ExklusivSponsoren gehen auf Distanz zu aktueller DFB-Spitze

DFB-Präsident Fritz Keller, Generalsekretär Friedrich Curtius und der 1. Vizepräsident Rainer Koch (v.l.n.r.) beim DFB-Bundestag im vergangenen Jahr. Die Führungsspitze des Verbandes ist heillos zerstrittenIMAGO / osnapix

Die wichtigsten Sponsoren des DFB gehen wegen des ausufernden Machtkampfes auf Distanz zu der aktuellen Verbandsspitze. „Leider werfen die internen Führungsquerelen kein gutes Licht auf den DFB. Daher ist es wichtig, dass der Verband nun schnell die nötigen Schritte einleitet, um die offenkundigen Probleme zu lösen“, erklärte der Sportartikelhersteller Adidas, der seit Jahrzehnten als Ausrüster der Nationalmannschaft und der anderen DFB-Teams dient. Ein Ende der Querelen sei die DFB-Führung in erster Linie den Mitarbeitern und Mitgliedern schuldig, aber auch den Spielern und Partnern, fügte ein Adidas-Sprecher auf eine Capital-Anfrage vergangene Woche hinzu.

Ein Ende der Blockade in der Verbandsführung fordert auch der Autobauer Volkswagen. Man verfolge „die Entwicklungen der letzten Monate aufmerksam und mit Sorge“, teilte ein VW-Sprecher auf Anfrage mit. „Wir haben großes Interesse daran, dass der DFB bald zur Ruhe kommt und sich wieder mit voller Kraft inhaltlichen und sportlichen Themen widmen kann. Das wäre nicht nur für den DFB, sondern für den gesamten Fußballsport wichtig.“ Adidas und Volkswagen sind die mit Abstand größten Sponsoren des DFB. Ihr Engagement summiert sich Schätzungen zufolge auf fast 100 Mio. Euro pro Jahr. Volkswagen hatte erst 2019 den langjährigen Generalsponsor Mercedes-Benz abgelöst.

VW gehört seit 2019 zu den wichtigsten Sponsoren des DFB (Foto: IMAGO / Sven Simon)

Auch die Deutsche Telekom äußerte sich „beunruhigend“ über die Situation beim DFB. Die internen Zwistigkeiten schadeten „massiv“ dem Image des Verbands und belasteten die Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die bevorstehende Europameisterschaft, erklärte ein Konzernsprecher gegenüber Capital. „Als langjähriger Partner des DFB wünschen wir uns zügige strukturelle und personelle Entscheidungen, um den Verband wieder handlungsfähig zu machen. Der DFB muss seiner Verantwortung und Vorbildfunktion gerecht werden.“ Zugleich verband der Telekom-Sprecher seinen Appell mit einer Warnung: „Aktuell ist das Erreichen der mit unserem Sponsoring verbundenen Ziele gefährdet.“ Der aktuelle Vertrag des Konzerns mit dem DFB endet 2022.

Mehrere Verträge laufen aus

Bereits seit Monaten wird der mitgliederstärkste Sportverband der Welt von einem schmutzig ausgetragenen Machtkampf zwischen Präsident Fritz Keller und einem Lager um Generalsekretär Friedrich Curtius und den 1. Vizepräsidenten Rainer Koch gelähmt. Dubiose Beraterverträge, verbale Entgleisungen sowie Steuerermittlungen im Zuge der Affäre um die WM 2006 sowie zu Einkünften aus der Bandenwerbung bei Länderspielen haben das Image des DFB zusätzlich ramponiert. In einer Krisensitzung Anfang Mai entzogen die Landesverbände sowohl Keller als auch Curtius ihr Vertrauen. Bislang halten alle Akteure jedoch an ihren Ämtern fest. Nach Einschätzung von DFB-Insidern könnte nur ein umfangreicher Neuanfang an der Spitze die Blockade auflösen.

Die hausgemachte Führungskrise verschärft die Probleme, unter denen der Verband bereits seit einigen Jahren leidet. Dazu zählen die schwachen Ergebnisse der Nationalmannschaft seit der WM 2018, sinkende Ticketverkäufe und eine zunehmende Distanz vieler Fans – was auch Auswirkungen auf die Sponsoringverträge haben könnte, da der mit Abstand größte Teil der Einnahmen des DFB faktisch an der A-Nationalmannschaft hängen. In jüngerer Zeit haben bereits teils langjährige Sponsoren ihr Engagement nicht verlängert, darunter die Brauerei Bitburger, McDonald’s und der Softwarekonzern SAP.

Bundestrainer Löw nach dem 1:2 gegen Nordmazedonien: Auch die Leistungen der Nationalmannschaft machen die Sponsoren nervös (Foto: IMAGO / Laci Perenyi)

Nach DFB-Angaben laufen im kommenden Jahr weitere Verträge aus – neben der Telekom auch mit Rewe und dem Sportwettenanbieter Bwin. Noch bis Mitte 2024 läuft der Vertrag mit der Commerzbank, die in der Vergangenheit zu der Handvoll Partner gehörte, die die Nationalspieler für große Kampagnen mit TV-Spots nutzen durfte. Das teilstaatliche Institut wollte sich auf Anfrage nicht zu den Querelen äußern. Man betrachte die Vorgänge „aktuell als interne Angelegenheit des DFB“, teilte ein Konzernsprecher mit.

Viele Sponsoren fürchten, dass die Imageschäden durch den brutalen Machtkampf und die offenkundigen Corporate-Governance-Probleme im Verband auf sie abfärben könnten. Wer Millionen für Sponsoring aufwende, erwarte dafür einen „Premiumcharme“, heißt es in Sponsorenkreisen. Dies gelte sowohl für die sportlichen Leistungen als auch für das Auftreten des Verbands in der Öffentlichkeit.

Zu den führenden DFB-Partnern gehören mehrere Konzerne, an denen der Staat beteiligt ist, darunter neben Volkswagen, der Commerzbank und der Telekom auch die Lufthansa, die in der Corona-Krise mit Milliarden an Steuergeld gerettet werden musste. Gerade Unternehmen mit Staatsbeteiligung könnten verstärkt unter Rechtfertigungsdruck geraten, wenn sie – insbesondere in einer Wirtschaftskrise – Millionen an Sponsoringzahlungen an einen Partner mit massiven Governance- und Compliance-Problemen überweisen. Zuletzt hatte der Betriebsrat des DFB intern bereits die Sorge geäußert, dass die Dauerquerelen in der Führung auch Arbeitsplätze im Verband gefährden könnten.

Gespräche über Kompensationen

Auch am DFB ist die Corona-Krise nicht spurlos vorüber gegangen. Im vergangenen Jahr fanden monatelang keine Länderspiele statt – mit Folgen auch für die Sponsoren: Die Unternehmen konnten in dieser Zeit weder den Werbewert der DFB-Stars voll nutzen noch ihre Hospitality-Kontingente für VIP-Logen in den Stadien, um Geschäftspartner und Mitarbeiter einzuladen. Zudem entfiel 2020 die Europameisterschaft als Bühne, auf der sie sich wochenlang einem Millionenpublikum präsentieren können.

Zwar sind die wichtigen Erlöse aus TV-Rechten geflossen, weil etwa die zentral von der Uefa vermarkteten Spiele der Nations League seit dem vergangenen Herbst gebündelt nachgeholt wurden. Nach Capital-Informationen verlangen aber manche Sponsoren Kompensationen für Leistungen, die der DFB wegen der Pandemie nicht erbringen konnte. Zum Teil geht es dabei auch um finanzielle Zugeständnisse. Der DFB bietet einen Ausgleich durch zusätzliche Leistungen an anderer Stelle, etwa im Umfeld der EM, die diesen Sommer nachgeholt wird. Für die Telekom bestätigte ein Sprecher, man stehe wegen möglicher Kompensationen für Corona-bedingt nicht erbrachte Leistungen in einem „kontinuierlichen Austausch“ mit allen Sponsoringpartnern – also auch mit dem DFB.

Die Telekom hat sich für die EM umfangreiche Streaming-Rechte für die Spiele gesichert und steckt hohe Summen in eine groß angelegte Kampagne mit mehreren Nationalspielern. VW hat die Kooperation mit dem DFB vor allem mit dem Ziel abgeschlossen, die Markteinführung der neuen Elektroauto-Modelle zu unterstützen. Schätzungen zufolge lässt sich Volkswagen das Engagement 30 Mio. Euro im Jahr kosten – drei Mal so viel, wie zuletzt der Konkurrent Mercedes-Benz bezahlt hatte. Die Kooperation mit dem DFB ist Teil einer massiven Investition im Sportsponsoring, mit dem der Autokonzern auch den Imagewandel nach der unseligen Dieselaffäre vorantreiben will. Dafür ist Volkswagen auch 2018 als einer der Großsponsoren bei der Uefa eingestiegen.

 


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