KommentarTesla und Bitcoin: Die Tescoin-Bubble ist da

Tesla-Chef Elon MuskIMAGO / Xinhua

Blasen an den Kapitalmärkten bekommen ihren Namen erst im Nachhinein verliehen. Niemand wusste was Subprime ist, bevor der Markt im Jahr 2007 anfing zusammenzukrachen (Rückfragen dazu gern an Banken in Düsseldorf). Und dass Dotcom zur Bubble würde, zeigte sich ebenfalls erst so richtig, als es für viele Anleger schon zu spät zum Ausstieg aus dem Neuen Markt war. Die Mutter aller Crashs, der Schwarze Donnerstag des Jahres 1929, der an der Börse Berlin erst am Freitag ankam und den Begriff des „Schwarzen Freitag“ hierzulande prägte, war zunächst nur ein Rücksetzer am US-Aktienmarkt. Erst mit zeitlichem Abstand zeigte sich, dass die Party an diesem Tag zu Ende ging.

Aktuell diskutiert der Kapitalmarkt intensiv, ob er sich insbesondere bei Aktien bereits zur Blase aufgebläht haben könnte. Schon alleine die Diskussion könnte dem entgegenwirken, denn Blasen platzen meist aus unvorhersehbaren Gründen und werden nicht durch Absicherungsgeschäfte herbeigehedged. Doch sollte es doch zu einer Blase und ihrem Platzen kommen, dann hat sie seit diesem Montag einen Namen: Tescoin-Bubble.

Denn an diesem Montag ist zusammengekommen, was in Sachen Überbewertung zusammenpasst: Tesla-Aktien und Bitcoin. Beide haben einen extrem starken Kursanstieg hinter sich, der Bitcoin wurde heute mit über 43.000 Dollar gehandelt.

Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Dollar) Kryptowährung

BTC/USD (Bitcoin / US-Dollar) Kryptowährung Chart
Kursanbieter: Bitstamp

Die Aktie des Elektroauto-Pioniers gilt als massiv überbewertet und ob das Krypto-Asset Bitcoin überhaupt einen Wert hat, darüber wird gestritten. Hinter Bitcoin steht keine Notenbank, weshalb die Kryptowährung beliebt ist bei vielen, die an den Zusammenbruch des Geldsystems glauben und denen Gold nicht technologieaffin genug ist. Doch ohne Notenbank ist ein Bitcoin immer nur so viel wert, wie der nächste Käufer bereit ist zu bezahlen. Deshalb ist er als Wertaufbewahrungsmittel eine ziemlich riskante Wette. Wollen viele auf einmal Gewinne mitnehmen, dann dürfte der Preis einbrechen. Und damit sind wir wieder bei Tesla.

Nur ein Marketingtrick?

Das Unternehmen verkündete am Montag, es habe rund 1,5 Mrd. Dollar in Bitcoin investiert. Außerdem will es schon bald Zahlungen für seine Autos und andere Produkte in Bitcoin akzeptieren. Bevor alle ausflippen: Solange die Preise für die Autos und andere Produkte in Dollar und Euro ausgewiesen sind und mit dem tagesaktuellen Kurs in Bitcoin übertragen werden können, ist das nur ein netter Marketingtrick. Erst wenn das Unternehmen den Preis für ein Fahrzeug in Bitcoin fixieren würde, könnte das ein Gamechanger für Krypto-Assets sein. Dann wäre es aber allerspätestens an der Zeit, die Tesla-Aktie abzustoßen. Wer will sein Geld in ein Unternehmen anlegen, dessen Rechnungsgrundlage so schwankungsanfällig ist wie die Währung eines kriselnden Schwellenlandes.

Tesla-Boss Elon Musk hat, das muss man ihm lassen, auf jeden Fall Chuzpe gezeigt. Ob sich die US-Wertpapieraufsicht so leicht aushebeln lässt wie das deutsche Planungsrecht in Sachen Grünheide, wird sich allerdings zeigen. Denn Musk twitterte vor einer Woche, Bitcoin sei „an der Schwelle“ von Investoren akzeptiert zu werden. Wenn sich die Börsenaufsicht SEC die jugendliche Meute zur Brust nimmt, die mit Gamestop-Aktien zockte, dann sollte sie Musks Bitcoin-Äußerung erst recht prüfen. Die Frage ist, ob er entweder den Kurs hoch twitterte, nachdem Tesla gekauft hat – oder ob das Unternehmen ad-hoc-Pflichten nicht ernst nahm.

Doch egal wie die SEC sich verhält, Anleger sollten jetzt nicht auf den Hype aufspringen. Ja, Bitcoin kann noch weiter steigen, aber das Risiko eines Absturzes wird immer größer. Gleiches gilt für die heiß gelaufene Tesla-Aktie. Es ist offenbar ein zukunftsfähiges Unternehmen, das gute Autos baut. Aber der Kurs ist der Aktie bereits weit vorausgelaufen. Wer eines der beiden Assets besitzt, kann Gewinne mitnehmen – bevor alle auf die Idee kommen.

 


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