GastkommentarÖkonomie des Teilens braucht Freiraum

Sharing Economy
Ökonomie des Teilens: Versprechen einer besseren Zukunft
© Valerie Schmidt

Dieter Janecek ist Mitglied im Deutschen Bundestag und wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die GrünenDieter Janecek ist Mitglied im Deutschen Bundestag und wirtschaftspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen


Teilen, leihen, weiterverkaufen – das ist in der Ökonomie nichts Neues. Neu ist, dass die Digitalisierung diese Formen des ökonomischen Austauschs (wieder)belebt hat und sich derzeit vielfältige Geschäftsmodelle der Share Economy entwickeln. Nutzen statt Besitzen, Ökonomie des Teilens, vermittelt über Online-Plattformen und Apps werden Privatpersonen zu Entrepreneuren.

Derzeit tut sich viel in der Share Economy Szene, immer mehr Menschen beteiligen sich an der alternativen Wirtschaftsform. Doch neben der Faszination der Nutzer, lassen sich immer mehr kritische Stimmen gegenüber der wachsenden Ökonomie des Teilens wahrnehmen. So warnt Roland Tichy in seinem Artikel „KAppitalismus: App-Kapitalismus in der Share-Ökonomie“ vor dem unkontrollierten Kleinkapitalismus der Share-Ökonomie. DGB-Chef Reiner Hoffmann wiederum spricht im Interview mit dem Spiegel „Moderne Sklaverei“ die Risiken an, die die neuen Geschäftsmodelle der Share Economy für Arbeitnehmerrechte mit sich bringen. Die Debatte um den Limousinen-Service Uber oder die Zimmervermittlungsplattform Airbnb machen etablierten Taxifahrer oder Hoteliers mächtig Druck. Und so haben einige Städte-Verwaltungen ihre Dienste vorsorglich untersagt. Und die Politik auf Bundesebene? Sie schaut ratlos vom Spielfeldrand zu.

Der kritische Blick auf die Share Economy ist richtig. Und wenn Missstände, wie ungleiche Marktzugangsbedingungen oder fehlende Besteuerungsregelungen bezüglich Einnahmen aus Share Economy Tätigkeiten festgestellt werden, muss selbstverständlich über eine geeignete Regulierung diskutiert werden.

Digitale Vermarktung ist keine Sharing Economy

Jedoch wird in der aktuellen Debatte wenig differenziert. Wenn Handwerker, Künstler oder Hand-Made-Produzent auf Plattformen wie DaWanda ihre Dienstleistungen und Produkte anbieten, hat das erst mal nicht viel mit der Ökonomie des Teilens zu tun. Dann nutzen sie schlicht die Möglichkeiten der Digitalisierung für Marketing und Vertrieb. Digitalisierung ermöglicht neue Formen von Klein- und Kleinstunternehmen.

Nur: Produkte und Dienstleistungen digital zu vermarkten macht noch keine Share Economy. Wenn jemand einfache handwerkliche Tätigkeiten online anbietet, dann ist das auch nichts anderes als die Kleinanzeige in den Gelben Seiten oder der Abrisszettel am Laternenmast – höchstens schneller, praktischer, billiger – digital eben.

Prinzipiell tendiere ich dazu, solche neuen Geschäftsmodelle als Erweiterung, als Bereicherung unserer bisherigen Wirtschaft zu begreifen. Inwieweit die Digitalisierung die Gründung von Klein(st)unternehmen vorantreibt, darüber lohnt die Diskussion mit Sicherheit. Und auch darüber, was das für Sozial-, Arbeitsmarkt- und Qualitätsstandards bedeutet.

Worum geht es bei Share Economy?

Der Nutzen der Share Economy lässt sich am Beispiel Auto am besten darstellen. Rund 30 Minuten am Tag wird ein Pkw in Deutschland am Tag bewegt, viele Stadtbewohner nutzen ihr Fahrzeug nur ein bis zweimal Mal die Woche. Die restliche Zeit braucht ein Auto einfach viel Platz, der oft einfach nicht da ist oder viel zu wertvoll ist. Statt Parkplätzen lassen sich kleine Parks schaffen, Spielplätze, vielleicht auch Wohnraum – auf jeden Fall lässt sich der Raum sinnvoller nutzen. In München beispielsweise stehen rund 800.000 Fahrzeuge größtenteils nur so rum – bei 1,4 Millionen Einwohner. Ökologisch wie ökonomisch sinnlos! Carsharing, möglichst unkompliziert via Smartphone, ist da die deutlich bessere Option.