAGO / Xinhua

Es gibt Menschen von denen niemand genau weiß, was sie eigentlich machen, die aber irgendwie immer ziemlich gutes Geld verdienen. Jeder kennt solche Leute, sie gehören nicht erst seit der Erfindung der Netz-Ökonomie zu den typischen Charakteren der Berufswelt.

Ähnlich verhält es sich mit Tesla, dem Unternehmen des genialischen Elon Musk. Formell ist der kalifornische Konzern ein Autobauer, er hat vier Modelle auf dem Markt, die sich einer kultischen Beliebtheit erfreuen. Und wenn man Umsatz und Gewinn zugrunde legt, dann kann der Eindruck entstehen, dass das Geschäft mit diesen Fahrzeugen sehr erfolgreich ist. Im ersten Quartal dieses Jahres erzielte Tesla einen Gewinn von 438 Mio. Dollar nach Steuern, über 60 Prozent mehr als im Vorquartal. Ein Rekord.

Das Problem ist nur: Mit Autos wurde dieser Gewinn eher nicht erzielt. Die Fahrzeugproduktion nahm bei Tesla im gleichen Zeitraum nur unwesentlich zu, die älteren Modelle S und X wurden im ersten Quartal 2021 sogar gar nicht gefertigt. Auch die Auslieferungen stiegen nur leicht um gut zwei Prozent.

Handel mit „Regulatory Credits“ und Bitcoin

Was sich hingegen als äußerst gewinnbringend erwies, waren zwei andere Geschäftszweige: Der erste davon ist der Verkauf von so genannten „Regulatory Credits“. Das sind im Grunde Emissionsrechte, die von verschiedenen Regierungen für die Produktion von Elektroautos ausgegeben werden – in der Annahme, dass diese Fahrzeuge keine Schadstoffe ausstoßen. Tesla kann diese Persilscheine an andere Hersteller verkaufen, die damit ihre CO2-Bilanz aufbessern. Und da die Credits das Unternehmen nichts kosten, liegt die Marge de facto bei 100 Prozent. 518 Mio. Dollar nahm das Unternehmen im ersten Quartal auf diese Weise ein – mehr als der gesamte Nettogewinn.

Es ist nicht das erste Mal, dass Tesla auf diese Weise seinen Gewinn anreichert, im Gegenteil, es ist seit Langem ein zentraler Teil des Geschäftsmodells. Hinzu kommt neuerdings der Handel mit der Kryptowährung Bitcoin, der in den ersten drei Monaten des Jahres 101 Mio. Dollar zum Gewinn beitrug. Also ein Geschäft, das mit Autos im Grunde gar nichts mehr zu tun hat.

Nun spricht nichts dagegen, dass ein Konzern beim Geldverdienen auf unterschiedliche Pfeiler setzt. Tesla tut das ja durchaus erfolgreich, und die Kapitalmärkte sind ohnehin davon überzeugt, dass dem Musk-Konzern eine goldene Zukunft bevorsteht. Tesla ist mit einer Marktkapitalisierung von über 700 Mrd. Dollar das mit Abstand wertvollste Unternehmen der Branche – weit vor den Branchenriesen Toyota oder Volkswagen, von Daimler und BMW ganz zu schweigen.

E-Auto-Konkurrenz gewinnt an Fahrt

Die Frage ist allerdings, wie lang sich ein Geschäftsmodell aufrechterhalten lässt, bei dem der nominelle Kern des Unternehmens – das Bauen von Autos – eine bestenfalls untergeordnete Rolle spielt. Elektroautos produzieren in immer größerem Stil auch andere, vor allem Volkswagen hat mit seiner I.D.-Serie im vergangenen Jahr deutlich an Fahrt aufgenommen. Und diese anderen haben aufgrund ihrer Erfahrung und ihrer Mengenvorteile auch die Chance, dieses Geschäft profitabler zu betreiben, als die Kalifornier es bisher tun. Das bedeutet aber auch: Der Bedarf an Emissionsrechten bei der Konkurrenz wird abnehmen, es ist ein absehbar endlicher Markt.

Zugleich stößt Tesla in der Herstellung der eigenen Fahrzeuge zumindest auf Hindernisse. Auch wenn es tatsächlich gelingen sollte, die neuen Großfabriken bei Berlin und in Texas noch in diesem Jahr an den Start gehen zu lassen (und für das deutsche Werk gibt es noch gar keine Genehmigung), so würde es noch länger dauern, bis von dort eine wirklich nennenswerte Stückzahl kommt.

Aber wer weiß? Vielleicht lassen sich Engpässe im Autobau ja auch dauerhaft ausgleichen – mit Bitcoin-Geschäften, Batterieverkäufen, Flammenwerfern oder was auch immer Elon Musk noch einfällt.

Es gibt ja Menschen, die immer noch eine Idee haben. Jeder kennt solche Leute.