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Piloten-Streik Lufthansa braucht einen Schlichter

Lufthansa Maschine am Frankfurter Flughafen Fraport. Im Cockpit, zwei Piloten.
Keine Flüge am Freitag: Die Lufthansa-Piloten streiken
© picture alliance / Daniel Kubirski
Die Lufthansa-Piloten streiken am Freitag, viele Flüge fallen aus. Für die leiderprobten Passagiere setzt sich das Chaos damit fort. Das Management ist überfordert, nicht nur mit den Piloten. Es ist Zeit, dass jemand anders schlichtet und aufräumt

Überraschend kommt das wirklich nicht. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verhandelt seit Monaten mit den Personalvertretern des Konzerns über höhere Gehälter, Inflationsausgleich und Zukunftsperspektiven für die 5000 Lufthansa-Piloten. Aus den Verhandlungsrunden drang ausnahmsweise mal nichts nach außen. Aber die Gespräche waren offenbar so festgefahren, dass die VC ihre Mitglieder schon vor Wochen über einen möglichen Arbeitskampf abstimmen ließ.

Die Zustimmung war hoch – wie erwartet. Das Management auf der anderen Seite des Verhandlungstisches reagierte entrüstet – wie erwartet. Es gab zwar weitere Gespräche, aber kein Ergebnis. Die Piloten haben das Angebot ihres Arbeitgebers abgelehnt und den Arbeitskampf ausgerufen – immerhin mit Ankündigung und einem Tag Vorlauf. Am Freitag wird nicht geflogen.

So läuft das in Tarifkonflikten. So war es kürzlich bei der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die mehr Gehalt für das Bodenpersonal an Flughäfen ausgehandelt hat. So ist es alle Jahre wieder bei Lokführern, Krankenhausmitarbeitern und eben auch bei den Piloten. Sie ringen, sie drohen, sie machen auf ihre Lage und Forderungen aufmerksam. Und am Ende gibt es nach aller Aufregung dann doch auch immer eine Lösung. Dann herrscht wieder Ruhe, es wird gearbeitet, der Betrieb läuft wieder.

Die Rituale sind immer gleich. In der Regel schwappt auch schnell eine Empörungswelle durch die Gesellschaft. Gerade eine gutverdienende, selbstbewusste Berufsgruppe wie die Piloten stehen dann schnell am Pranger.

Das Mitleid mit den Piloten wird sich auch jetzt in Grenzen halten. Aber das Verständnis für das Lufthansa-Management rund um Konzernchef Carsten Spohr und Personalvorstand Michael Niggemann auch. Das Vertrauen in gute Führung und Konfliktlösung haben sie in den letzten Wochen gründlich verspielt, als das absehbare Chaos an den Flughäfen für alle Kunden sichtbar und spürbar war.  

Es ist ganz offenbar höchste Zeit für einen Schlichter, der oder die hier aufräumt – nicht nur im laufenden Tarifkonflikt mit den Piloten.

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